Großraumbüro | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gehaltsunterschied zu Männern Frauen verdienen im Leben halb so viel

Stand: 17.03.2020 10:12 Uhr

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wird meist am Stundenlohn festgemacht. Aufs ganze Berufsleben gerechnet fällt der Unterschied noch drastischer aus, wie eine Studie zum heutigen "Equal Pay Day" zeigt.

In Westdeutschland verdienen Männer im Laufe ihres Berufslebens im Schnitt knapp 1,5 Millionen Euro - Frauen kommen auf rund 830.000 Euro. Im Osten ist das Verhältnis ähnlich: Männer erhalten durchschnittlich etwa 1,1 Millionen Euro, Frauen 660.000 Euro. Diese Zahlen gehen aus einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Sie zeigen die so genannte "Gender Lifetime Earnings Gap", die Lücke in den Lebenserwerbseinkommen im Vergleich zwischen Männern und Frauen. Im Westen liegt sie der Studie zufolge bei 45 Prozent, im Osten bei 40 Prozent. Bundesweit nähmen hochqualifizierte Frauen, die bis 1974 geboren seien, durchschnittlich so viel ein wie geringqualifizierte Männer. Jüngere Akademikerinnen könnten ein ähnliches Lebenserwerbseinkommen wie mittelqualifizierte Männer erwarten, so die Studie weiter.

Vor allem Mütter sind betroffen

Insbesondere Mütter hätten in Bezug auf Chance und Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt das Nachsehen, erklärte die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Manuela Barisic. Kinder führen der Studie zufolge zu einer deutlichen Minderung der Lebenserwerbseinkommen von Müttern, während sie sich auf das Einkommen der Väter kaum auswirkten. Mütter, die heute Mitte 30 sind, können demnach mit einem Lebenserwerbseinkommen von durchschnittlich rund 580.000 Euro (Westdeutschland) beziehungsweise 570.000 Euro (Ostdeutschland) rechnen. Lediglich die Lebenserwerbseinkommen kinderloser Frauen näherten sich denen der Männer an.

Vermehrte Teilzeitbeschäftigung von Frauen sowie längere Auszeiten machen der Studie zufolge rund die Hälfte der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männer auf Lebenszeit aus. Kinderbetreuung und die Pflege Angehöriger spielten hier eine wesentliche Rolle, so die Studie weiter.

"Gender Pay Gap" bei 20 Prozent

Wenn es um Gehaltsunterschiede geht, wird meist der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Männern und Frauen verglichen. Daraus ergibt sich die "Gender Pay Gap". Doch die verschleiere, "wie groß die Kluft zwischen Männern und Frauen beim Einkommen tatsächlich ist", erklärte Barisic. Denn dabei würden nur diejenigen berücksichtigt, die zu dem Zeitpunkt aktiv im Arbeitsmarkt seien.

Derzeit liegt die "Gender Pay Gap" nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bundesweit bei 20 Prozent. Sie sei damit um einen Prozentpunkt geschrumpft - und immer noch deutlich höher als in vielen anderen europäischen Ländern.

Corona-Krise offenbart typische Muster

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey verwies auf strukturelle Benachteiligungen. "Wir haben viel mehr Frauen, die in schlechter bezahlten Berufen sind, und viel mehr Frauen, die nur in Teilzeit arbeiten" - weil sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssten, sagte die SPD-Politikerin im Morgenmagazin. Zudem gebe es weniger Frauen in Führungspositionen. "Und das wirkt sich aus: über 20 Prozent Lohnlücke, über 50 Prozent Rentenlücke dann."

Dass wegen der Schul- und Kitaschließungen im Zuge der Corona-Krise vor allem Mütter zu Hause blieben, zeige, "dass die Sorgearbeit nach wie vor zu einem sehr großen Teil durch Frauen wahrgenommen wird und die Partnerschaftlichkeit noch nicht überall Realität ist", so Giffey.

Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin, über Kinderbetreuung in der Corona-Krise
Morgenmagazin, 17.03.2020

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Am heutigen 17. März ist in Deutschland der so genannte "Equal Pay Day". Der Termin gibt symbolisch an, bis zu welchem Tag im Jahr Frauen praktisch unbezahlt gearbeitet haben, obwohl sie die gleiche Arbeit wie Männer leisten, die bereits seit dem 1. Januar bezahlt werden. Unterschiede nach Qualifikation, Branchen oder Teilzeitquote werden hier nicht gemacht.

Über dieses Thema berichtete das morgenmagazin am 17. März 2020 um 08:10 Uhr.

Darstellung: