Astronaut Alexander Gerst

Gerst wird erster deutscher ISS-Kommandant @Astro_Alex fliegt wieder ins All

Stand: 18.05.2016 15:45 Uhr

Nach seiner ersten Mission auf der Internationalen Raumstation wurde Alexander Gerst als "Popstar unter den Astronauten" gefeiert. Bald darf er nun erneut ins All fliegen: Als erster Deutscher übernimmt er dann das Kommando auf der ISS.

Von Jan Philipp Burgard, WDR

Ob der Gaza-Krieg oder die Zerstörung des Regenwaldes - die Krisen unseres Planeten sind sogar vom All aus sichtbar. Der Astronaut Alexander Gerst hat sie bei seinem ersten Flug ins All vor zwei Jahren dokumentiert - per Twitter und Facebook gingen die Bilder um die Welt. Bald wird Gerst wieder auf die Verletzbarkeit unseres Planeten aufmerksam machen können. 2018 soll der Geophysiker zum zweiten Mal in den Weltraum aufbrechen.

Drei Monate ISS-Kommandant

Sechs Monate wird er auf der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt, drei davon sogar als Kommandant. Damit ist Gerst der erste Deutsche und erst der zweite Europäer auf diesem Posten. Diese Nachricht wurde im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Europäischen Astronautenzentrum in Köln verkündet.

"Ich fühle mich sehr geehrt, dass man mir das Kommando über die Internationale Raumstation übertragen wird", sagte Gerst. "Dieses internationale Zeichen des Vertrauens spiegelt die Zuverlässigkeit der ESA als Kooperationspartner wider und wurde ermöglicht durch die großartige Arbeit meiner europäischen Kollegen während der vorherigen Missionen", sagte der 40-Jährige.

Tests bemannte ESA-Missionen

Zusammen mit den USA, Russland, Japan und Kanada sind über die Europäische Weltraumorganisation (ESA) elf europäische Staaten an der ISS beteiligt. Die ESA lobte Gersts Fachkompetenz und seine Teamfähigkeit. Gleichzeitig zeichne er sich durch herausragende Führungsqualitäten aus.

Auf der ISS wird Gerst voraussichtlich mit dem ESA-Trainingssystem MARES zur Erforschung von Muskelschwund arbeiten, Plasmakristalle in der Schwerelosigkeit untersuchen und neue Technologien zur Unterstützung des ESA-Programms für bemannte Erkundungen testen. Außerdem wird er weitere Experimente für die an der Raumstation beteiligten Partner durchführen. Bei seiner ersten Mission erprobte Gerst zum Beispiel elektromagnetische Metalllegierungen, die die Energieeffizienz von Triebwerksturbinen steigern sollen.

Gerst als Glücksfall

Für die ESA ist der Aufstieg des populären Gerst zum ISS-Kommandanten ein Glücksfall. Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Kritik an der teuren bemannten Raumfahrt. Und die Europäische Weltraumorganisation braucht bald Geld für neue Projekte. Anfang Dezember treffen sich die zuständigen Minister der elf beteiligten Staaten, um das zukünftige Budget festzulegen.

Im Jahr 2016 beträgt der Etat rund 5,3 Milliarden Euro. Die europäischen Pro-Kopf-Investitionen in die Raumfahrt seien vergleichsweise gering, betont die ESA. Für die Raumfahrtausgaben bezahle jeder Bürger eines ESA-Mitgliedsstaates Steuergelder etwa in der Höhe eines Kinobesuchs. In den Vereinigten Staaten seien die Investitionen in die zivile Raumfahrt fast viermal so hoch. Deutschland steuert im Jahr 2016 exakt 827,6 Millionen Euro zum Budget der ESA bei.

Alexander Gerst bei einem Außeneinsatz während seiner ersten ISS-Mission | Bildquelle: dpa
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Nach seinem ersten Einsatz auf der ISS lobte die ESA Gersts Kompetenzen sowie seine Teamfähigkeit und seine Führungsqualitäten.

Traum von der Reise zum Mond

Von der finanziellen Ausstattung der ESA hängt auch die Zukunft der Raumstation ISS ab. Die Europäer haben ihre Beteiligung nur bis 2020 gesichert, die anderen Staaten bereits bis 2024. Alexander Gerst hat über den Erhalt seines neuen "Wohnzimmers" auf der ISS hinaus bereits die nächsten Ziele fest im Blick. Er träumt davon, der erste Deutsche auf dem Mond zu werden.

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