Corona-Ausbruch in Garmisch Touristin soll Superspreader sein

Stand: 12.09.2020 18:44 Uhr

Eine infizierte Frau hat die Corona-Fälle in Garmisch-Partenkirchen sprunghaft ansteigen lassen. Die 26-Jährige war trotz Symptomen feiern und steckte als "Superspreaderin" vermutlich viele weitere Menschen an.

Eine US-Amerikanerin war im Nachtleben von Garmisch-Partenkirchen vermutlich ein sogenannter "Superspreader" und hat zahlreiche weitere Menschen mit Covid-19 angesteckt. Die Frau hatte trotz Corona-Symptomen die Nacht durchgefeiert. Nach bisherigem Stand steckte sie mindestens 33 weitere Menschen an.

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wird nun der Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten, wie das Landratsamt mitteilte. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz liegt demnach bei 54.*

Beschränkungen wurden erlassen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes versuchen, weitere Infizierte und Erkrankte aufzuspüren. Vermutlich sind noch weitere Personen infiziert - vor allem Partygänger im Alter zwischen 18 und 35 Jahren könnten betroffen sein.

�� Superspreader und Superspreading-Events: Von solchen Situationen hört und liest man in letzter Zeit häufiger. Als "Superspreader" werden Menschen bezeichnet, die jeweils gleich eine ganze Gruppe weiterer Menschen anstecken. Die Zahl der von ihnen direkt Infizieren übersteigt dabei deutlich die sogenannte Reproduktionszahl. Der Virologe Christian Drosten verweist immer wieder darauf, dass ein Superspreader für Infektionscluster sorgt, aus denen dann schnell neue Infektionsketten entstehen können. Gerade bei Sars-CoV-2 ist das gut möglich, da Infizierte schon vor dem ersten Auftreten von Symptomen andere anstecken und die Viren verteilen können.

Infizierte feierte in mehreren Lokalen

Mit Hochdruck versucht das Corona-Ermittlungsteam, Infektionsketten nachzuvollziehen. Wie Landrat Anton Speer dem Bayerischen Rundfunk sagte, gestaltet sich das jedoch äußerst schwierig. Die hoch infektiöse 26-jährige US-Amerikanerin war in mehreren Lokalitäten in Garmisch-Partenkirchen unterwegs. Sie und weitere Infizierte seien gleich mehrmals rund um das vergangene Wochenende sowie am vergangenen Dienstag vermutlich in einer Cocktailbar am Marienplatz und in einer irischen Kneipe am Rathausplatz mit zahlreichen weiteren Personen in Kontakt gewesen.

Die 26-Jährige war laut Landratsamt vor kurzem von einem Urlaub im europäischen Ausland nach Garmisch zurückgekehrt. Vorherige Angaben, wonach es sich um eine aus den USA eingereiste Touristin handle, korrigierte die Behörde. Allein in einer Unterkunft auf dem Gelände von US-Streitkräften, in der sie übernachtet hatte, wurden demnach bisher 24 Menschen positiv getestet.

Nach Angaben des Landratsamts soll die US-Amerikanerin auf ihrer Kneipentour schon Symptome gehabt und auf die Ergebnisse ihres Corona-Tests gewartet haben. "Die Dame hat Symptome gehabt, war bei uns bei der Teststation und wurde aufgrund der Symptome aufgefordert, in Quarantäne zu bleiben. Das hat sie aber nicht getan", sagte Behördensprecher Stephan Scharf.

Partygänger sollen sich testen lassen

Landrat Speer appelliert an alle Bürger, die in den letzten Tagen im Nachtleben der Marktgemeinde unterwegs waren, sich beim Gesundheitsamt in Garmisch-Partenkirchen zu melden und sich freiwillig testen zu lassen. "Kostenlose Coronatests sind nach vorhergehender Anmeldung, das ganze Wochenende über im Testcenter am Alpspitz-Wellenbad möglich." Aus medizinischer Sicht sei mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Infektionen im Landkreis zu rechnen, teilte das Landratsamt mit.

Neue Beschränkungen in Kraft

Um ein weiteres Infektionsgeschehen zu unterbinden, wurden gestern mit sofortiger Wirkung weitere Beschränkungen erlassen. So schließen für die nächsten sechs Tage in der Marktgemeinde alle Lokalitäten um 22.00 Uhr, der Kontakt im öffentlichen Raum wird auf maximal fünf Personen beschränkt und die Teilnehmerzahl an privaten Feiern wurde im Freien auf maximal 100 und in geschlossenen Räumen auf maximal 50 Personen festgelegt.

"Ausbremst is"-Demo und Landwirte-Kundgebung abgesagt

Sicherheitshalber haben die Veranstalter, die eigentlich für heute geplanten, "Ausbremst is"-Demo abgesagt. Auch die Kundgebung von Landwirten aus Protest gegen die Ausbreitung von Wölfen in Bayern an diesem Sonntag fällt coronabedingt aus. Ob der Anstieg der Neuinfektionen auch Auswirkungen für Schulen und Kindertagesstätten hat, war zunächst nicht bekannt.

*Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels hieß es, dass 54 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Richtig ist jedoch, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei 54 liegt - dies wurde im Artikel nachträglich geändert. Das Landratsamt hat zudem klargestellt, dass die 26-Jährige zwar US-Amerikanerin ist, aber keine Urlauberin, die jüngst aus den USA einreiste.

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Quelle: B5 aktuell 12.09.2020 - 09:00 Uhr

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