Rosen liegen am 76. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkriegauf dem Altmarkt an einer Gedenkstätte, die an die Opfer der Bombardierung Dresdens erinnern soll. | dpa

Gedenken in Dresden Erinnerung an Krieg und Zerstörung

Stand: 13.02.2021 19:16 Uhr

Dresden hat der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg vor 76 Jahren gedacht. Wegen der Corona-Pandemie fand nur ein reduziertes Programm statt. Einer Demonstration von Neonazis stellten sich Bürger entgegen.

Am 76. Jahrestag der alliierten Luftangriffe ist in Dresden an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg sowie an alle Opfer von Krieg und Gewalt erinnert worden. Den Auftakt bildeten kleine Gedenkveranstaltungen auf Friedhöfen, auf denen Opfer bestattet sind. Landtagspräsident Matthias Rößler legte als Schirmherr des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge auf dem Nordfriedhof einen Kranz nieder.

Kretschmer lobt deutsche Aufarbeitung

Deutschland habe sich seiner Nazi-Vergangenheit gestellt, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Rahmen einer Feierstunde. "Wir haben schonungslos aufgearbeitet und Konsequenzen gezogen aus dem, was in der Zeit des Nationalsozialismus an Verbrechen begangen wurde und welche Schuld wir Deutschen daran haben." Deutschland genieße überall in der Welt unterschütterliches Vertrauen. "Die übergroße Mehrheit der Deutschen steht, wenn es um Gleichheit, Gerechtigkeit, den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus geht."

Weniger Programmpunkte wegen Corona

Das Programm des Gedenktages war wegen der Corona-Pandemie auf ein Minimum reduziert worden. In einem Online-Friedensgebet rief Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke zu Respekt und Toleranz auf. Die Dresdner Frauenkirche sei als Zeichen für Menschlichkeit und Glaubensstärke wiedererrichtet worden, sagte die evangelische Theologin. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 2005 wieder eingeweihte Barockbau sei ein Hoffnungszeichen und verbinde Menschen in der Stadt und weltweit.

 Günther Ulbricht, 85-jähriger Zeitzeuge aus Dresden, und Angelika Behnke, Frauenkirchenpfarrerin, entzünden am 76. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg vor Beginn einer Andacht unter dem zerstörten Turmkreuz Gebetslichter. | dpa

Günther Ulbricht (links) hatte die Angriffe als Kind selbst miterlebt. Bild: dpa

Der Zeitzeuge Günther Ulbricht rief in dem Online-Gebet zu Zivilcourage auf. Die junge Generation nehme den Zustand des Friedens als Selbstverständlichkeit. "Das ist ein Irrtum", sagte Ulbricht, der als Neunjähriger die Luftangriffe auf Dresden miterlebt hat. Frieden sei kein Geschenk, sondern eine Lebensaufgabe.

Am Abend wurde mit einer virtuellen Menschenkette der Zerstörung und der Opfer gedacht. Bei der Aktion wurden unter Glockengeläut Bilder von Dresdnerinnen und Dresdnern auf die Frauenkirche, die Synagoge und weitere markante Gebäude projiziert. Mehr als 1200 Menschen hatten sich mit ihrem Foto beteiligt, darunter auch Frauen und Männer aus dem Ausland.

Protest gegen Neonazi-Demonstration

Am Nachmittag standen laut Augenzeugen rund 500 Neonazis bis zu 300 Gegendemonstranten gegenüber, die lautstark, mit Trommeln und Sprechchören gegen Rechtsextremismus und den Missbrauch der historischen Ereignisse protestierten. Laut Polizei war die Lage in der Stadt dennoch "ruhig und entspannt".

Sachsen, Dresden: Ein Schild "Menschenrechte" statt rechte Menschen» hängt inmitten einer Demonstration gegen eine rechte Kundgebung am 76. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg vor dem Hauptbahnhof. | dpa

Demonstranten stellten sich der Neonazi-Kundgebung entgegen. Bild: dpa

Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bomben stark zerstört worden; bis zu 25.000 Menschen starben. Neonazis hatten früher immer wieder versucht, den Gedenktag zu missbrauchen. Seit 2012 überwiegt das friedliche Gedenken der Bürger - diesmal unter dem Motto "Erinnern, um nicht zu wiederholen!".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Februar 2021 um 18:00 Uhr.