Ein Neubau in Berlin (Symbolbild) | Bildquelle: dpa

Transparency-Studie Immobilie kaufen - Drogengeld waschen

Stand: 07.12.2018 16:01 Uhr

Genaue Zahlen kennt keiner. Transparency International wagt sich in einer Studie aber an eine Schätzung: Danach werden bis zu 30 Prozent aller kriminellen Gelder inzwischen in Immobilien investiert - mit Folgen auch für Mieter.

Laut einer Studie der Organisation Transparency International wird der deutsche Immobiliensektor zunehmend zum Ziel von milliardenschwerer Geldwäsche. Transparency schätzt, dass 15 bis 30 Prozent aller kriminellen Gelder inzwischen in Immobilien investiert werden - durch den Bau von Häusern über Sanierung bis hin zu Kauf, Verkauf und Miete. Oft geschehe das über Strohmänner, was die Aufdeckung schwierig mache.

Nach Schätzungen über 30 Milliarden Euro

Es werde vermehrt ausländisches Geld investiert, dessen Herkunft unklar sei, heißt es in der jetzt vorgestellten Studie. "Nach Schätzungen waren es allein 2017 über 30 Milliarden Euro." Ermittlungen in Italien zeigen, dass gerade die Mafia enorme Geldsummen, die unter anderem aus dem Kokainhandel stammten, durch den Immobilienerwerb reinzuwaschen versucht.

Allein wegen seines Volumens biete der deutsche Immobilienmarkt ein riesiges Potenzial für Geldwäsche, heißt es in der Studie weiter. Unbekannt sei, wie viele Immobilien und Grundstücke ausländischen juristischen Personen gehören - in Berlin zum Beispiel laufen derzeit Projekte von Bürgern und Medien, um die wahren Eigentümer herauszufinden. Von einem arabischen Großclan wurden im Juli 77 Wohnungen, Häuser und Grundstücke beschlagnahmt.

Nur 20 Hinweise von Maklern

Mitte Oktober hatte auch der Chef der Anti-Geldwäsche-Einheit FIU (Financial Intelligence Unit), Christof Schulte, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa vor einer Zunahme krimineller Machenschaften im Immobiliensektor gewarnt. Er appellierte an Makler und Notare, sich bei Verdachtsfällen öfter an die FIU zu wenden, die verdächtigen Geldbewegungen nachspürt. Denn von knapp 60.000 Verdachtsmeldungen 2017 habe es lediglich rund 20 Hinweise von Immobilienmaklern auf mögliche Geldwäschefälle gegeben.

Verlässliche Daten zur Frage der Geldwäsche gibt es nicht. Die Transparency-Studie greift deshalb auf die Auswertung diverser schriftlicher Quellen zurück - etwa offizielle Stellungnahmen, Gesetze oder Medienberichte. Ergänzt werden sie durch Interviews mit Experten aus Verwaltung, Polizei und Immobilienwirtschaft.

Grüne: Sozialer Friede gefährdet

Auch die Bundesregierung kann immer wieder nur Schätzungen zum Umfang des Problems nennen. Die Grünen-Finanzpolitikern Lisa Paus forderte sie auf, dem Thema höhere Priorität einzuräumen. Im Immobiliensektor sehe man derzeit, "wie Geldwäsche erheblichen Schaden anrichtet und den sozialen Frieden gefährdet." Denn solche Geschäfte würden letztlich auch steigende Mieten und Kaufpreise mitverursachen.

Die Grünen-Politikerin forderte die Einrichtung eines Immobilienregisters nach britischem Vorbild. "Nur wer seine Finanzen und Hintermänner offenlegt, sollte das Recht haben, in Deutschland Immobilien zu kaufen", forderte Paus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Dezember 2018 um 15:00 Uhr.

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