Frauke Petry im Bundestag | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte

Frauke Petry im Bundestag Wenn nur einer applaudiert

Stand: 03.07.2018 13:53 Uhr

Von ihrer ehemaligen Partei wird sie geschnitten, bei ihren Reden applaudiert nur ein einziger Abgeordneter. Nach ihrem Austritt aus der AfD führt Frauke Petry ein politisches Schattendasein.

Von Jens Wiening, ARD-Hauptstadtstudio

Frauke Petry hat ihren Platz in der letzten Reihe im Bundestag. Es sind nur ein paar Schritte bis zu ihren ehemaligen Parteikollegen. Und doch scheint, wenn man von der Besuchertribüne ins Plenum blickt, eine unsichtbare Linie Petry von der AfD-Fraktion trennen. Wie sieht sie das Miteinander nach ihrem Austritt aus der Partei am Tag nach der Bundestagswahl?

"Das klappt, wie es hoffentlich im Normalfall unter zivilisierten Menschen klappt. Zweifelsohne bin ich für viele meiner ehemaligen Kollegen, nun auch mit dem Fortkommen der blauen Partei, eine viel größere Konkurrenz als vielleicht Frau Merkel. Und ich bin leider häufig auch der viel größere Feind, was ich bedauere, weil ich sehe, dass Parteigrenzen inzwischen eine größere Rolle spielen als inhaltliche Übereinstimmungen. Aber Gleiches gilt natürlich für die anderen Fraktionen genauso. Ich bekomme viel inoffizielle und persönliche Zustimmung von Abgeordneten aus Union und FDP, aber keiner darf applaudieren."

"Wir sind hochzufrieden"

Deutlich wird das bei einer Bundestagsdebatte zur Ausrichtung von Hartz IV. Petry wendet sich an die Linkspartei und die Grünen und spricht sich gegen Umverteilung aus. Sie plädiert für Hilfe zur Selbsthilfe. Auf dem Ton-Mitschnitt ist kaum zu hören, dass genau eine Person klatscht. Es ist Mario Mieruch, der mit Petry die AfD verlassen hat und neben ihr im Bundestag sitzt. "Wir sind hochzufrieden, wir reden zu nahezu allen Themen, wir haben eine Wahrnehmung für die Blaue Partei, für unsere Sammlungsbewegung im bürgerlichen Spektrum geschaffen", sagt Petry.

Frauke Petry und Mario Mieruch im Bundestag | Bildquelle: REUTERS
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Isoliert und auf den hintersten Bänken: Petry und Mario Mieruch.

Eine aktuelle INSA-Umfrage fand jetzt heraus: In Sachsen kann sich jeder elfte Wähler zumindest vorstellen, die Blaue Partei zu wählen. Die Blauen sind Petrys neue politische Heimat. Das größte Wählerpotenzial für die Bewegung sieht die Umfrage bei aktuellen AfD-Wählern.

AfD sieht Petrys Kritik gelassen

Die AfD selbst gibt sich gelassen ob der Konkurrenz. "Die AfD ist eine klare politische Marke, Irgendwelche Egoismen mit neuen Parteien werden nicht funktionieren", sagt Jürgen Braun, einer der parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion. Petry sieht das anders. Es gebe inzwischen eine konservativ-liberale Lücke, weil "die Ost-AfD die gesamte Partei inzwischen quasi auf einen SPD-Kurs bringt, mit Forderungen nach mehr Hartz IV, mehr Mindestlohn und mehr staatlicher Umverteilung".

Büro zwischen Grünen

Petry ist nach ihrer Rede zurück im Bundestagsbüro. Die Räume sind im 3. Stock. Neben ihr hat ihr Parteikollege Mieruch sein Büro. Alle anderen Räume auf dem Flur sind von Abgeordneten der Grünen bezogen. Wenn Petry auf den Flur tritt, fällt ihr Blick auf die vielen bunten politischen Poster an den Türen der Grünen-Büros.

Frauke Petry verkündet, dass sie nicht Teil der AfD-Fraktion sein will. | Bildquelle: REUTERS
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Eklat nach der Bundestagswahl: Petry erklärt in der Bundespressekonferenz zur Überraschung der Journalisten und der AfD-Vertreter ihren Austritt aus der Partei.

Dass sie fast allein unter Grünen sitzt, liegt an ihrem Schritt vor gut neun Monaten. Am Tag nach der Bundestagswahl verkündete sie vor laufender Kamera ihren Rückzug aus der AfD. Auf die Frage, ob sie den Schritt je bereut hat, sagt sie: "Zu keinem Zeitpunkt. Ich bin wirklich heilfroh, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Und für mich gab es auch keine späteren möglichen Zeitpunkt." AfD-Mann Braun sagt dazu: "Das ist menschlich und politisch deren Entscheidung ganz alleine und sie müssen die Folgen davon tragen."

Mitglied im Bundestag und im Landtag

Viel Kritik hat Petry für ihr Doppelmandat bekommen. Sie sitzt aktuell im Dresdner Landtag und im Bundestag. "Es ist anstrengend, es ist auch keine Lösung auf Dauer", erklärt Petry. "Aber für uns als junge Partei ist das einfach auch die Möglichkeit, Öffentlichkeit überall da zu generieren, wo wir sie brauchen. Und das ist momentan im Bundestag und natürlich auch in Sachsen."

Dort sind im Spätsommer 2019 Landtagswahlen. Petry habe in Sachsen eine eigene Popularität, sagt INSA-Chef Herrmann Binkert. Es sei vor allem ihr Name, der der Blauen Partei Akzeptanz gebe. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass deshalb die Landtagswahl in Sachsen entscheiden dürfte, ob Petry und die Blaue Partei eine Zukunft haben.

Was macht Frauke Petry?
Jens Wiening, ARD Berlin
03.07.2018 09:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juli 2018 um 10:50 Uhr.

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