Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legt am sowjetischen Mahnmal einen Kranz nieder. | dpa

Deutscher Überfall auf UdSSR 1941 "Angriff war mörderische Barbarei"

Stand: 22.06.2021 12:40 Uhr

Mit einer Kranzniederlegung hat Bundespräsident Steinmeier der Opfer des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion vor 80 Jahren gedacht. Auch der russische Präsident Putin erinnerte an den Angriff - in einem Gastbeitrag auf deutsch.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat 80 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der gefallenen Soldaten und der zivilen Opfer gedacht. Am sowjetischen Ehrenmal Schönholzer Heide in Berlin-Pankow legte er einen Kranz nieder.

Schätzungen zufolge wurden im deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion mindestens 27 Millionen Menschen getötet, darunter 14 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten. Es gibt allerdings auch Schätzungen über deutlich höhere Opferzahlen. Etwa drei Millionen deutsche Soldaten starben im Verlauf des Angriffs. Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion fand am 22. Juni 1941 statt.

"Erinnerung bleibt uns Deutschen eine Verpflichtung"

"Niemand hatte in diesem Krieg mehr Opfer zu beklagen als die Völker der damaligen Sowjetunion", hatte Steinmeier zuvor in einer Rede gesagt. "Und doch sind diese Millionen nicht so tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt, wie ihr Leid, und unsere Verantwortung, es fordern." Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion sei eine "mörderische Barbarei" gewesen. "Die Erinnerung an dieses Inferno, an absolute Feindschaft und die Entmenschlichung des Anderen - diese Erinnerung bleibt uns Deutschen eine Verpflichtung, und der Welt ein Mahnmal", sagte Steinmeier. Nur wer die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart lesen lerne, werde zu einer Zukunft beitragen können, "die Kriege vermeidet, Gewaltherrschaft ablehnt und ein friedliches Zusammenleben in Freiheit ermöglicht."

Sowjetische Gefangene in Auschwitz getötet

Das Ehrenmal Schönholzer Heide in Berlin ist neben den in Treptow und Tiergarten gelegenen eines der drei großen sowjetischen Ehrenmäler in Berlin. Dort liegen die sterblichen Überreste von mehr als 13.000 Offizieren und Soldaten der Roten Armee, die in der Schlacht um Berlin 1945 starben. Das Ehrenmal erinnert auch an die Opfer unter den sowjetischen Kriegsgefangenen.

Das Internationale Auschwitz Komitee erinnerte daran, dass nur wenige Wochen nach dem Überfall die ersten sowjetischen Soldaten als Kriegsgefangene in das Konzentrations-und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht wurden. Insgesamt seien mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene in Auschwitz ermordet worden.

Gastbeitrag von Putin

Anlässlich des 80. Jahrestages des Überfalls von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin in einem deutschsprachigen Gastbeitrag für bessere Beziehungen mit Europa ausgesprochen. Es gebe viele gemeinsame Interessen wie Sicherheit, strategische Stabilität, Klima- und Umweltprobleme, schrieb Putin in dem Text, den "Die Zeit" veröffentlichte.

Gleichzeitig erhob der russische Präsident aber auch Vorwürfe gegen EU und Nato. "Die Grundursache des zunehmenden gegenseitigen Misstrauens in Europa lag im Vorrücken des Militärbündnisses gen Osten", so Putin in dem Text, der nach Angaben der "Zeit" zuerst auf Russisch und dann auf Deutsch in der Redaktion eingetroffen war.

Putin lobt die Rote Armee

Putin warf Europa vor, einen "bewaffneten verfassungswidrigen Staatsstreich" in der Ukraine unterstützt zu haben. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass mit dem Angriff der Nazis am 22. Juni 1941 für das sowjetische Volk der Große Vaterländische Krieg begonnen hatte: "der blutigste in der Geschichte unseres Landes".

Putin lobte "den Mut und die Standhaftigkeit der Helden der Roten Armee und der Arbeiter daheim", die nicht nur ihr Vaterland, sondern auch Europa und die ganze Welt vor Versklavung gerettet hätten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2021 um 12:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 22.06.2021 • 16:15 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation