Ein Mitarbeiter steht auf dem Gelände eines Gasspeichers in Rheinland-Pfalz. | dpa

Gasspeicher zu 75 Prozent gefüllt "Haben das erste Zwischenziel erreicht"

Stand: 14.08.2022 11:47 Uhr

Zwei Wochen früher als geplant haben die deutschen Gasspeicher laut der Betreiber einen Füllstand von 75 Prozent erreicht. Obwohl damit ein erstes Zwischenziel erreicht ist, könnte es Experten zufolge im Winter dennoch knapp werden.

Trotz der seit Wochen deutlich reduzierten Liefermengen aus Russland sind die deutschen Gasspeicher wieder zu mehr als 75 Prozent gefüllt. Nach neuesten, vorläufigen Daten der europäischen Gasspeicherbetreiber vom Samstagabend lag der Füllstand zuletzt bei 75,43 Prozent. Damit wurde das erste Speicherziel einer neuen Verordnung mehr als zwei Wochen früher als vorgeschrieben erreicht.

"Wir haben das erste Zwischenziel vor der Zeit erreicht. Das ist erfreulich", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. "Nun gilt es, nicht nachzulassen beim Befüllen der Speicher. Das Gas, das jetzt in die Speicher fließt, kann uns im Winter helfen." Die nächsten Ziele seien ambitioniert.

Die Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. September zu mindestens 75 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. Oktober sollen es mindestens 85 Prozent und am 1. November mindestens 95 Prozent sein. Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt.

Gas könnte trotzdem knapp werden

Der Geschäftsführer des Speicherverbandes Ines, Sebastian Bleschke, sprach von einer "guten Perspektive", betonte aber, dass 75 Prozent erst ein Zwischenziel seien. "Im Kern geht es um die Erreichung von 95 Prozent am 1. November", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Bei Normaltemperaturen im Oktober werde sich die beginnende Heizsaison stark auf die Einspeichermöglichkeiten auswirken. Aufgrund der stark reduzierten Gasimporte sei es daher möglich, dass dieses Füllstandsziel verfehlt werde.

Bei normalen Temperaturen und den reduzierten Gaslieferungen über Nord Stream 1 könne das gespeicherte Gas schon im März oder April aufgebraucht sein, warnte Bleschke. "Sollte Russland die Gaslieferungen ganz einstellen, schon früher." Zu Unterdeckungen kann es nach Einschätzung des Verbandes allerdings auch schon vor März kommen. "Denn es kann passieren, dass an besonders kalten Tagen die Gasentnahme aus dem Netz so hoch ist, dass die zeitgleichen Gaseinspeisungen nicht zur Bedarfsdeckung ausreichen." In diesen Fällen müsste laut Bleschke die Nachfrage reduziert werden, obwohl noch Gas in den Speichern lagert.

Gasverbrauch gesunken

Laut Speicherverband Ines werden die derzeit starken Einspeicherungen vor allem durch geringe Sommer-Verbräuche und starke Importe aus Nordwesteuropa ermöglicht. Laut Bundesnetzagentur lag der Gasverbrauch in Deutschland bis einschließlich Juli knapp 14 Prozent unter dem des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Hauptgründe dafür sind nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die milde Witterung und das hohe Gaspreisniveau.

Vorbereitung auf Ausfall russischer Lieferungen

Die Bundesregierung will mit verschiedenen Maßnahmen erreichen, dass die Gasspeicher in Deutschland zu Beginn der Heizperiode fast voll sind. Deutschland soll damit im Winter besser gegen einen Totalausfall russischer Lieferungen gewappnet sein. Die bei einem Füllstand von 95 Prozent gespeicherte Gasmenge entspricht etwa dem bundesweiten Verbrauch im Januar und Februar 2022. Insgesamt können die deutschen Speicher etwa ein Viertel des pro Jahr benötigten Erdgases aufnehmen.

Noch pumpt Russland Erdgas nach Deutschland. Seit über zwei Wochen ist die wichtige Ostseepipeline Nord Stream 1 jedoch nur noch zu rund 20 Prozent ausgelastet. Der russische Gaskonzern macht technische Gründe dafür verantwortlich, die Bundesregierung hält dies für vorgeschoben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2022 um 11:10 Uhr.