Archivbild: Veronika Zepkalo (l-r), Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa | dpa

Belarusische Oppositionelle Tichanowskaja erhält Aachener Karlspreis

Stand: 17.12.2021 12:22 Uhr

Den Aachener Karlspreis bekommt das Gesicht der Opposition gegen Machthaber Lukaschenko in Belarus. Swetlana Tichanowskaja soll den Preis am Himmelfahrtstag erhalten. Mit ihr werden zwei Mitstreiterinnen geehrt.

Die drei belarusischen Oppositionellen Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Weronika Zepkalo erhalten den Aachener Karlspreis 2022. Sie würden für ihren mutigen Einsatz für Freiheit, Demokratie und für die Aufrechterhaltung der Menschenrechte ausgezeichnet, teilte das Direktorium des Internationalen Karlspreises zu Aachen mit. Der Vorsitzende Jürgen Linden sagte, alle drei hätten den Preis "mit großer Freunde" angenommen.

Aufruf an die Europäer

Sie seien ein "einmaliges Vorbild" gegen Diktatur, Unterdrückung und einen Unrechtsstaat. Das Kämpferische der Frauen sollte auch viele der politischen Verantwortungsträger in Europa erinnern, "sich mehr um Belarus zu kümmern und sich dafür einzusetzen, dass dort endlich demokratischere Strukturen entstehen". Die Wahl der Preisträgerinnen sei damit ein "Aufruf an die manchmal ermüdende europäische Gesellschaft, sich wieder dieser europäischen Werte zu erinnern und tatkräftiger dafür einzutreten", sagte Lindner.

Tichanowskaja lebt im Exil

Tichanowskaja ist das Gesicht der Opposition gegen den autoritären Machthaber Alexander Lukaschenko. Als ihr Ehemann bei der Präsidentschaftswahl in Belarus nicht antreten durfte, kandidierte sie im vergangenen Jahr selbst. Erneut zum Sieger ausrufen ließ sich damals der oft als "letzter Diktator Europas" kritisierte Lukaschenko, was der Westen nach Berichten über massive Fälschungen aber nicht anerkennt.

Inzwischen lebt die 39-jährige Tichanowskaja im Exil. Ihr Mann sitzt in Belarus in Haft. Tichanowskaja wird von Kolesnikowa, die Anfang September in einem international kritisierten Prozess zu elf Jahren Straflager verurteilt wurde, und Zepkalo unterstützt. Die beiden in Freiheit lebenden Frauen wollten den Preis selbst entgegennehmen. Für Kolesnikowa wolle ihre Schwester kommen, sagte Linden.

Verdienste um die europäische Einigung

Die Ehrung soll am 26. Mai 2022 im Krönungssaal des Aachener Rathauses übergeben werden. Der Karlspreis wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Zu den prominentesten Preisträgern zählen Papst Franziskus und der französische Präsident Emmanuel Macron. Mit pandemiebedingt einjähriger Verspätung wurde erst im Oktober der jüngste Preis an den rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis verliehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.