Reisende mit Maske steigen in einen Regionalzug. | dpa
FAQ

Debatte über Nachfolge Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket?

Stand: 01.09.2022 06:54 Uhr

Das 9-Euro-Ticket ist ausgelaufen. Warum es keine direkte Nachfolge für die vergünstigten Fahrkarten gibt - und die Debatte trotzdem noch lange nicht zu Ende ist. Ein Überblick.

Was folgt aufs 9-Euro-Ticket?

Zunächst einmal nichts. Bislang gibt es noch keine Anschlusslösung. Einige Bundesländer sind mit Ideen und Initiativen vorgeprescht. So gibt es etwa ein Projekt im Landkreis Lüchow-Dannenberg, NRW weitet das Wochenendangebot für Abos aus - doch letztlich warten alle auf einen Vorschlag von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Wissing wiederum pocht auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen - und die ist Ländersache. "Die Menschen haben durch den Kauf dieser vielen Tickets darüber abgestimmt, dass es so nicht bleiben soll", sagte der Politiker im Deutschlandfunk hinsichtlich der Vielfalt an Tarifzonen und Verkehrsverbünden.

Für eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets müssten aber zuerst die Struktur des Tickets und seine Finanzierung geklärt werden - und dann der Preis. Unter diesen Voraussetzungen sei der Bund auch bereit, einen Beitrag zur Finanzierung zu leisten, sagte der Verkehrsminister. Immerhin: Dass es mit der Idee eines simplen, bundesweiten Nahverkehrstickets irgendwie weitergehen soll, darüber herrscht inzwischen weitgehende Einigkeit. Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) ist dafür. "Volker Wissing hat mich überzeugt: Er kann mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9-Euro-Tickets ein bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket realisieren", schrieb Lindner auf Twitter zu einem Foto, das ihn mit dem Bundesverkehrsminister zeigt.

Welche Ideen für ein bundesweites Ticket gibt es bislang?

Die meisten Ideen beziehen sich auf die Höhe des Preises eines künftigen Monatstickets: Von 9 bis 69 Euro sind inzwischen zahlreiche Vorschläge gemacht worden. Die Bundes-SPD etwa hat ein bundesweites 49-Euro-Ticket ins Spiel gebracht, die Grünen wollen das um ein regionales Monatsticket für 29 Euro ergänzen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) wiederum hatte sich für ein 69-Euro-Ticket ausgesprochen.

Was sind die größten Hindernisse?

Das größte Hindernis ist - wie so oft - die Finanzierungsfrage. Hier schieben sich Bund und Länder seit Wochen die Verantwortung zu. Aus Sicht der Länder ist klar: Einfach ein weiteres billiges ÖPNV-Ticket darf es nicht geben. Auch das Grundangebot im Nahverkehr muss verbessert werden: mehr Infrastruktur, mehr Personal, mehr Fahrzeuge. Sie fordern deshalb, dass die Regierung die sogenannten Regionalisierungsmittel deutlich aufstockt, mit der der Bund den ÖPNV in den Ländern und Kommunen mitfinanziert. Zusätzlich zu der bislang schon geforderten Erhöhung um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr wollen die Verkehrsministerinnen und -minister mit Verweis auf die hohen Energiepreise für die Jahre 2022 und 2023 jeweils weitere 1,65 Milliarden Euro. Andernfalls müssten die Unternehmen die Preise im ÖPNV bald erhöhen - anstatt eines günstigeren Angebots für Busse und Bahnen würden die Fahrten teurer.

Sind Preiserhöhungen realistisch oder eine leere Drohung? 

Das ist durchaus realistisch. Teils sind schon jetzt deutliche Tarifsteigerungen beschlossen. So steigen etwa in und um Stuttgart die Tarife zum Jahreswechsel durchschnittlich um 4,9 Prozent, im Großraum Nürnberg werden es drei Prozent sein. Im Rhein-Main-Verkehrsverbund gab es schon zum Juli einen Aufschlag von 3,9 Prozent. Im September und Oktober beraten vielerorts weitere Gremien der Verkehrsverbünde über den künftigen Tarif. Mit einer Anschlusslösung fürs 9-Euro-Ticket ist bis dahin nicht zu rechnen. Hohe Preise für Strom und Diesel belasten viele Verkehrsunternehmen - und dürften in vielen Fällen auf die Fahrpreise durchschlagen.

Ab wann ist mit einer Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket zu rechnen? 

Das ist völlig offen. In diesem Jahr dürfte es aber nichts mehr werden. Allein für die technische Umsetzung einer dauerhaften Anschlusslösung für das 9-Euro-Ticket brauchen die Verkehrsunternehmen aus Sicht ihres Branchenverbands etwa drei Monate. Sollte die Politik also ein neues Angebot zum 1. Januar des kommenden Jahres starten wollen, müssten die politischen Entscheidungsprozesse "idealerweise" bis Anfang Oktober abgeschlossen sein, sagte ein VDV-Sprecher.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. August 2022 um 11:51 Uhr.