Friseurin schneidet Mann die Haare | Katharina Pritzkow/MDR

Öffnung der Friseursalons Die Frisur sitzt - die Sorge bleibt

Stand: 01.03.2021 16:19 Uhr

Maske, Desinfektionsmittel und besonders lange Öffnungszeiten: In ganz Deutschland durften Friseurinnen und Friseure wieder ihre ersten Kunden empfangen - es war für alle Beteiligten allerhöchste Zeit. Vier Salonbesuche.

Leipzig: Abstand ist das oberste Gebot

Gert Lammler hat einen der ersten Termine nach den wochenlangen Salonschließungen ergattert. Während Friseurin Maria Werkstätter im Salon "Hair by Fauth" im Leipziger Südwesten ihm das silberne Haar shamponiert, trägt er eine medizinische Maske - eine Vorschrift im Salon. Die Maskenpflicht gilt für alle, auch für Kinder unter sechs Jahren. Kaffee oder Wasser gibt es nicht beim Friseurbesuch. Stattdessen: Abstand halten, Hände beim Betreten des Ladens desinfizieren und am Platz einen Kontaktbogen ausfüllen, falls eine Nachverfolgung doch noch nötig werden sollte.

Friseursaloninhaber Stefan Erbe | Katharina Pritzkow/MDR

Friseursaloninhaber Stefan Erbe bleibt auch bei Selbstschneidern tolerant: "Dann bessern wir eben aus." Bild: Katharina Pritzkow/MDR

Nur im Vogtlandkreis sind die Vorgaben für Kunden noch strenger: Hier muss vor Betreten des Salons ein negativer Corona-Test vorgelegt werden. Damit der Laden in Leipzig überhaupt öffnen kann, gibt es vonseiten des Salons noch deutlich mehr Regeln: Nur sechs Menschen gleichzeitig dürfen sich im Salon aufhalten - drei Friseure und drei Kunden.

Abstandhalten ist das oberste Gebot. Wer zu früh zum Termin erscheint, muss draußen warten. Außerdem ist das Desinfektionsspray immer griffbereit. "Nach jedem Kunden wird bei uns der Platz abgewischt, Scheren und Maschinen werden desinfiziert. Handtücher und Umhänge werden natürlich nach jedem Kunden gewaschen. Das EC-Karten-Gerät ist eine Keimschleuder, da wischen wir sehr regelmäßig drüber. Und wir selbst versuchen, unsere Pausen zu staffeln, sodass sich nicht zu viele Leute im Aufenthaltsraum befinden", zählt Geschäftsführer Stefan Erbe die Maßnahmen auf.

Weil der Ansturm so groß ist, wurden die Öffnungszeiten deutlich ausgeweitet. Über Terminversteigerungen oder Salonöffnungen ab 0 Uhr, wie es mancher Konkurrent handhabt, kann Erbe aber nur den Kopf schütteln: "450 Euro für den ersten Termin. So nötig kann man es doch gar nicht haben. Und wer um Mitternacht den Laden öffnet, der verheizt sein Personal. Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht. Aber das hat auch Grenzen, finde ich."

Statt von 9 bis 19 Uhr können sich die Kunden in den ersten Wochen zwischen 8 und 21 Uhr von Erbe und seinen Kolleginnen die Haare machen lassen. "Ich bin gespannt, was mich erwartet", erzählt der Friseurmeister. Aber er gehe es entspannt an. "Wenn jemand selbst geschnitten hat und es ist danebengegangen, dann bessern wir eben aus." Anfragen von Kundinnen und Kunden hielten sich die Waage.

Von Katharina Pritzkow, MDR

Mainz: Unter Druck

Seit dem frühen Morgen steht Jürgen Falkenstein in seinem Friseursalon und tut das, was er zweieinhalb Monaten nicht tun durfte: Haare schneiden. "Mein Team und ich sind sehr glücklich, endlich wieder arbeiten zu dürfen", sagt der Inhaber des ältesten Friseurbetriebes in Mainz mit einem erleichterten Lächeln. "Wir arbeiten ab jetzt von 7 Uhr am Morgen bis 21 Uhr am Abend durch - von Montag bis Samstag."

Falkenstein steht unter finanziellem Druck. Während der erzwungenen Schließung liefen seine Ausgaben wie Miete oder Steuern weiter. Die von der Bundesregierung lange versprochene Überbrückungshilfe III konnte der Friseurmeister gerade erst beantragen. Trotz Wiedereröffnung arbeiten Falkenstein und sein Team im Ausnahmezustand.

Nach den Hygieneauflagen darf sich in seinem Laden pro zehn Quadratmeter jeweils nur eine Person aufhalten. Das bedeutet: Viele seiner Kollegen dürfen auch jetzt nicht arbeiten, um den Abstand zu Kollegen und Kunden einhalten zu können. Rechnet sich die Wiedereröffnung so überhaupt? "Aus Verantwortung meinen Angestellten gegenüber zahle ich weiter ihre vollen Gehälter. Wegen der Auflagen habe ich aber viel weniger Kundschaft. Ich werde sehen, was am Ende in der Kasse hängen bleibt."

Von Axel John, SWR

Köln: "Wie eine Befreiung"

7:30 Uhr in Köln. Ute Hützen öffnet die Tür ihres "Hair Inn!"-Salons in Köln. Mehr als zwei Monate hat sie auf diesen Moment hin gefiebert: "Ich bin so glücklich, dass ich wieder öffnen kann. Es fühlt sich wie eine Befreiung an." Die halbe Nacht konnte sie vor lauter Anspannung und Nervosität nicht schlafen - und das war nicht die einzige schlaflose Nacht in der vergangenen Zeit. Der Grund: Die Friseurin hatte mit Existenzängsten zu kämpfen: "Meine Kassen sind leer, ich habe noch keinen Cent der Hilfen bekommen, lange hätte ich das nicht mehr durchgehalten."

Endlich wieder geöffnet: Friseurin Ute Hützen in ihrem Salon in Köln. | Christian Hoch

Endlich wieder geöffnet: Friseurin Ute Hützen in ihrem Salon in Köln. Bild: Christian Hoch

Zwei Wochen lang ist Hützen jetzt aber ausgebucht. Das bedeutet: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können zurück aus der Kurzarbeit geholt werden und auch am eigentlich freien Montag wird jetzt durchgearbeitet.

Insgesamt sechs Tage in der Woche von morgens bis abends versuchen Hützen und ihr Team jetzt, verpasste Einnahmen wieder auszugleichen. Komplett gelingen wird das zwar nicht mehr, trotzdem werden durch die Wiedereröffnung keine neuen Schulden gemacht. Das freut natürlich auch die Kundinnen und Kunden. Zum Beispiel Sara Kulartz: "Ich habe mich gar nicht mehr ohne Mütze nach draußen getraut. Das ist zwar ein Luxusproblem, aber ich freue mich so sehr. Ein tolles Gefühl."

Von Christian Hoch, WDR
Sara Kulartz mit Maske und Mütze vor dem Friseursalon | Christian Hoch

Sara Kulartz freut sich über den Friseur-Termin: "Ein tolles Gefühl." Bild: Christian Hoch

Berlin: Gigantische Nachfrage

Der große Ansturm ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Nur jeder zweite Platz in Shan Rahimkhans Salon ist besetzt. "Wir halten uns an die Regeln", sagt der Berliner Star-Coiffeur. 15 statt 30 Kunden sind gleichzeitig erlaubt. Dabei ist die Nachfrage gigantisch. "Drei Stunden, nachdem bekannt gegeben wurde, dass Friseure öffnen durften, hatten wir 180 Termine vergeben. Die Leute haben vor dem Fernseher gesessen und drauf gewartet."

Seine Kundin, Julia Weihe, stimmt ihm zu: "Mein Mann hat fast längere Haare als ich. Der kommt nachher auch noch her." Erstmal bekommt sie aber neue Farbe ins Haar - mittels einer speziellen Painting-Technik für Strähnchen. "Da werden die Übergänge weicher. Dann fällt's auch nicht so auf, falls noch ein Lockdown kommt", sagt Rahimkhan.

Rahimkhan hatte Glück, wie er sagt. Er kennt Kollegen, die insolvent gegangen sind. Die Friseurinnung Berlin zeigt sich erst einmal erleichtert, dass die Salons offen sind. Die Langzeitfolgen würden sich erst noch zeigen. Erst im Spätsommer wisse man, wie viele Salons überlebt haben.

Von Andre Kartschall, rbb
Friseur und Kundin | Andre Kartschall / RBB

Endlich wieder frisieren: Shan Rahimkhan mit einer Kundin. Bild: Andre Kartschall / RBB

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2021 um 15:00 Uhr.