DFL-Logo | Bildquelle: dpa

Fußball-Bundesliga Spiele ab 16. Mai - Kritik an Neustart

Stand: 07.05.2020 18:00 Uhr

Die Fußball-Bundesliga nimmt die Saison am 16. Mai wieder auf. Die 36 DFL-Profivereine haben sich darauf auf ihrer Mitgliederversammlung ausgesprochen. Doch an der Grundsatzentscheidung zum Neustart gibt es viel Kritik.

Die 36 Profivereine der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben entschieden, dass der Spielbetrieb am 16. Mai wieder aufgenommen werden soll. Gestern hatten Bund und Länder den Neustart der Bundesligasaison für den 12. Mai beschlossen. Dafür hagelte es von vielen Seiten Kritik und mahnende Worte.

"Ein bisschen Bauchgrummeln hat jeder dabei. Die Liga steht auch schwer unter Bewährung, das einzuhalten. Die Öffentlichkeit wird genau hinschauen", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Damit bezog er sich auf die Vorfälle um den inzwischen suspendierten Hertha-Spieler Solomon Kalou. Dieser hatte ein Video veröffentlicht, in dem Hände geschüttelt und Abstandsregeln nicht eingehalten worden sind. Er mahnte eindringlich, dass die Vereine die Regeln des DFL-Konzeptes strikt einhalten sollten.

Vereine diskutieren frühe Wiederaufnahme

Besonders kritisiert wird die rasche Wiederaufnahme des Spielbetriebs von Werder Bremens Fußball-Geschäftsführer Frank Baumann: "Wir akzeptieren die Entscheidung des DFL-Präsidiums selbstverständlich, hätten uns allerdings insbesondere aus Gründen der Wettbewerbsintegrität einen etwas späteren Start gewünscht", sagte Baumann Im Interview mit deichstube.de. Er begründete dies mit der Gewöhnung an den Wettkampf nach rund zwei Monaten Wettkampfpause und zur Einschränkung eines Verletzungsrisikos bei den Spielern. Baumann hatte den 23. Mai als Wunschtermin für den Re-Start genannt. Ähnlich hatte sich der Vorstandsvorsitzende des FSV Mainz 05, Stefan Hofmann, geäußert.

Bayer Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes hingegen sieht keine Wettbewerbsverzerrung: "Alle haben unter eingeschränkten Bedingungen trainiert. Ich glaube, es herrscht Chancengleichheit."

Virologe warnt vor Gefährdung

Auch der Leipziger Virologe Professor Uwe Liebert ist gegen den frühzeitigen Neustart - allerdings aus anderen Gründen als die Vereine: "Ich hätte mir gewünscht, dass man wirklich noch ein paar weitere Wochen gewartet hätte." Das sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig in den tagesthemen. Die Spieler würden sich gegenseitig gefährden, so Liebert. Die Vereine müssten auch berücksichtigen, "dass die Fans vor dem Fernseher sitzen und da in direkten Kontakt zueinander kommen.

Der Staatsrechtler Udo Di Fabio sieht durch die frühe Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Bevorteilung der Fußball-Bundesliga gegenüber dem Breitensport. "Man kann nicht dem Profifußball, der finanziell besser ausgestattet ist, als etwa ein Amateur-Handballverein vor Ort, etwas erlauben, was man dem anderen untersagt - mit Hinweis darauf, dass der Profifußball ja auch mehr Geld hat und deshalb die Sicherungsmaßnahmen besser durchführen kann", sagte der ehemalige Bundesverfassungsrichter im Interview mit RTL und ntv. In der Erlaubnis für einen Neustart der Fußball-Bundesligen Mitte Mai sehe er eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Sportarten.

Hoeneß appelliert an Fans

Der frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß sieht jedoch die Finanzen der Fußballvereine in Gefahr: Die Fortsetzung der Saison ist wegen der TV-Gelder in dreistelliger Millionenhöhe entscheidend für die Zukunft der 36 deutschen Profivereine. Deshalb appellierte er im br an jene Fußballfans, die in der Corona-Krise Spiele ohne Zuschauer zur wirtschaftlichen Rettung der Bundesliga ablehnen. "Das kleinste Übel sind die Geisterspiele."

Darstellung: