Ein Mann trinkt am Abend aus einer Flasche Schnaps.  | dpa

Studie Viele Alkoholkranke im Norden und Osten

Stand: 26.12.2021 11:13 Uhr

In Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es deutlich mehr Alkoholkranke als im Bundesschnitt. Dies geht aus einer Untersuchung der Barmer Krankenkasse hervor. Bundesweit waren 2020 mehr als 1,1 Millionen Menschen alkoholabhängig.

In Mecklenburg-Vorpommern und in Bremen gibt es einer Studie zufolge deutlich mehr alkoholkranke Menschen als im Bundesschnitt. Das geht aus einer Auswertung des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Barmer Krankenkasse hervor, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Demnach diagnostizierten Ärztinnen und Ärzte im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern bei 21 und in Bremen sogar bei 22 je 1000 Personen eine Alkoholabhängigkeit. Im Bundesschnitt liegt der Anteil bei 14 Alkoholkranken je 1000 Personen.

Hohe Rate in Ostdeutschland

Auffällig ist, dass die Rate der Alkoholkranken in allen ostdeutschen Ländern vergleichsweise hoch ist. So sind in Sachsen 19 je 1000 Personen betroffen, in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen je 17 auf 1000.

Spitzenreiter im Westen sind neben Bremen auch Hamburg (18 je 1000) und Schleswig-Holstein (17 je 1000). Es folgen Niedersachen (14), Bayern (13) sowie Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und das Saarland mit je zwölf pro 1000 Personen. Den geringsten Anteil an Alkoholkranken gab es in Rheinland-Pfalz mit elf je 1000 Personen.

"Die massiven regionalen Unterschiede bei der Alkoholabhängigkeit sind rein medizinisch nicht erklärbar. Hier dürften auch soziodemografische Faktoren eine Rolle spielen", sagte die leitende Medizinerin Ursula Marschall.

Zweite Lebenshälfte und Generation Babyboomer

Insgesamt waren im vergangenen Jahr in Deutschland 820.000 Männer und 329.000 Frauen in Deutschland erwiesenermaßen alkoholabhängig, insgesamt also rund 1,1 Millionen Menschen. Dabei sind vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte betroffen gewesen. "Alkoholismus manifestiert sich in der Regel über viele Jahre und kommt vor allem in der Generation der Babyboomer der 1950er- und 1960er-Jahre vor", betonte Marschall. Damals habe Alkohol einen anderen Stellenwert gehabt. Heute stünden in der Gesellschaft dagegen die Risiken viel stärker im Vordergrund.

Gleichwohl sei die Zahl der Menschen mit der Diagnose Alkoholabhängigkeit in den vergangenen fünf Jahren von 1,09 auf 1,15 Millionen Betroffene gestiegen.

Minimaler Rückgang durch Pandemie

Vom Jahr 2019 auf 2020 habe es einen minimalen Rückgang gegeben. Dieser lasse sich mutmaßlich auf die Corona-Pandemie zurückführen und die Tatsache, dass weniger Menschen ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hätten. Dadurch seien einige Fälle auch unentdeckt geblieben, betonte die Medizinerin.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. Dezember 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.