Küken in einem Mastbetrieb.
Hintergrund

Schon lange nicht mehr nur natürlich Was steckt in modernem Futtermittel?

Stand: 07.01.2011 17:27 Uhr

Hühner picken nicht mehr nur Körner, Schweine fressen nicht mehr nur Kartoffelschalen. In modernen Mastbetrieben wird das Futter vom Feld schon länger mit Abfallprodukten aus der Industrie vermengt. Was viele Experten als ungefährlich sehen, kritisieren Tierschützer als riskante Resteverwertung.

Von Karl-Felix Scheele für tagesschau.de

Jährlich produziert die Deutsche Futtermittelindustrie etwa 28 Millionen Tonnen Mischfutter. 2008 wurden davon nach Angaben des Deutschen Verbands für Tiernahrung allein 9,18 Millionen Tonnen in der Schweinemast verfüttert. Dabei bekamen die Tiere nicht nur Getreide zu fressen. Auch Proteine, Fette, Vitamine und Mineralstoffe werden dem Futter heutzutage beigemischt.

Nicht alles kommt frisch vom Feld

Nur noch 60 Prozent des Nutztierfutters sind natürlich, also noch nicht industriell verändert. Laut Andreas Susenbeth, Leiter des Instituts für Tierernährung an der Universität Kiel, handelt es sich bei den naturbelassenen Bestandteilen um Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Mais. Welche Sorte eingesetzt wird, bestimmt der Markt. Teures Getreide wird nicht verarbeitet, weil es den Futterpreis erhöht.

Weil Getreide aber proteinarm ist, werden dem Nutztierfutter zehn bis 20 Prozent sogenannter Proteinträger hinzugefügt. Proteinträger sind zum Beispiel Sonnenblumen- und Sojaschrot, die bei der industriellen Speiseölgewinnung als Abfallprodukt entstehen. Rapsschrot wird, weil es faserig ist, nur im Futter für Wiederkäuer verwendet. In der ökologischen Mast wird teilweise Kartoffelprotein eingesetzt.

Ergänzungsstoffe wie Vitamine und Hormone

Zweieinhalb bis vier Prozent der Mischung sind Mineralstoffe und Vitamine. Die genaue Menge und Zusammensetzung ist vom jeweiligen Nutztier abhängig, also zum Beispiel davon, ob das Mischfutter in der Kälberaufzucht oder Kälbermast verwendet wird. Beigemischt werde, so Susenbeth, auch Vitamin D, das den Knochenaufbau fördern soll - in Spanien aber auch als Rattengift eingesetzt wird. Entscheidend sei die Dosierung.

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert seit langem den Einsatz von Ergänzungsstoffen, zu denen auch Hormone und Antibiotika zählen. Nach Meinung der Tierschützer soll damit nur kostengünstig die Mastdauer verkürzt werden.

Abfallstoffe aus der Lebensmittelindustrie

Doch in modernem Tierfutter steckt noch mehr. Mit bis zu drei Prozent Fett werden die Mischungen angereichert. Fett und pflanzliche Öle sind die teuerste Komponente im Mischfutter. Häufig werden darum kostengünstige Mischfette eingesetzt, bei denen das einzelne Fett in der Masse nicht geeignet wäre. Ein Beispiel ist das harte Palmfett, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird. Im Futter dient Fett übrigens als Energielieferant und auch als Bindemittel für die trockenen Futterbestandteile.

Der Rest - bis zu ein Drittel des Futtermittels - besteht aus Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie: Weizenkleie aus Mühlen, Rübenschnitzel aus der Zuckerproduktion oder - für Wiederkäuer - Biertreber aus den Brauereien.

Historisch ist Restverwertung keine Unbekannte

Der Einsatz solcher Abfallprodukten sei nicht bedenklich, sagt Susenbeth. Denn jeder zugelassene Zusatzstoff sei mit seiner erlaubten Dosis genau in der Futtermittelverordnung verzeichnet.

Eine Meinung, die auch andere Tierernährungsexperten teilen. "Die Tierhaltung hat immer schon das verwertet, was der Mensch nicht mehr essen wollte", sagt Jens Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die Verarbeitung von industriellen Nebenprodukten in Mischfutter sei darum eine ressourcenschonende Resteverwertung, wie es sie schon in Mastbetrieben im Altertum gab.

Anderes sieht das Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Bei der Menge an erlaubten Substanzen wirke die Resteverwertung auf ihn eher wie der Versuch, alles über das Futter loszuwerden zu dürfen, als rechtlich sicherzustellen, dass gesundes Futter erzeugt werde.