Karin Schmidt-Friderichs verleiht Amartya Sen, der aus den USA zugeschaltet ist, in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.  | dpa

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels "Amartya Sen hat die Welt verändert"

Stand: 18.10.2020 12:33 Uhr

Es gab keine feierliche Übergabe des Friedenspreises - selbst der Bundespräsident als Laudator musste passen, weil er in Quarantäne ist. Steinmeier würdigte dennoch Preisträger Amartya Sen als großen Akademiker.

Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen ist in Frankfurt am Main mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Laudatio bei der Feier in der Paulskirche stammte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Seine Rede wurde von dem Schauspieler Burghart Klaußner verlesen, da sich das Staatsoberhaupt wegen der Corona-Infektion eines seiner Personenschützer in Quarantäne begeben musste.

Der Preisträger war zu der Veranstaltung, die wegen der Corona-Pandemie weitgehend ohne Publikum ablief, per Video aus Boston zugeschaltet. Dort lebt der 86-Jährige und unterrichtet seit 2004 als Professor an der Harvard Universität.

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Der 86 Jahre alte Amartya Sen war per Video aus Boston zugeschaltet, wo er lebt. Für ihn war es aufgrund der Zeitverschiebung sehr früher Morgen.

"Sen schreibt an gegen die Ungleichheiten der Welt"

In seiner Rede hob der Bundespräsident hervor, Amartya Sen sei "wie kein anderer verbunden mit der Idee der globalen Gerechtigkeit". Er sei zwar "durch und durch Akademiker", aber sein Werk bleibe nicht akademisch. Er wolle verstanden werden, und er wolle die Welt nicht nur begreifen, er wolle sie verändern.

"Amartya Sen hat sie verändert", lobte Steinmeier. "Amartya Sen schreibt an gegen die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten dieser Welt." Unter Berufung auf Sen forderte Steinmeier "Regeln für die Globalisierung". Wenn diese sich als ungerecht erwiesen, "müssen wir dann nicht die Regeln ändern?", fragte der Bundespräsident.

Die Demokratie müsse auf solche Fragen Antworten finden. Dazu zähle auch der Kampf gegen Diskriminierung und die "lebensbedrohliche Klimakrise". Die Demokratie sei zugleich die bestmögliche Staatsform, die erforderlichen Entscheidungen herbeizuführen und gegebenenfalls zu korrigieren. "Stellen wir uns dieser Verantwortung!", verlangte der Bundespräsident.

Börsenverein: "Der passende Preisträger im Corona-Jahr"

Sen sei der passende Preisträger im Corona-Jahr, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins, Karin Schmidt-Friderichs. "Denn was Sen über Identität und Gerechtigkeit schreibt, schien und scheint mir ein geeignetes Fundament zu sein für den Aufbau einer besseren Welt nach Corona."

Sen habe sich "als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandergesetzt", heißt es in der Begründung des Stiftungsrats zur Auszeichnung. Seine Arbeiten seien heute so relevant wie nie zuvor.

Sen wurde 1933 in der indischen Region Westbengalen geboren. Er forscht seit Jahrzehnten weltweit an Hochschulen über die Folgen der Globalisierung und die Ursachen von Armut und Hunger. Seine Überlegungen liegen dem von den Vereinten Nationen verwendeten Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index) zugrunde. Für seine Theorien zur Wohlfahrtsökonomik in Entwicklungsländern erhielt er 1998 den Wirtschaftsnobelpreis.

Friedenspreis wird seit 1950 vergeben

Die Verleihung des Friedenspreises findet traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse statt. Die Auszeichnung wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Sie soll laut Statut eine Persönlichkeit auszeichnen, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat".

Zu den Trägern des Preises gehören der DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, der Schriftsteller Martin Walser und der Philosoph Jürgen Habermas. Im vergangenen Jahr erhielt der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado den Preis.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 18.10.2020 • 21:10 Uhr

16:18 von karlheinzfaltermeier

@fathaland slim «Ich enthalte mich jeglichen Kommentars hinsichtlich Ihrer Uninformiertheit und empfehle Ihnen die Aufklärung von …» Meine gute Güte. Dann weiß eben A mal was nicht uss d'r Lameng, und B weiß was anderes nicht auf Anhieb, ohne erst nachschlagen zu müssen. Und C weiß evtl. beides, was A und B nicht wissen. Fragt A oder B dann schon nach, kann man es ihm / ihr als Info ganz neutral ja auch sagen, sollte man in diesem Fall C sein. Ist prinzipiell wie mit dem Abschreiben-Lassen in der Schule bei einer Klausur. Noch nie ist wer dümmer geworden, weil wer sein Wissen mit anderen teilte. Und die eigene Note in der Schule wurde auch nie deswegen schlechter, weil es noch andere gab, die auch genau so viel wussten. Sich über (momentanes) Unwissen anderer zu verspötteln, ist schon im Sandkasten mit anderen kleinen Kindern immer eine ganz doofe Idee.