Bei dem Demonstrationszug aus Keyenberg zeigen Demonstranten ihre Hände mit dem Aufschrift «Alle Dörfer Bleiben».

Braunkohletagebau Tausende demonstrieren gegen Garzweiler

Stand: 30.08.2020 20:20 Uhr

Am Braunkohletagebau Garzweiler haben rund 3.000 Menschen am Sonntag für den Erhalt der Dörfer demonstriert. Mehr als 20 Initiativen und Umweltverbände hatten zu der Großdemo aufgerufen.

Das Motto der Demonstration: "Alle Dörfer bleiben! Jetzt erst recht!" Für den heranrückenden Tagebau werden derzeit noch fünf Erkelenzer Ortschaften umgesiedelt. Viele Häuser stehen bereits leer, aber es gibt auch Menschen, die ihre Heimat nicht aufgeben wollen.

Zur Demo aufgerufen hatte ein bundesweites Bündnis von Umweltverbänden und Klimagruppen. Zu den Unterstützern der Demonstration gehörten unter anderem Greenpeace, Fridays for Future und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Veranstalter rechneten bereits im Vorhinein mit rund 3.000 Teilnehmern. Von der Polizei waren mehrere Hunderschaften aus ganz NRW im Einsatz. Die Proteste verliefen friedlich.

Menschenkette einmal ums Dorf

Die Menschen wollten einen früheren Ausstieg aus der Braunkohle als 2038, wie von der Bundesregierung beschlossen, sagte eine Sprecherin des Bündnisses "Alle Dörfer bleiben". Wenn Deutschland die Pariser Klimaziele erreichen wolle, dann werde auch die Kohle unter den Dörfern nicht mehr benötigt.

Aktivisten von Extinction Rebellion auf einem Braunkohlebagger
galerie

Aktivisten von Extinction Rebellion haben einen Braunkohlebagger besetzt

Bagger am Morgen besetzt

Klimaaktivisten hatten am frühen Sonntagmorgen zeitweise einen Kohlebagger im Tagebau Garzweiler besetzt. Einige von ihnen hätten sich mit Kunstblut übergossen, teilte die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion mit.

Der Bagger sei nicht in Betrieb gewesen, sondern für Reparaturen vorgesehen, teilte ein RWE-Sprecher mit. Auch ein Förderband wurde von den Demonstranten besetzt. Nach mehreren Stunden hatte die Polizei die Blockade aufgelöst.

Vertreter des Bündnisses vor Ort

Die Vertreter von Greenpeace, Fridays for Future und des BUND versammelten sich bereits am Sonntag Morgen vor dem Beginn der Demonstration an der Abbruchkante und warben für das Ende des Tagebaus im Sinne des Klimaschutzes.

Luisa Neubauer von der Bewegung Fridays for Future forderte einen Kohleausstieg bis 2030, um die Klimaziele zu erreichen. Die Bundesregierung hatte einen Ausstieg bis zum Jahr 2038 beschlossen. Dirk Jansen vom BUND forderte den Erhalt der Ortschaften, die derzeit für den Tagebau umgesiedelt werden.

1/11

Demonstrationszug nach Lützerath

Demonstrationszug nach Lützerath

Demonstranten bilden Menschenkette

Der Fußmarsch der Demonstranten startete mit rund 1.000 Teilnehmern, schlussendlich nahmen laut Veranstalter rund 3.000 Demonstranten an den Protesten teil. Um die kleine Ortschaft Lützerath herum bildeten die Teilnehmer eine Menschenkette, während im Ort selbst eine Kundgebung des Bündnisses für den Klimaschutz lief.

Pariser Klimaziele werden verfehlt

Die Klimabewegung will einen deutlich früheren Ausstieg aus der Kohle erreichen. 2038 – wie von der Bundesregierung beschlossen – sei zu spät, hieß es.

Die Klimabewegung stützt sich auf Aussagen von Wissenschaftlern: Diese betonen, dass die Pariser Klimaziele für Deutschland nur mit einem deutlich früheren Kohleausstieg erreicht werden können. Die Kohle unter den Erkelenzer Dörfern werde nicht mehr benötigt, erklärte eine Sprecherin des Organisationsteams.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. August 2020 um 15:00 Uhr.

Darstellung: