Frauke Petry, AfD | Bildquelle: dpa

"Frag selbst" mit Frauke Petry Schlagfertig, kämpferisch - angezählt

Stand: 13.08.2017 04:40 Uhr

Frauke Petry ist das bekannteste Gesicht der AfD und Vorsitzende der Partei. Doch im Wahlkampf glänzt nicht sie, sondern das Duo der beiden Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland. Schafft die Parteichefin dennoch ein Comeback?

Von Marie-Kristin Boese, ARD-Hauptstadtstudio

Dienstagabend, politischer Salon der Ostsee-Zeitung. Die Zeitung aus Rostock hat einen Gast geladen, der polarisiert: Frauke Petry, Parteichefin der AfD. Es ist einer ihrer jüngsten Wahlkampfauftritte, wenn auch vor kleinem Publikum.

AfD-Chefin Frauke Petry macht Wahlkampf mit dem jüngsten ihrer fünf Kinder. | Bildquelle: dpa
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Wahlkampf mit Baby: Petry auf einem Wahlplakat mit dem jüngsten ihrer fünf Kinder.

Gut 200 Zuhörern verkündet Petry ihre Botschaften. Die AfD wolle "den Familiennachzug bei Flüchtlingen beenden", die Wehrpflicht wiedereinführen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz abschaffen. So weit, so bekannt.

Fragen nach ihrer Zukunft in der AfD kontert Petry relativ gelassen. Wer nach der Bundestagswahl das Gesicht der AfD sei, will Chefredakteur Andreas Ebel wissen. "Lassen Sie uns doch bis nach der Bundestagswahl warten", entgegnet Petry kühl. "Ich glaube, nach wie vor gibt es genug Wähler, die die AfD und mich zusammenbringen."

Das stimmt wohl. Die AfD-Chefin ist zwar nicht Spitzenkandidatin, aber vermutlich immer noch das bekannteste Gesicht der Partei. "Wie stehen Sie dazu, Kinder für den Wahlkampf zu instrumentalisieren?", will eine andere Zuhörerin wissen. Die Frage zielt auf ein AfD-Wahlplakat, auf dem Petry schützend ihren neu geborenen Sohn Ferdinand hält. "Und was ist Ihr Grund für Deutschland zu kämpfen?", steht daneben. Petry ist auch da schlagfertig. Es sei doch ehrlich, zu sagen, sie mache Politik für ihre Kinder. "Die waren ein wesentlicher Antrieb, 2013 überhaupt erst in die Politik zu gehen", sagt sie.

Ziemlich weit unten angekommen

An diesem Abend in Rostock gibt Petry nicht gerade das Bild einer Geschlagenen ab. Dabei ist sie angezählt. Anfang Dezember wählt die AfD einen neuen Bundesvorstand. Und der gleichberechtigte zweite AfD-Sprecher, Jörg Meuthen, hat eine Kampfkandidatur gegen Petry angekündigt. Mit ihr wolle er nicht weitermachen.

Dabei war Petry 2015 die Hoffnung des rechten Parteiflügels und nach dem Sturz des damaligen Parteichefs Bernd Lucke ganz oben in der Partei. Spätestens nach dem Parteitag im April scheint sie ziemlich weit unten angekommen. Petry wollte die Partei in Köln auf Linie bringen, um sie koalitionsfähig zu machen. Sie scheiterte.

Per Zukunftsantrag wandte sich Petry gegen zu radikale Aussagen, gegen eine AfD als "Fundamentalopposition" - obwohl sie sich selbst mit Worten häufig weit rechts positionierte und sich mit Europas Rechtsaußen wie Geert Wilders und Marine Le Pen traf.

Ihr Antrag schaffte es gar nicht erst auf die Tagesordnung des Parteitags. Dabei hatte Petry zuvor sogar auf die Spitzenkandidatur verzichtet, weil sie - wie sie sagt - Personal- und Sachfragen unabhängig voneinander diskutieren wollte. Der Politologe Everhard Holtmann sieht darin ein Indiz für die Kräfteverteilung und Grundstimmung in der Partei. Er sagt: "Der Protestcharakter spielt offenbar immer noch eine sehr große Rolle in der Partei und scheint nach wie vor Kern des Selbstverständnisses der AfD zu sein."

Frauke Petry und Jörg Meuthen, beide teilen sich den Parteivorsitz der AfD. | Bildquelle: dpa
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Frauke Petry und Jörg Meuthen, beide teilen sich den Parteivorsitz der AfD.

Weidel und Gauland - ein ungleiches Spitzenduo

Den Applaus in Köln bekamen andere. Alexander Gauland und Alice Weidel sollen die AfD nun als ungleiches Spitzenduo in den Bundestag führen. "Wir rocken Deutschland", ist Weidels Leitspruch auf Facebook, während Gauland das Internet meidet und sich E-Mails von Mitarbeitern ausdrucken lässt.

Weidel ist so etwas wie die neue Hoffnungsträgerin der AfD: Volkswirtin, Unternehmensberaterin, hat in China gelebt. Sie wirkt weltgewandt, aber auch widersprüchlich. Die 38-Jährige zieht mit ihrer Lebenspartnerin zwei Kinder groß, kämpft aber für eine Partei, die Homosexuelle in ihrem Wahlprogramm als "laute Minderheit" bezeichnet und für ein traditionelles Familienbild aus Vater, Mutter, Kind wirbt.

Die beiden Spitzenkandidaten der AfD für die Bundestagswahl, Alice Weidel und Alexander Gauland. | Bildquelle: dpa
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Die beiden Spitzenkandidaten der AfD für die Bundestagswahl, Alice Weidel und Alexander Gauland.

Wer sie auf diesen Widerspruch hinweist, erntet oft genervte Antworten. "Ich weiß nicht, ob Sie auch einen CDU-Politiker danach fragen, beispielsweise Herrn Spahn", sagt sie zum Beispiel. Sie sei wegen der Euro-Rettungspolitik zur AfD gekommen, betont Weidel. Dass sie radikalere Töne kann, weiß man aber spätestens, seit sie verkündete, dass die "politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte" gehöre.

Gauland gilt als Stratege der AfD, hat 30-jährige Politikerfahrung in der CDU. Er leitete mehrere Jahre die hessische Staatskanzlei. Als AfD-Politiker hielt er mehrfach seine schützende Hand über AfD-Rechtsaußen Höcke. Sein Verhältnis zu Petry gilt als belastet. "Gesichter sind bei uns nachrangig wichtig", sagte Gauland etwa vielsagend den "Stuttgarter Nachrichten". Es komme darauf an, "dass die Wähler die AfD als einzig wahre Protestpartei gegen den Konsens im Bundestag wahrnehmen".

Das Duo Weidel/Gauland wird auch als mögliche Doppelspitze der AfD-Fraktion im Bundestag gehandelt. Ob Petry Ambitionen hat, lässt sie offen.

Erfolg und Niederlage

Im laufenden Wahlkampf nimmt sich die AfD-Chefin seit ihrer Schlappe in Köln eher zurück. Doch Petry ist ehrgeizig. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in der Niederlausitz, nach der Wende zog sie mit ihrer Mutter nach Bergkamen bei Dortmund. Als sie in der ersten Chemieklausur keine Eins schrieb, sondern eine Zwei plus, flossen Tränen, erzählt ihr früherer Chemielehrer einem Cicero-Autor.

Petry gelingt vieles, aber sie scheitert auch. Sie studiert, promoviert, gründet eine Firma, die aber in die Insolvenz schlittert. Schließlich zerbricht auch die Ehe mit Sven Petry, einem Pfarrer, mit dem sie vier Kinder hat. Ihr fünftes Kind, Ferdinand, bekam Petry mit ihrem neuen Ehemann, Marcus Pretzell, der den mitgliederstärksten Landesverband der AfD in Nordrhein-Westfalen führt. Doch einige beklagen, die beiden kapselten sich ab, und Petry höre fast nur noch auf Pretzells Rat.

AfD-Chefin Frauke Petry und ihr Mann Marcus Pretzell, der damalige Spitzenkandidat der Partei in Nordrhein-Westfalen, nach der Landtagswahl Mitte Mai auf der AfD-Wahlparty in Düsseldorf. | Bildquelle: dpa
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Frauke Petry und ihr Mann Marcus Pretzell - damaliger Spitzenkandidat der Partei in Nordrhein-Westfalen - auf der AfD-Wahlparty nach der Landtagswahl Mitte Mai.

Zukunft im Bundestag?

Petrys nahe Zukunft liegt mit großer Wahrscheinlichkeit im Bundestag. Sie steht auf Platz eins der sächsischen AfD-Landesliste. Eine Sache aber könnte ihr gefährlich werden. Kommende Woche wird der zuständige Ausschuss voraussichtlich die Immunität von Petry aufheben, die derzeit in Sachsen im Landtag sitzt. Die Dresdner Staatsanwaltschaft will gegen sie wegen eines möglichen Meineids vor dem Wahlprüfungsausschuss im Jahr 2015 ermitteln.

Doch Petry, heißt es aus ihrem Umfeld, sieht dem gelassen entgegen. Allerdings, vermutet Politologe Holtmann, "werden sich ihre innerparteilichen Gegner die Chance, sie weiter zu demontieren nicht nehmen lassen". Bisher sehen andere AfD-Funktionäre kein Problem. Wenn Petry vor Gericht stehe, so ließ sich aber Gauland zitieren, müsse man aber "neu nachdenken". Was auch immer das dann heißt.

"Frag selbst" - die Termine

  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne): 2. Juli
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke): 13. Juli
  • Peter Altmaier (CDU): 16. Juli
  • Frauke Petry (AfD): 13. August, 19:00 Uhr
  • Horst Seehofer (CSU): 20. August
  • Martin Schulz (SPD); 27. August 2017
  • Christian Lindner (FDP): 30. August 2017

Über dieses Thema berichtet Tagesschau.de in "Frag Selbst" am 13. August 2017 um 19:00 Uhr.

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