Fridays for Future Aktivisten platzieren Tausende Plakate vor dem Reichstag in Berlin. | Bildquelle: AP

"Fridays for Future" Einsame Schilder und Online-Klimademo

Stand: 24.04.2020 17:07 Uhr

Tausende Demonstranten in Berlins Innenstadt? Derzeit undenkbar. Deshalb sind die "Fridays for Future"-Aktivisten ins Internet ausgewichen. Ganz ohne Protestplakate in der realen Welt blieb ihr Klimaprotest aber nicht.

Zehntausende meist junge Menschen sind vor der Corona-Krise jeden Freitag auf die Straße gegangen - doch auch Klimaprotest muss sich der neuen Situation anpassen, weil Massendemonstrationen derzeit nicht möglich sind.

Deshalb ist der Klimastreik von "Fridays for Future" digitaler geworden: Zehntausende Menschen in Deutschland beteiligten sich via Internet am ersten digitalen Klimastreik, statt sich in Innenstädten zu treffen. Zu sehen war die mehrstündige "Online-Demonstration" per Livestream in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und YouTube. Auch die Demonstranten blieben also vor dem Computer im Homeoffice.

Allein auf der Videoplattform verfolgten in Spitzenzeiten 20.000 Zuschauer die Beiträge und Grußbotschaften von Musikern, Schauspielern, Autoren, Wissenschaftlern und Klimaaktivisten aus ganz Deutschland. Im Livestream sprachen unter anderem die Sänger Bosse und Clueso, die Sängerin Lena und die Poetry-Slammerin Paulina Behrendt.

"Fridays For Future" organisiert Proteste für den Klimaschutz im Internet
tagesthemen 22:00, 24.04.2020, Jan Koch, WDR

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Protestschilder von 70 Ortsgruppen

Moderiert wurde die Aktion unter dem Motto #FightEveryCrisis von "Fridays For Future"-Aktivisten von der Wiese vor dem Berliner Reichstagsgebäude aus. Dort waren Tausende Schilder und Banner ausgelegt, die sonst auf den Demonstrationen getragen werden. Nach Angaben der FFF-Sprecherin Pauline Daemgen hatten 70 Ortsgruppen aus ganz Deutschland diese angefertigt und geschickt.

Der Bundesregierung solle klargemacht werden, dass die Klimakrise nicht in Vergessenheit geraten dürfe, sagte Daemgen. Denn im Gegensatz zur Corona-Krise betreffe diese nicht nur die Menschen, die aktuell auf der Erde leben. "Umweltprobleme haben auch Auswirkungen auf die nächsten Generationen", betonte sie.

Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten wie Köln, Hamburg, Heidelberg, München, Stuttgart oder Dresden gab es kleine öffentliche Aktionen.

Die Schuhe sind da, der Mensch nicht - Protest von Klimaschützern in Esslingen | Bildquelle: RONALD WITTEK/EPA-EFE/Shuttersto
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Die Schuhe sind da, der Mensch nicht - Protest von Klimaschützern in Esslingen

Klare Ablehnung einer neuen Abwrackprämie

Die "Fridays for Future"-Bewegung sieht die Corona-Krise dabei auch als Chance. Die Aktivistin Carla Reemtsma forderte bei tagesschau24, dass staatliche Maßnahmen gegen die Pandemie auch ökologisch sein sollten. Die "unglaublichen Summen", die in Konjunkturpakete fließen, müssten an Kriterien gebunden werden. Gerettete Konzerne müssten sich Klimaplänen verpflichten und finanzielle Hilfen müssten auch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ankommen.

Investitionen sollten zum Beispiel ins Schienennetz fließen, statt weiter Fernstraßen auszubauen. Eine "Abwrackprämie 2.0" dürfe es nicht geben, machte Reemtsma deutlich. Dann würde es nur mehr Autos auf den Straßen geben.

Carla Reemtsma, "Fridays for Future"-Aktivistin, zum Netzstreik
tagesschau24 16:00 Uhr, 24.04.2020

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Forderung nach Schuldenerlass

Entwicklungsorganisationen wie "Brot für die Welt" und die Diakonie Katastrophenhilfe forderten anlässlich des Klimastreiks einen Schuldenerlass für arme Länder. Die globale Rezession, die der Coronavirus-Pandemie folgen werde, werde viele Staaten wieder in tiefste Armut und extremen Hunger stürzen, warnte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von "Brot für die Welt" und Diakonie Katastrophenhilfe. Ein Schuldenerlass sei in Zeiten von Corona darum überlebensnotwendig und würde den Ländern auch etwas Luft für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel lassen.

Neben Deutschland gab es laut "Fridays for Future" in mehr als 100 weiteren Ländern Online-Aktionen zum Klimaschutz. Bei vergangenen globalen Klimastreiks hatten allein in Deutschland Hunderttausende für konsequenten Klimaschutz demonstriert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. April 2020 um 17:00 Uhr.

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