Frauentagveranstaltung mit Außenminister Maas in Berlin | Bildquelle: dpa

Außenminister zum Frauentag "Ohne Gleichstellung keine echte Demokratie"

Stand: 07.03.2019 13:16 Uhr

Mit deutlichen Worten hat Außenminister Maas zum Frauentag zu mehr Engagement für Gleichberechtigung aufgerufen. In seiner Behörde hat er den Frauenanteil in Führungspositionen bereits erhöht.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat im Vorfeld des Frauentages zu verstärkten Anstrengungen bei der Gleichstellung der Geschlechter aufgerufen. "Gleichstellung ist eine Frage der Gerechtigkeit" und "ohne Gleichstellung gibt es keine echte Demokratie", sagte Maas in einer Rede zum Internationalen Frauentag. Es gehe dabei "um Repräsentanz, um Teilhabe, um gleiche Chancen und gleiche Rechte".

"Jeder aufrichtige Demokrat" müsse sich "ohne Wenn und Aber für Frauenrechte, für Gleichstellung einsetzen", forderte der SPD-Politiker laut Redetext. "Wenn das bedeutet, Feministin oder Feminist zu sein, dann brauchen wir 82 Millionen Feministinnen und Feministen in Deutschland." Eindringlich warnte Maas zugleich vor Rückschritten beim Thema Gleichstellung. "Wenn im Deutschen Bundestag heute wieder weniger Frauen sitzen als noch vor 20 Jahren, dann läuft etwas schief", kritisierte der Außenminister.

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Außenminister Maas: "... dann brauchen wir 82 Millionen Feministinnen und Feministen in Deutschland."

Mit Blick auf die eigene Behörde wies Maas darauf hin, dass noch vor 20 Jahren der Frauenanteil bei Neueinstellungen im höheren Dienst bei zehn bis 20 Prozent gelegen habe. Inzwischen seien in der neu ausgewählten 74. Attachécrew des Auswärtigen Amts 54 Prozent Frauen und damit zum zweiten Mal mehr als die Hälfte der Crew weiblich. Auf der Abteilungsleiterebene sei der Frauenanteil auf 45 Prozent gestiegen.

Sorge wegen Diffamierung der Gleichstellungspolitik

Auch international sorge ihn "der populistische Ruf nach starken Führern" sowie Diffamierungen einer progressiven Gleichstellungspolitik als "Genderwahn". Der Außenminister kündigte weiter an, auch auf internationaler Ebene werde die deutsche Diplomatie für die Gleichstellung von Frauen arbeiten, etwa durch die Förderung von Frauennetzwerken in Afrika und Lateinamerika.

Als Mitglied des UN-Sicherheitsrats setze sich Deutschland "für die gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen in allen Phasen von Konfliktbewältigung ein". Das International Peace Institute habe festgestellt, dass ein stabiler Frieden um über ein Drittel wahrscheinlicher werde, wenn Frauen am Prozess beteiligt sind, sagte Maas. Bisher seien aber "nur acht von 100 Stühlen bei Friedensverhandlungen von Frauen besetzt".

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) (Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa) | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Familienministerin Giffey: "ein ganz starkes Zeichen der Hauptstadt".

Familienministerin: Bedingungen verbessern

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sagte, es gehe darum, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen haben sollen: "Es muss eine gleichwertige Bezahlung geben. Wir müssen die sozialen Berufe aufwerten und noch mehr gegen häusliche Gewalt, die vor allem Frauen betrifft, tun", betonte die SPD-Politikerin. Zudem müssten die Bedingungen verbessert werden, "damit Frauen Familie und Beruf vereinbaren können".

Es sei "ein ganz starkes Zeichen der Hauptstadt", dass in Berlin am 8. März erstmals der internationale Frauentag als gesetzlicher Feiertag begangen wird. "Ich finde es gut, dass wir uns einen Tag ausgesucht haben, an dem wir bewusst über all diese Themen sprechen", sagte Giffey der "Berliner Morgenpost".

44 Prozent sagen: Vorteil, ein Mann zu sein

Unterdessen sieht ein Großteil der Deutschen die Geschlechtergerechtigkeit laut einer Studie noch lange nicht erreicht. 44 Prozent der Befragten meinen, dass es auch heute noch von Vorteil ist, ein Mann zu sein, wie die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos anlässlich des Weltfrauentags zeigt. Nur zwölf Prozent halten es demnach für vorteilhafter, eine Frau zu sein.

Mehr als jeder Vierte ist aber auch der Überzeugung, dass das Geschlecht kaum einen Unterschied macht. Rund zwei Drittel gab zudem an, dass das Erreichen von mehr Gleichberechtigung ein wichtiges persönliches Anliegen sei.

Jeder dritte Befragte kritisierte die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, den sogenannten Gender Pay Gap, als größtes Problem. Auf Platz zwei der Problemthemen rangiert sexuelle Belästigung mit 17 Prozent, sexuelle Gewalt halten 15 Prozent für das wichtigste Problem beim Thema Gleichstellung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2019 um 15:00 Uhr.

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