Frag selbst mit Sahra Wagenknecht - Screenshot aus der Sendung

"Frag selbst" mit Sahra Wagenknecht Klare Worte zu G20-Krawallen

Stand: 13.07.2017 20:36 Uhr

Gibt es noch eine Chance für eine rot-rot-grüne Koalition? Im neuen Format "Frag selbst" macht Linkspartei-Spitzenkandidatin Wagenknecht ihren Anhängern wenig Hoffnung. Klare Worte findet sie für die Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels.

Am Ende lächelt Sahra Wagenknecht. "Hat Spaß gemacht", sagt die Spitzenkandidatin der Linkspartei, nachdem sie sich im neuen ARD-Format "Frag selbst" eine halbe Stunde den Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer gestellt hatte. Doch auch über diesem Gespräch lag der Schatten des Wochenendes.

Es sind schwierige Zeiten für die Linkspartei. Die Krawalle am Rande des G20-Gipfels haben im Land eine Debatte über den Umgang mit Linksextremismus ausgelöst - und damit auch die Frage, wieviel Distanz Wagenknechts Partei zur radikalen Szene hält und halten sollte.

"Damit haben wir nichts zu tun"

Es sei schlimm gewesen, was in Hamburg passiert ist, sagt Wagenknecht. Sie spricht von "durchgeknallten Randalierern", von einer europaweiten Szene, die durch den ganzen Kontinent reise, um irgendwo "die Sau rauslassen" zu können. Eine Verbindung zu ihrer Partei sieht sie nicht. "Damit haben wir nichts zu tun als Linke", so Wagenknecht.

Doch die Zuschauer lässt das Thema nicht los. Ob Wagenknecht schon einmal Flaschen auf Polizisten geworfen habe, wird sie gefragt. Ob sie Gewalt als legitimes Mittel des Widerstands gegen den Staat ansehe. Die Spitzenlinke behält die Fassung. Nein und nein, antwortet sie. Auch die pauschale Polizeikritik, die manche ihrer Genossen nach dem Einsatz in Hamburg geübt hatten, macht sie sich nicht zu eigen.

Frag selbst - Sahra Wagenknecht (Die Linke)
13.07.2017

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Vorbild Corbyn

Noch hat die Debatte der Partei nicht geschadet. In Umfragen steht die Linkspartei derzeit recht stabil bei rund neun Prozent. Solide, aber gleichzeitig zu wenig für die eigenen Ansprüche. Zweistellig wolle man werden, hatte Wagenknechts Co-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch am Wochenende im ARD-Sommerinterview angekündigt. Und drittstärkste Kraft im Bundestag. Beide Ziele sind, stand heute, erreichbar - aber längst kein Selbstläufer.

Damit es mit den selbstgestellten Ansprüchen noch klappt, setzt die Linkspartei im Wahlkampf auf Altbewährtes: Höhere Löhne, sicherere Renten, eine friedliche Außenpolitik und die Rücknahme der rot-grünen Arbeitsmarktreformen. Linkes Schwarzbrot. Kein Wunder, dass Wagenknecht Jeremy Corbyn und Bernie Sanders nach einigem Zögern als Vorbilder unter den derzeit lebenden Politikern auf der Welt bezeichnet.

"Wenn das ginge ..."

Umsetzen könnte Wagenknecht ihre Forderungen allerhöchstens in einer rot-rot-grünen Koalition. Eine andere Machtperspektive gibt es nicht für die Linkspartei. Ein klares Bekenntnis für ein Bündnis mit SPD und Grünen kommt Wagenknecht dennoch nicht über die Lippen. Sie wünsche sich eine Regierung, die in Deutschland "endlich eine andere Politik" mache, so die Vorsitzende der Linksfraktion. "Wenn das mit SPD und Grünen ginge, würde ich sofort Rot-Rot-Grün machen", sagt sie auf die Frage eines Users.

Diese Skepsis ist nicht neu. Höchstens im Falle eines "echten Politikwechsels" sei sie zu einer Koalition bereit, hatte Wagenknecht in der Vergangenheit immer wieder angekündigt - und damit hohe Hürden für SPD und Grüne errichtet. Andere in ihrer Partei wären da kooperationswilliger - doch an Wagenknecht und ihren Unterstützern kommen die regierungswilligen Genossen nicht vorbei.

Enttäuscht von Schulz

Wagenknecht selbst sieht sich natürlich nicht in der Rolle der Verhinderin. Sie fordere doch nichts unmögliches, so ihre Botschaft. Sie wolle doch gar keinen einfachen NATO-Austritt, sondern ein neues internationales Sicherheitssystem, in dem sowohl Russland und die USA mit einbezogen sind. Und ihre Vorstellungen für eine Rentenreform seien schlicht vom Nachbarland Österreich übernommen. Dort bekomme der Durchschnittsrentner 800 Euro mehr im Monat als hierzulande. "Warum soll in Deutschland nicht gehen, was in Österreich geht", fragt die Spitzenkandidatin.

Wagenknecht glaubt augenscheinlich nicht, Partner für diese Politik zu finden. Von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zeigt sie sich enttäuscht. Nach dessen Nominierung hätte es noch die Hoffnung gegeben, der neue Mann würde die Partei wieder nach links führen, erklärt sie. Doch spätestens der Parteitag und das Wahlprogramm der Sozialdemokraten hätten das "Ende einer großen Desillusionierung" besiegelt. Auch den Grünen empfiehlt Wagenknecht sich wieder mehr ihren linken Wurzeln zuzuwenden. Das "Frag selbst" zeigt damit einmal mehr: Rot-Rot-Grün hat nach der Bundestagswahl im September höchstens Außenseiterchancen.

"Frag selbst" - die Termine

  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne): 2. Juli
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke): 13. Juli
  • Peter Altmaier (CDU): 16. Juli
  • Frauke Petry (AfD): 13. August
  • Horst Seehofer (CSU): 20. August, 13.45 Uhr
  • Martin Schulz (SPD); 27. August
  • Christian Lindner (FDP): 30. August

Unpraktische Haare

Ein bisschen persönlich wurde Wagenknecht allerdings auch. Einen Flüchtling würde sie nur ungern über längere Zeit zu Hause aufnehmen, sagt sie. Auch bei der Frage, ob sie die Politik verlassen würde, um ihren älteren Ehemann zu pflegen, sagt sie nach einem kurzen Moment des Überlegens Ja.

Bleibt noch die Frage, warum Wagenknecht ihre Haare eigentlich nie offen trägt. Das mache sie privat durchaus, antwortet sie. Allerdings sei es sehr mühsam. Da müsse man immer föhnen. "Und das ist im Politikeralltag nicht immer praktikabel."

Über dieses Thema berichtete die ARD am 13. Juli 2017 um 19:00 Uhr in "Frag selbst".

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