Sigmar Gabriel bei der Vorstellung eines neuen Buches. | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/Shutterstoc

Gabriel wird Aufsichtsrat Vom Pop-Beauftragten zum Banker

Stand: 20.05.2020 21:01 Uhr

Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank gab es eine spannende Personalie: Ex-SPD-Chef Gabriel wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Was macht er eigentlich sonst?

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hauptstadtstudio

Sigmar Gabriel ist ein vielbeschäftigter Mann. Oder, wie es sein Büro formuliert: terminlich sehr eingebunden. Ein Interview gibt der Terminplan gerade nicht her. Dafür hält Gabriel morgens um zehn einen Vortrag an der Uni Würzburg: über Covid-19 und die Folgen.

Der Ex-Vizekanzler und multiple Minister, SPD-Chef, Ministerpräsident, Lehrer und Pop-Beauftragte redet vor Volkswirtschaftlern über eine Pandemie. "Das zeichnet Deutschland irgendwie aus, was Menschen hier werden können", sagt er.

Auch und gerade Menschen wie Sigmar Gabriel - Sohn einer Krankenschwester und eines Beamten, welcher zeit seines Lebens ein Nazi-Ideologe blieb. "Das waren ja doch komplizierte Verhältnisse bei uns zuhause", beschreibt Gabriel das. "Und meine Mutter hätte wahrscheinlich gesagt, ich bin froh, wenn er die Schule schafft."

"Jeder muss selbst wissen, was er tut"

Nun ist er sogar Ehrenbürger seiner Heimatstadt Goslar - und jetzt auch Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Einem Unternehmen, dem es gerade ähnlich gut oder schlecht geht wie der SPD. "Ich wäre nicht in die Deutsche Bank eines Joe Ackermann - der hätte mich auch gar nicht gefragt - oder Anshu Jain gegangen, die hätten ja Leute wie mich für Menschen gehalten, die irgendwie nichts Anständiges gelernt haben."

Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft werden nicht gerne gesehen. Auch in der SPD bliesen viele die Backen auf, als das Gerücht aufkam, Gabriel würde Chef des Automobil-Verbandes werden. "Jeder muss selbst wissen, was er tut", kam es kurz angebunden vom SPD-Linken Ralf Stegner.

Nicht des Geldes wegen, sagt Gabriel

Zugetraut hätte man es ihm. Das politische Schwergewicht Gabriel war schon immer sehr beweglich. Kein Wunder. "Ich hab mal Turniertanzen gemacht", so Gabriel.

Jetzt tanzt er auf so vielen Hochzeiten, dass schon das Zuschauen schwindlig macht. Gastredner, Gastautor, Vorsitzender der Atlantik-Brücke, Politik-Berater. Des Geldes wegen ist er übrigens nicht zur Deutschen Bank gegangen, beteuerte er jüngst einem Medien-Startup:

"Wenn es mir ums Geld gegangen wäre, dann hätte ich den angebotenen Job bei der Auto-Industrie angenommen. Der wird glaube ich bis zum Zehnfachen besser bezahlt als ein Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Aber ich wollte kein Lobbyist werden, und ich wollte nicht an die Türen klopfen müssen, hinter denen ich selber mal gesessen habe."

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Kompliziertes Verhältnis zur Partei

Die Stelle "Genosse der Bosse" ist in der SPD ja auch schon besetzt. Das Verhältnis Gabriels zu seiner Partei ist ähnlich kompliziert wie das von Gerhard Schröder. Beide grätschen gerne ungefragt dazwischen.

Vielleicht ändert sich das aber irgendwann. Er biete etwas an, sagte Gabriel: "Ich schreibe in mein Testament, dass man mich ausstopfen darf, dann darf man mich in den Keller des Willy-Brandt-Hauses stellen und immer, wenn ein Schuldiger gesucht wird, dürfen sie mich rausholen." Auch das klingt sehr nach Vollbeschäftigung.

Sigmar Gabriel: Vom Pop-Beauftragten zum Aufsichtsrat
Barbara Kostolnik, ARD Berlin
20.05.2020 13:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Mai 2020 um 06:11 Uhr.

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