Verschiedenensprachiger Schriftzug am "Erinnerungsort Olympia-Attentat" im Olympia-Park in München. | AFP

Olympia-Attentat 1972 Opferangehörige boykottieren Gedenkfeier

Stand: 12.08.2022 02:05 Uhr

Die Angehörigen der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 in München wollen die Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Anschlags boykottieren. Hintergrund ist ein Streit um Entschädigungszahlungen. Nur könnte auch Israels Präsident fernbleiben.

Nach einem wochenlangen Streit um weitere Entschädigungszahlungen haben die Angehörigen der israelischen Opfer des Münchner Olympia-Attentats von 1972 ihre Teilnahme an der Gedenkfeier abgesagt. Die Hinterbliebenen riefen zudem den israelischen Staat zum Boykott auf, sagte Ankie Spitzer, Sprecherin der Opferfamilien, der Nachrichtenagentur AFP. Die Angehörigen hatten diesen Schritt bereits vor etwa zwei Wochen angedroht.

In einem Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder schrieben die Hinterbliebenen zu ihrer Entscheidung demnach: "50 Jahre Schmähung, Lügen, Erniedrigung und Abweisung durch die deutsche Regierung und insbesondere bayerische Behörden sind mehr als genug für uns." Über die Absage und den Brief hatte zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet.

Streit um Entschädigungszahlungen

Hintergrund ist ein seit langem schwelender Streit um Entschädigungszahlungen, sagte Spitzer dem "Spiegel". Zuletzt schien zunächst Bewegung in den Konflikt gekommen zu sein, nachdem den Familien der Opfer weitere Zahlungen in Aussicht gestellt worden waren. Doch auch das neue Angebot der Bundesregierung, des Freistaats Bayern und der Stadt München bezeichnete Spitzer bereits als Beleidigung.

Spitzer sagte AFP, die deutschen Behörden hätten zwar eine öffentliche Entschuldigung und eine Öffnung der Archive zum Anschlag zugesagt. Es gebe aber noch keine Einigung über eine Entschädigung nach "internationalen Standards". Dem Vernehmen nach stand eine Summe von zehn Millionen Euro im Raum, auf die Zahlungen aus den Jahren 1972 und 2002 in Höhe von rund viereinhalb Millionen Euro angerechnet werden sollten.

Bereits Ende Juli hatte es Medienberichte über Gespräche zwischen der Bundesregierung und den Hinterbliebenen über neue Entschädigungszahlungen gegeben. Eine Vertreterin der Angehörigen bezeichnete die Vorschläge der Regierung damals als beleidigend.

Bayerische Staatskanzlei: "Bedauern die Absage sehr"

Ein Sprecher der bayerischen Staatskanzlei sagte: "Wir bedauern die Absage sehr. Die Verhandlungen werden weiter fortgeführt mit dem Ziel, ein positives Ergebnis zu erreichen."

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums verwies darauf, dass sich der Bund, Bayern und die Stadt München entschieden hätten, zusätzlich zu den bisher gezahlten Beträgen weitere Anerkennungsleistungen für die Hinterbliebenen bereitzustellen.

Die Bundesregierung bedauere, dass bislang noch kein Konsens mit ihnen erreicht worden sei. Der Bund sei bereit, die laufenden Gespräche fortzuführen. Der Sprecher bekräftigte den Wunsch der Bundesregierung, dass an der Gedenkveranstaltung am 5. September auch Hinterbliebene teilnehmen.

Attentat auf israelisches Team im September 1972

Vor 50 Jahren, am 5. September 1972, hatten palästinensische Terroristen einen Anschlag auf die Olympischen Sommerspiele in München verübt. Elf Mitglieder des israelischen Teams, darunter Spitzers Ehemann André, und ein Polizist starben.

Die Hinterbliebenen des Anschlags hatten bereits Anfang August den israelischen Präsidenten Isaac Herzog gebeten, der Gedenkveranstaltung fernzubleiben. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") befürchten offizielle Stellen inzwischen eine Absage des israelischen Staatspräsidenten bei der zentralen Gedenkveranstaltung. "Wenn die Familien der Gedenkfeier fernbleiben, wird es auch für den Präsidenten sehr schwierig werden teilzunehmen", zitierte die "SZ" einen mit den Vorgängen vertrauten Regierungsbeamten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2022 um 06:17 Uhr.