Niklas Höhne, Luisa Neubauer, Peter Donatus,und Linda Kastrop. | dpa

"Fridays for Future" "Was die Regierung macht, reicht nicht"

Stand: 11.02.2022 18:30 Uhr

Corona zwang auch "Fridays for Future" in eine Pause. Jetzt melden sich die Aktivistinnen und Aktivisten zurück - mit Kritik an der neuen Bundesregierung und Plänen für einen neuen globalen Streik.

Von Jan Koch, WDR

Es ist düster und kühl, an der Decke prangt eine große animierte Weltkugel. Blau, grün - mal mit nachgezeichneten Windströmen, mal mit schmelzenden Eisflächen im Fokus. Nicht ohne Grund hat die "Fridays for Future"-Bewegung wohl das Gasometer in Oberhausen gewählt. Dort, wo gerade die Ausstellung "Das zerbrechliche Paradies" zu besichtigen ist, skizziert die Klimabewegung, was ihre Forderungen und Pläne in diesem Jahr sind.

Jan Koch

Pressekonferenz statt Großdemo

Corona zwang die Bewegung zum Neudenken. Großdemos und Streiks jeden Freitag wurden unmöglich. Im Kampf um Aufmerksamkeit für ihre Belange setzen sie nun auch auf eine klassische Jahresauftakt-Pressekonferenz - zum ersten Mal nach gut drei Jahren Bestehen der Bewegung - aber klar, an einem Freitag.

Schnell machen sie deutlich, auch die neue Regierung nutze nicht alle Möglichkeiten aus, um den Klimawandel aufzuhalten. Doch nun sind auch die Grünen Teil der Bundesregierung. Viele Beobachter der Klimabewegung würden behaupten, dass das doch im Sinne von "Fridays for Future" sei. Schließlich gibt es einzelne ehemalige Aktisten, wie zum Bespiel Jakob Blasel, der sich im Bundestagswahlkampf für die Grünen hat aufstellen lassen - und somit in die Politik gewechselt ist.

Grüne werden nicht von Kritik verschont

Trotzdem: Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatorinnen der Bewegung in Deutschland, fällt es im Gespräch mit tagesschau.de nicht schwer, auch die grünen Teile der Regierung zu kritisieren: "Da kann Klimaschutzminister Robert Habeck jeden Tag seine Windräder vorrechnen, wenn sogar Gas als nachhaltige Energie deklariert wird, wenn immer wieder neue Autobahnen gebaut werden."

Habeck hatte erst vor gut einem Monat klar gemacht, dass die Ampel-Regierung Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz ergreift. Darunter auch eine Solardachpflicht für gewerbliche Neubauten sowie der Plan, bis 2030 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

"Fridays for Future" reichen die Maßnahmen der Bundesregierung aber nicht aus. Das verwundert auch nicht: "Fridays for Future" ist eine Interessensgruppen - und für so eine sind Maximalforderungen nicht untypisch. "Es ist nun die entscheidende Dekade, in der Deutschland seine Emissionen radikal reduzieren muss", mahnt Neubauer.

Ampel soll nachbessern

Die Lage sei dramatisch. Es gelte nicht, die neue Regierung mit der Vorgängerregierung zu vergleichen, sondern zu bewerten, was die neue Koalition in Sachen Klimapolitik unternimmt. Und das reiche eben nicht aus, so die Kernbotschaft der Klimaaktivistinnen und -aktivisten. Spielräume würden nicht ausgenutzt. Da könne die Ampel-Regierung nachbessern.

Explizit kritisieren sie in Oberhausen die Verkehrspolitik der neuen Bundesregierung. "Wir fordern den sofortigen Stopp des bundesweiten Autobahnausbaus", sagt Linda Kastrup. Sie gehört zur "Fridays for Future"-Bewegung im Ruhrgebiet. Die Klimaaktivistin setzt sich dafür ein, dass der geplante Ausbau des Autobahnkreuzes Oberhausen gestoppt wird. "Der letzte Wald dieses Ortes, der Sterkrader Wald, soll gerodet werden, nur damit eine bestehende Autobahn auf sechs bis acht Spuren erweitert werden kann." Das müsse aufhören.

"Schöne Grüße an Herrn Wissing", richten die Sprecherinnen aus. Damit kritisieren sie direkt den Bundesverkehrsminister der FDP, deren Klimapolitik sie schon zur Bundestagswahl immer wieder bemängelt haben.

Um diese Forderungen nun aber wieder mehr ins Zentrum der gesellschaftlichen Debatte zu rücken, fehlten ihnen während der Corona-Pandemie Aufmerksamkeit und Demonstrationsmöglichkeiten. Jeden Freitag auf die Straße zu gehen, war nicht mehr möglich. So wurde es rasch still um die Bewegung.

Durch einzelne global oder rund um Wahlen organisierte Großdemonstrationen konnten die Aktivistinnen und Aktivisten trotzdem immer mal wieder den Fokus auf ihre Bewegung und die damit verbundenen Forderungen zur Bekämpfung des Klimawandels lenken. "Wir müssen darum kämpfen, dass die Klimathematik ernst genommen wird. Dass es ehrliche Maßnahmen und ehrliche Bilanzen gibt", erklärt Neubauer.

Planungen für globalen Klimastreik

Ende März will "Fridays for Future" daher zu einem erneuten globalen Klimastreik aufrufen und hofft, am 25. März wieder die Massen auf die Straße zu bringen. In der jüngsten Vergangenheit hat dies immer wieder funktioniert, zum Beispiel Ende September bei einer Aktion vor der Bundestagswahl. Es bleibe aber weiter eine Herausforderung, Menschen in den Ortsgruppen zu organisieren, funktioniere aber ganz gut, so die Aktivistinnen.

Bald werden sie zeigen, ob es auch wirklich so ist. Immerhin wollen sie nicht müde werden, zu betonen, dass der Kampf gegen den Klimawandel einer ist, für den es einen langen Atem braucht. Und den wollen sie haben, so ist der Eindruck.