CSU-Politiker Christian Schmidt.

Neuer Agrarminister Schmidt im Porträt Ein Mann der leisen Töne

Stand: 17.02.2014 13:25 Uhr

Mit Christian Schmidt wird ein Mann aus der zweiten Reihe neuer Landwirtschaftsminister. Der CSU-Politiker gilt bisher als fleißiger Zuarbeiter, der den lauten Auftritt meidet. Mit Ministerwechseln hat er viel Erfahrung.

Von Jens Borchers, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Was das Fachliche angeht, hat Christian Schmidt jetzt einen weiten Weg vor sich. Der Mann ist seit vielen Jahren in der Außen- und Sicherheitspolitik zu Hause. Von dort aus ist es ein Stückchen bis zur Milchwirtschaft, der Grünen Woche und den Öko-Bauern. Aber das Fachliche ist ja nur ein Teil dessen, was Ministerkompetenz ausmacht. Der andere Teil besteht aus Organisationstalent, Verwaltungserfahrung und politischem Geschick.

Drei Ministerwechsel in acht Jahren

Da hat der 56-Jährige viel Erfahrung. Die sammelte er in der zweiten Reihe, als Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Dort durfte der Mittelfranke in acht Jahren drei Ministerwechsel erleben. Als Franz Josef Jung, der CDU-Verteidigungsminister in der ersten Großen Koalition unter Kanzlerin Merkel, wegen des Bombardements zweier Tanklastwagen in Afghanistan in Schwierigkeiten geriet, musste auch Schmidt politische Defensivarbeit übernehmen.

Und geriet damals durchaus unter Druck, wie ein Auszug aus einem damaligen Interview zeigt: "Wenn man sich nicht die Zeit nimmt, um in Ruhe zu hören, zu sehen und Schlüsse daraus zu ziehen - dann ist das das Dilemma, in dem man ist."

Aus Fehlern gelernt?

In diesem Dilemma fand sich auch Schmidt immer mal wieder. Zum Beispiel, als er den Jung-Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg, einen CSU-Parteifreund, in dessen Plagiatsaffäre in Schutz nahm. Und als er dessen Nachfolger Thomas de Maizière durch das Aufklärungsdrohnen-Desaster stolpern sah. Schmidt weiß also, in welche Situationen Minister kommen können. Jetzt wird er selbst einer.

Schmidt ist gelernter Jurist, und er ist Protestant. Und obendrein seit mehr als zwei Jahren einer von vier Stellvertretern des CSU-Chefs Horst Seehofer. Politisch ist er eher ein Mann der leiseren Töne. Dennoch setzte er sich in seinem Bundestagswahlkreis Fürth mit mehr als 49 Prozent der abgegebenen Stimmen durch.

CSU-Politiker Christian Schmidt springt aus einem Bundeswehr-Hubschrauber.
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Schmidt wechselte 2005 als Parlamentarischer Staatssekretär ins Verteidigungsministerium.

Still, freundlich, fleißig

In der neuen Großen Koalition war Schmidt ins Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gegangen. Wiederum als Staatssekretär, wiederum als Mann in der zweiten Reihe. Dort machte er, wie im Verteidigungsministerium auch, still, freundlich und fleißig viel Kärrnerarbeit für seine Minister. Schmidt verstand sich dabei immer eher als Macher hinter den Kulissen.

Wenn es Probleme gab, dann plädierte er grundsätzlich erst mal nicht dafür, Dinge mit dem Lautsprecher nach draußen zu dröhnen. Er suchte Gespräche, zum Beispiel mit Rüstungsmanagern und kritischen Parlamentariern. "Man kann das auch in einem informellen, aber durchaus nicht kumpelhaften Weg machen", sagt Schmidt. "Und mein Weg ist das auch."

Kann er diesen Weg auch als neuer Minister gehen? Das dürfte auch für den erfahrenen Machtmanager ein neuer Aspekt in seiner politischen Karriere werden.

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