Fridays vor Future in Aachen  | Bildquelle: dpa

"Fridays for Future" in Aachen "Oma, was ist ein Schneemann?"

Stand: 21.06.2019 20:13 Uhr

Tausende Jugendliche haben sich in Aachen an einem Protest für Klimaschutz beteiligt. Nach Angaben der Bewegung "Fridays for Future" war es der erste internationale Klimastreik: Menschen aus 17 Ländern waren gekommen.

Mit einer internationalen Großdemonstration der Schülerbewegung "Fridays for Future" haben in Aachen Klimaproteste im Rheinland begonnen. Tausende Menschen zogen durch die Stadt, die Bewegung sprach von 40.000 Teilnehmern und dem ersten internationalen Klimastreik in der Bundesrepublik. Menschen aus 17 Ländern waren gekommen.

Auf Transparenten, in Sprechchören und Reden forderten die Demonstranten ein schnelles Abschalten der Kohlekraftwerke und weitere einschneidende Schritte zur Begrenzung des Klimawandels. Auf den Schildern waren Aufschriften wie: "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit" oder "Grandma, what's a Snowman?" ("Oma, was ist ein Schneemann?") zu sehen. An den Protesten beteiligten auch Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood.

Auch der YouTuber Rezo nahm nach eigenen Angaben teil. Der Aachener, der mit seinem YouTube-Video "Die Zerstörung der CDU" Millionen Menschen erreichte, verbreitete bei Instagram mehrere Videosequenzen von der Großdemo. Rezo hatte in seinem berühmt gewordenen Video unter anderem über den Klimawandel gesprochen.

Auch ältere Menschen dabei

Nicht nur Schüler, auch Familien mit Kindern und ältere Menschen liefen vom Hauptbahnhof durch die gesamte Innenstadt zum zentralen Kundgebungsplatz vor dem Fußballstadion Tivoli. Einer der Ältesten war 88 Jahre alt: "Wir unterstützen die Schüler, wir wollen zeigen, dass wir Alten dieselben Ideen haben und dieselben Ziele", sagte der Mann. Entlang der Demonstrationsstrecke wurden die Teilnehmer teilweise gratis mit Getränken versorgt. Ein Gastronom lud alle ein, seine Toiletten zu benutzen.

Zufuhr für RWE-Kraftwerk blockiert

Am Abend besetzten Aktivisten in Nordhrein-Westfalen eine Bahnstrecke für die Kohleversorgung und blockierten damit die Zufuhr für das RWE-Kraftwerk Neurath in Grevenbroich. Das berichteten ein Sprecher des Energiekonzerns RWE und die Protestbewegung "Ende Gelände". Laut einem RWE-Sprecher wurde der Zugverkehr auf der sogenannten Nord-Süd-Bahn eingestellt.

Zuvor war nach Behördenangaben eine Polizeikette durchbrochen worden. Rund 500 Menschen hätten sich in Richtung des Kraftwerks bewegt. Eine Sprecherin von "Ende Gelände" kündigte an, die Aktivisten würden so lange bleiben, wie ihre Sicherheit gewährleistet sei. Sie hätten Schlafsäcke und Isomatten dabei, um auch übernachten zu können. Dem RWE-Sprecher zufolge lief das Kraftwerk Neurath weiter, es gebe dort einen Kohle-Vorrat. Wie lange dieser ausreiche, wollte er nicht sagen.

Blockaden im Braunkohlerevier

Die Proteste gehen am Wochenende weiter: Am Samstag werden tausende Teilnehmer am Tagebau Garzweiler erwartet. "Fridays for Future" hat zu einer Demo im Norden des Tagebaus in das Umsiedlungsdorf Keyenberg aufgerufen, um für einen früheren Kohleausstieg demonstrieren. Nach Empfehlungen der Kohlekommission ist ein Ausstieg spätestens 2038 geplant.

Unter dem Motto "Kohle stoppen - Klima und Dörfer retten" ist dort außerdem eine weitere Demonstration geplant, zu der ein Bündnis umwelt- und zivilgesellschaftlicher Gruppen wie Campact, BUND und Greenpeace aufruft. Auch das Bündnis "Ende Gelände" hat Blockaden im Rheinischen Revier angekündigt.

Die Polizei sperrte für mehrere Stunden den Bahnhof Viersen am Niederrhein, nachdem sich etwa 1000 Aktivisten auf dem Weg dorthin gemacht hatten. Die Menschen kamen nach Polizeiangaben aus dem Camp des Bündnisses "Ende Gelände".

Polizeipräsenz in Garzweiler

Die Polizei zeigte deutliche Präsenz in Garzweiler, gut 20 Kilometer vom Camp der Aktivisten entfernt. "Wir rechnen jetzt jederzeit mit einzelnen Aktionen", sagte Sprecher Andreas Müller in Jüchen. Neben einer Vielzahl von Mannschaftswagen standen auch ein Wasserwerfer und ein Räumwagen der Polizei am Tagebau in Bereitschaft.

Die Polizei warnte die Aktivisten nachdrücklich davor, das Tagebaugelände zu betreten. Das Eindringen bedeute akute Lebensgefahr für alle Menschen. "Halten Sie sich nicht an der Tagebaukante auf", mahnten die Beamten.

Klimaziele - nur eine Fußnote bei der EU

Für Ärger unter den Demonstranten dürfte sorgen, dass sich die EU-Staaten am Donnerstagabend in Brüssel nicht auf eine verbindliche Festlegung auf ein neues Klimaziel bis 2050 einigen konnten. Das Datum für den Umbau zur "klimaneutralen" Wirtschaft wurde nach stundenlangen Verhandlungen aus der Gipfelerklärung gestrichen und in eine Fußnote verbannt, wie mehrere Diplomaten bestätigten. Im Text steht nun nur ein Hinweis auf die angestrebte Einhaltung des Pariser Klimaabkommens.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2019 um 17:00 Uhr.

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