Ukrainische Flüchtlinge in Deutschland | dpa

Geflüchtete aus der Ukraine Kommunen und Kreise bitten um Hilfe

Stand: 14.03.2022 12:59 Uhr

Deutschland hat bisher rund 147.000 Geflüchtete aus der Ukraine registriert. Landkreise und Kommunen bitten um Unterstützung bei Verteilung und Versorgung der Menschen. Grünen-Fraktionschefin Haßelmann schlägt einen Gipfel vor.

Die Zahl der in Deutschland registrierten Flüchtlinge aus der Ukraine ist auf rund 147.000 gestiegen. Bis Montag seien 146.989 Menschen von der Bundespolizei verzeichnet worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Da es keine Kontrollen an der Grenze zu Polen gibt und Menschen mit ukrainischem Pass ohne Visum in die EU einreisen können, liegt die tatsächliche Zahl vermutlich höher.

Haßelmann: Gipfel soll koordinieren

Die Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sieht daher die Notwendigkeit eines Gipfels zum Umgang mit den ukrainischen Kriegsflüchtlingen. "Wichtig ist jetzt, dass Bund, Länder, Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen beraten, welche Hilfen und Unterstützung für die nächste Zeit vorgehalten werden müssen und welche Bedarfe zu decken sind", sagte Haßelmann der dpa.

Britta Haßelmann | AFP

Haßelmann will die Anstrengungen bei einem Flüchtlingsgipfel koordinieren. Bild: AFP

In Deutschland gäben Hilfsorganisationen, Rettungsdienste, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von THW, Initiativen, Bahn, staatlichen Stellen und Zivilgesellschaft alles, um geflüchtete Menschen aus der Ukraine aufzunehmen und zu unterstützen, so Haßelmann weiter. "Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß. Darüber können wir sehr froh sein."

Landkreise wollen gleichmäßige Verteilung

Der Landkreistag verlangt eine gleichmäßige Verteilung der Kriegsflüchtlinge im gesamten Bundesgebiet, um eine Überlastung einzelner Landkreise und Städte zu verhindern. Die Zahl der Geflüchteten nehme deutlich zu, sagte Präsident Reinhard Sager der "Rheinischen Post". "Deshalb ist die schnelle Hilfeleistung der Landkreise das eine, eine belastbare längerfristige Perspektive das andere." Zu gegebener Zeit werde auch das Thema der Kosten mit Bund und den Ländern zu besprechen sein.

Berlin bittet um Bundeswehr-Hilfe

Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, bat bei einem Besuch einer Notunterkunft für ukrainische Flüchtlinge um Unterstützung: "Wir brauchen Hilfe. Wir vermuten, dass das, was wir jetzt sehen erst der Anfang ist."

Alle müssten sich deshalb in den kommenden Tagen und Wochen koordinierter aufstellen - ein Hilferuf auch an die Bundesregierung. Die Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping sagte, Berlin stemme so viel wie alle anderen Bundesländer zusammen.

Bürgermeisterin Giffey ruft nach der Bundeswehr - die aber schweigt bisher. Der Chef des Bundeswehrverbandes Andre Wüstner sagte bei "Welt-TV": "Was sollen wir noch alles leisten?" Die Realität sei die, dass die Bundeswehr durch die permanente Amtshilfe, die man seit Jahren, ob bei Corona, Fluthilfen oder anderen Krisen, leiste, die eigentlichen Aufgaben der Bundeswehr vernachlässige. "Das geht nicht so weiter", sagt Wüstner.

Mit Informationen von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. März 2022 um 13:00 Uhr.