Cornelia Weigand, Malu Dreyer und Guido Orthen fassen sich während der Gedenkfeier in Bad Neuenahr-Ahrweiler an den Händen. | dpa

Jahrestag der Flutkatastrophe Tausende erinnern an Flutopfer

Stand: 14.07.2022 20:09 Uhr

Am ersten Jahrestag der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW haben Tausende Menschen an die Opfer erinnert. Aus der EU-Kommission kommt der Vorschlag, einen europäischen Gedenktag für die Opfer des Klimawandels zu schaffen.

Zum ersten Jahrestags der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben beide Länder am Donnerstag der rund 190 Toten gedacht. Am Nachmittag fanden zentrale Gedenkveranstaltungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie in Euskirchen statt, die beide besonders von den Fluten getroffen worden waren.

Allein in Bad Neuenahr-Ahrweiler gedachten Hunderte Angehörige, Betroffene und Helfer der Toten, auch Bundeskanzler Olaf Scholz nahm teil. "Das heutige Gedenken hat eine klare Botschaft: Die Menschen im Ahrtal sind nicht alleine und können auf eine große Verbundenheit aus dem ganzen Land zählen", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer laut Redetext bei der Gedenkveranstaltung. Von den mindestens 135 Toten in Rheinland-Pfalz waren 134 im Ahrtal gestorben. Zwei weitere Opfer werden noch immer vermisst.

"Ich kann verstehen, wenn Ihnen alles trotzdem manchmal nicht schnell genug geht, wenn Sie einfach nur wollen, dass es vorangeht." Es werde aber jeden Tag "hart daran" gearbeitet, dass der Wiederaufbau für alle gelinge, sagte Dreyer. "Das Ahrtal ist nicht vergessen." Sie dankte dem Bund, der allein für Rheinland-Pfalz 15 Milliarden Euro Wiederaufbauhilfe zur Verfügung gestellt habe.

Mehrere hundert Menschen nehmen an der Gedenkfeier ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal teil. | dpa

Hunderte erinnern in Bad Neuenahr-Ahrweiler an die Flutkatastrophe vor einem Jahr. Bild: dpa

Wüst: Flut "mahnendes Zeugnis" für den Klimawandel

In Euskirchen erinnerte neben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem ökumenischen Gottesdienst an die Geschehnisse vor einem Jahr. Wüst sagte in der Kirche, die bei dem Hochwasser beschädigt worden war: "Das sind die Folgen unseres Umgangs mit der Erde." Die Katastrophe sei ein trauriges, mahnendes Zeugnis des menschengemachten Klimawandels gewesen. Das Klima zu schützen, sei eine der größten Herausforderungen: "Es liegt an unserer Generation, die richtigen Weichen zu stellen", sagte Wüst.

In NRW waren 49 Menschen bei der Flut ums Leben gekommen - viele Betroffene und Retter hatten berichtet, an einigen Orten seien die Warnungen nicht oder zu spät angekommen, zudem habe es Defizite in den Kommunikationsketten gegeben. Bundespräsident Steinmeier äußerte Verständnis für Fragen, warum nicht schnell und umfassend genug gewarnt worden sei. Zügige Lösungen für einen besseren Katastrophenschutz müsse nun das ganze Land finden.

Timmermans für europäisches Gedenken

EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans brachte anlässlich des Jahrestags ein jährliches Gedenken an die Opfer des Klimawandels ins Gespräch. Timmermans, der auch für Umwelt zuständig ist, sagte am Rande des Umweltministertreffens in Prag: "Es ist Zeit, dass wir diesen Opfern etwas mehr Aufmerksamkeit schenken." Er wolle den Ministern vorschlagen, einen Gedenktag zu schaffen, "an dem wir der Opfer dieser schrecklichen Wetterlagen gedenken, die von der Klimakrise ausgelöst werden".