Fred, Elias, und Lena führen eine Wattwanderung an. | Bildquelle: dpa

Beschluss im Bundestag Freiwilligendienst künftig in Teilzeit

Stand: 22.03.2019 11:40 Uhr

Mehr als 80.000 junge Menschen leisten jährlich ein FSJ ab. Bisher ging das nur in Vollzeit. Der Bundestag hat nun beschlossen, dass der Freiwilligendienst auch in Teilzeit geleistet werden kann.

Junge Menschen können Freiwilligendienste künftig unter bestimmten Bedingungen auch in Teilzeit leisten. Der Bundestag beschloss ohne Gegenstimmen ein entsprechendes Gesetz von Familienministerin Franziska Giffey.

Bisher gab es solche Teilzeit-Möglichkeiten im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und im Bundesfreiwilligendienst (BFD) nur für ältere Freiwillige. Das habe viele Engagierte ausgeschlossen, argumentierten Abgeordnete aller Fraktionen in der Bundestagsdebatte.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter
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Das Gesetz von Familienministerin Giffey zum Freiwilligendienst wurde ohne Gegenstimmen angenommen.

Wichtige persönliche Gründe als Voraussetzung

Voraussetzung für die neue Teilzeit-Regelung ist, dass die Betroffenen wichtige persönliche Gründe für die Reduzierung haben - etwa, dass sie ein Kind versorgen, ein Familienmitglied pflegen oder körperliche und psychische Beeinträchtigungen haben. Ein Rechtsanspruch auf Teilzeit wird durch die neue Regelung nicht geschaffen.

Das Engagement der Freiwilligen sei eine tragende Säule und Kitt der Gesellschaft, argumentierten die Abgeordneten. Linke und Grüne kritisierten allerdings, der große Wurf bleibe mit dem Gesetz aus. Es fehlten etwa Vergünstigungen für die Freiwilligen in Kultur- und Sporteinrichtungen oder freie Fahrt im öffentlichen Nahverkehr.

Außerdem müsse erreicht werden, dass sich auch bildungsferne Gruppen und Menschen mit Migrationshintergrund stärker engagierten. Die FDP warb dafür, auch Rentner mehr einzubinden, die AfD für eine allgemeine Wehr- und Dienstpflicht für alle, die nicht Mütter sind.

Freiwilligendienst seit 2011

Der Bundesfreiwilligendienst entstand 2011. Er ging damals mit Aussetzung der Wehrpflicht aus dem Zivildienst hervor, der bis dahin als Alternative zum Wehrdienst geleistet wurde. Zugleich wurde der neue Freiwilligendienst auch für Frauen geöffnet.

Derzeit nehmen gut 40.000 Menschen am Bundesfreiwilligendienst teil, davon knapp 30.000 im Alter bis zu 27 Jahren. Dazu kommen weitere Freiwillige in anderen Programmen, etwa dem FSJ, dem FÖJ oder in internationalen Freiwilligendiensten. Häufig ist die Zahl der Interessenten größer als die der Einsatzstellen. 

Ein junger Mann, der ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, hilft einer Bewohnerin einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke. | Bildquelle: dpa
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Mögliche Einsatzstellen für Freiwillige sind soziale Einrichtungen wie Senioren- oder Pflegeheime.

Mindestdienstzeit von sechs Monaten

Für alle Altersgruppen gilt eine Mindestdienstzeit von sechs Monaten. Die Höchstdauer sind 18 Monate, in Ausnahmefällen bis zu 24 Monate. Der Dienst ist unentgeltlich, es wird aber ein Taschengeld von bis zu 402 Euro monatlich gezahlt. Außerdem zahlt die Einsatzstelle die Beiträge für die Sozialversicherung.

Mögliche Einsatzstellen für den Bundesfreiwilligendienst sind soziale Einrichtungen wie Senioren- oder Jugendheime, medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime sowie Rettungsdienste, aber auch Schulen, Nationalparks, Tiergärten oder kulturelle Einrichtungen wie Theater. Auch die Arbeit in Sportvereinen, in der Denkmalpflege oder für die Integration von Flüchtlingen ist möglich. Geflüchtete können unter bestimmten Voraussetzungen auch selbst Freiwilligendienst leisten.

Bundestag beschließt Teilzeit im Freiwilligendienst für junge Leute
D. Rodenkirch, ARD Berlin
22.03.2019 16:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. März 2019 um 10:15 Uhr und 11:15 Uhr in den Nachrichten.

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