"Fridays for Future"-Demonstration in der Dortmunder Innenstadt | Bildquelle: dpa

"Fridays for Future"-Kongress Was die jungen Klimakämpfer motiviert

Stand: 04.08.2019 12:42 Uhr

Ferienziel Dortmund - aber nicht zum Entspannen, sondern um für eine andere Klimapolitik zu kämpfen. Fünf Tage dauerte der Sommerkongress von "Fridays for Future", heute endet er. Was treibt die Aktivisten an?

Von Jan Koch, WDR

Helena Marschall weiß, wofür sie kämpft. "Wir haben die Klimakrise wieder in den Fokus gebracht. Das Thema ist in der Gesellschaft und in der Politik angekommen." Für die Frankfurter Schülerin war es keine Frage, dass sie für den Sommerkongress von "Fridays for Future" nach Dortmund zieht - und zwar in die Wohngemeinschaft der jungen Aktivistinnen und Aktivisten.

Die Wohnung wurde von der Stadt Dortmund bereitgestellt. Gut 20 Schülerinnen, Schüler und Studierende haben dort in den letzten zwei Monaten den Kongress der Bewegung organisiert. Sie bereiteten Schlafplätze, Verpflegung, Bühnenshow und Workshops für die rund 1500 Teilnehmer seit Beginn der Sommerferien vor.

Helena Marschall, eine der Organisatorinnen des "Fridays for Future"-Sommercamps | Bildquelle: AFP
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"Wir haben die Klimakrise wieder in den Fokus gebracht", sagt Helena Marschall, eine der Organisatorinnen des "Fridays for Future"-Sommerkongresses.

Auch Jakob Blasel wohnt in der WG in der Nordstadt. Er ist einer der Initiatoren des Sommerkongresses. "Die Idee kam uns relativ spontan vor ein paar Monaten“, sagt er. Die anderen Aktivisten zogen mit - so wie Marschall. In Frankfurt organisiert sie schon seit Monaten Demos und Aktionen.

Proteste auch in den Sommerferien

Die Demo am Freitag in Dortmund war also fast "business as usual", quasi wöchentlicher Alltag. Doch auf dem fünftägigen Sommerkongress ging es um mehr. Um die Bilanz: Was hat die Bewegung geschafft, und um die Vision: Wo soll es hingehen? Da sich viele bisher nicht persönlich getroffen hatten, stand in Dortmund ein weiterer Punkt auf dem Plan: "Dass sich alle besser kennenlernen und auch außerhalb der WhatsApp-Gruppen und Telefonkonferenzen miteinander ins Gespräch kommen“, erklärt der Dortmunder Schüler Hanno Merschmeyer.

Bisher organisierte sich "Fridays for Future" online. In schier unzähligen Chatgruppen, häufig unterteilt nach Ortszugehörigkeit, tauschen sich die Aktivistinnen und Aktivisten über Aktionen aus. Auch die Beratungen darüber, wie sie ihre Forderungen gegenüber der Lokal- aber auch Bundespolitik mehr Druck verleihen können, finden hauptsächlich dort statt.

Die letzten Tagen geschah das nun komplett analog - zumindest für die rund 1500 Kongressteilnehmer und -teilnehmerinnen "Hauptsächlich sind das diejeningen, die in den gut 600 Ortsverbänden für Aktionen und Demonstrationen vor Ort die Hauptorganisation vorantreiben", sagt Merschmeyer.

Weiterhin dezentrale Organisation

An dieser Struktur soll sich auch trotz des Kongresses nichts ändern. Die Hauptorganisation verläuft weiterhin dezentral. "Die Bewegung ist so besonders, weil wir inklusiv sind: Jede und jeder kann mitstreiken", erklärt Marschall. "Wir sind eine basisdemokratische, offene Bewegung." Auf der anderen Seite werden Aktivisten und Aktivistinnen wie Jakob Blasel, Luisa Neubauer oder auch Carla Reemtsma, die bisher für Politik, Gesellschaft und Politik als Hauptvertreter der "Fridays for Future"-Bewegung gelten, das auch weiter bleiben.

Sie sind durch die rasante Entwicklung im Laufe dieses Jahres an die Spitze der Bewegung gelangt - auch weil sie diejenigen waren, die vor Monaten die bundesweite Vernetzung und Organisation vorangetrieben haben. Sie versuchen immer wieder, auch andere Mitglieder ins Zentrum zu rücken. Aber treibende Kräfte zu haben, mit denen sich die Bewegung identifizieren kann, sei wichtig, erklärt Maximilian Schiffers, Politologe an der Uni Duisburg. Er forscht er zu NGOs und Politmanagement.

Jakob Blasel von "Fridays for Future" | Bildquelle: Fenja Hardel
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Gesetze, die C02 sparen - nennt Jakob Blasel, einer der Sprecher der "Fridays for Future"-Bewegung, als zentrale Forderung.

Antriebsfigur war für viele der Kongressteilnehmende vor allem Greta Thunberg, wie sie erzählen. Polit- und Partizipationsforscher schreiben ihr bei der Mobilisierung eine wichtige Rolle zu. Sabrina Zajak vom Verein für Protest- und Bewegungsforschung sagt dazu allerdings auch: "Die Ikonisierung Greta Thunbergs wurde von Medien vorangetrieben. Auch wenn sie immens wichtig ist, um diejenigen auf die Straße zu bringen, die bisher noch überhaupt nie an einer Politveranstaltung teilgenommen haben."

Austausch mit Wirtschafts- und Klimaexperten

In den Workshops in zwei Schulgebäuden - direkt neben dem Dortmunder Revierpark mit Camping, Bühne und Kochstellen - ging es vor allem um Fortbildung zu Themen wie "Was ökonomische Ungleichheit mit der Klimakrise zu tun hat" oder auch "Zum Zusammenhang von Klimakrise und Wirtschaftswachstum". In Podiumsdiskussionen diskutieren mit Wirtschaftsweisen und Klimawissenschaftlern. Politiker waren nicht eingeladen.

"Debatte ist total wertvoll", betont Blasel. "Aber wir sind an einem Punkt, wo wir über die Debatte hinaus auch Entscheidungen treffen müssen und gemeinsam als Gesellschaft Verantwortung übernehmen müssen. Das heißt, dass wir Gesetze verabschieden, die CO2 sparen.“ Denn an konkreten Maßnahmen mangelt es noch. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zwar über "Fridays for Future": "Sie haben uns sicher zur Beschleunigung getrieben." Konkret sind aber weder ein früherer Kohleausstieg, noch eine reine Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien in Aussicht - Forderungen der jungen Klimabewegung.

Doch die Motivation schwindet nicht bei Blasel, Neubauer, Reemtsma und Co. Das nächste große Event steht vor der Tür: die weltweite Klimastreikwoche ab dem 20. September. Und danach? "Mal sehen", sagt Marschall. Sie zieht nun wieder zurück nach Frankfurt, wo sie bald wieder Schule und Demo-Organisation unter einen Hut bringen muss.

Auftakt des "Fridays for Future"-Sommercamp: Wege aus der Klimakrise, 01.08.2019
tagesschau 16:00 Uhr , 04.08.2019, Rupert Wiederwald, WDR

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2019 um 13:15 Uhr.

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