Bundesliga-Spiel Köln gegen Hoffenheim | Bildquelle: dpa

Geisterspiele Corona-Tests, damit der Fußball wieder rollt?

Stand: 22.04.2020 15:58 Uhr

In der Fußball-Bundesliga könnte es schon bald Geisterspiele geben. Spieler, Trainer und Betreuer sollen dann regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Aber ist das realistisch? Und was heißt das für Patienten?

Von Moritz Cassalette, NDR

Freiburgs Stürmer Nils Petersen hat im Podcast der NDR2-Bundesligashow bestätigt, dass Spieler regelmäßig auch ohne Infektionsverdacht auf das Coronavirus getestet werden. "Ja, wir werden auch getestet und bekommen auch einen Abstrich", sagte er. "Weil auf lange Sicht, wenn dann der Liga-Betrieb wieder starten soll, ist es wichtig, dass jeder Spieler auch negativ ist. Und soweit ich weiß, war aktuell auch alles okay".

Schon jetzt werden die Fußball-Profis regelmäßig untersucht, Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge sprach von zwei Tests pro Woche. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plant nun offenbar, Spieler, Trainer und Betreuer alle drei Tage testen zu lassen, um die Sicherheit bei den möglichen Geisterspielen zu garantieren. Bis zum Saisonende Ende Juni wären das also etwa 20.000 Tests. Momentan können die Labore in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 730.000 Tests durchführen - pro Woche. Sie sind noch lange nicht ausgelastet, sagt Evangelos Katsopoulos zu NDR Info. Er ist Geschäftsführer des Berufsverbandes "Akkreditierte Labore in der Medizin".

"Wenn Profisportler, oder auch andere, nun solche Kapazität in vergleichsweise kleinen Teilen in Anspruch nehmen zu wollen, um Teile des sozialen Lebens in Deutschland wieder zu stärken, dann sehen wir darin kein grundsätzliches Problem", sagt er. "Die Patientenversorgung wird deshalb jedenfalls nicht gefährdet."

Umstrittene Extra-Untersuchungen

Das ist Wasser auf die Mühlen der DFL. Die schrieb nach einer fünfstündigen Videoschalte des Präsidiums in einer Stellungnahme, dass sie weniger als 0,5 Prozent der Testkapazitäten in Anspruch nehmen würde: "Sollte es durch künftige Entwicklungen - zum Beispiel eine zweite Corona-Infektionswelle - tatsächlich Engpässe geben, wird die DFL die Versorgung der Bevölkerung selbstverständlich nicht beeinträchtigen."

Umstritten sind die Extra-Untersuchungen von Fußballern trotzdem. Lars Schaade, Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts sagt, man sollte die Tests dort anwenden, wo sie medizinisch sinnvoll sind. "Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen, ob die nun Sportler sind - man kann sich ja auch alles andere ausdenken, was möglicherweise ein gewisses gesellschaftliches Interesse hat, - warum die routinemäßig gescreent werden sollen."

Und auch die Politik ist sich nicht einig. Während Ministerpräsidenten wie Markus Söder (Bayern) oder Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) klare positive Signale an den Fußball senden, sind andere gegen Geisterspiele.

Kritik von Lauterbach

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert in der ARD-Sportschau: "Ich halte die Geisterspiele für falsch, das ist aber meine Einschätzung als Epidemiologe und als Arzt. Das ist eine politische Entscheidung, ich verstehe den Druck, den die Vereine jetzt auf uns Politiker ausüben, aber ich würde dem selbst nicht nachgeben."

Rüdiger Fritsch, Präsidiums-Mitglied der DFL, hält dagegen: "Warum soll der Fußball das nicht dürfen, wenn sich das innerhalb der vorgegebenen Regeln abspielt. Und wir bereiten uns jetzt auch darauf vor, dass wir vielleicht wenigsten ohne Zuschauer wieder spielen können. Genau so wie sich jedes Unternehmen vorbereitet, irgendwann wieder in den normalen Arbeitszustand zu kommen."

Morgen werden sich die Vertreter der 36 Erst- und Zweitligisten in einer Videokonferenz darüber beraten, wie es weiter gehen soll - ohne den Segen vieler Fans. Das Bündnis "Fanszenen Deutschland", dem ein Großteil der Ultragruppen angehören, hat sich klar gegen Geisterspiele ausgesprochen. Sie seien "blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftlich engagieren", hieß es in einer Mitteilung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. April 2020 um 17:00 Uhr.

Darstellung: