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Forschungsprojekt in Peru Kampf um den Erhalt des Humboldt-Stroms

Stand: 14.09.2019 03:09 Uhr

Der Humboldt-Strom kontrolliert das Klima Perus. Doch nicht nur das: Er beliefert auch eines der artenreichsten Fischfanggebiete der Welt. Doch Verschmutzung und der Klimawandel bedrohen das System.

Von Marie-Kristin Boese, ARD-Studio Rio de Janeiro

Von einem Boot aus lässt Luis Vazquez ein metallisches Gerät in den Pazifik vor der Küste Limas. "Das Instrument hat unterschiedliche Sensoren", erklärt der Ozeanologe, "es misst den pH-Wert, den Sauerstoffgehalt, die Temperatur des Wassers und registriert kontinuierlich die steigenden und fallenden Werte." Vazquez misst damit quasi den Puls des Ozeans.

Der Wissenschaftler ist mit einem Team aus peruanischen und deutschen Forschern unterwegs im Dienste des Humboldt-Stroms - eines komplexen Ökosystems, das nach dem deutschen Forscher Alexander von Humboldt benannt ist. "Humboldt hat uns die ersten schriftlichen Dokumente über den Strom hinterlassen", sagt er, "Wir können nun seine Forschung weiterführen und versuchen, die Meereswelt zu ergründen und besser zu verstehen."

Strom reguliert peruanisches Klima

Der Humboldt-Strom ist zentral für Peru. Eigentlich liegt das Land in einer tropischen Zone, das Wasser müsste hier viel wärmer sein. Doch der Strom entlang der Küste Südamerikas ist etwa sieben Grad kälter als Wasser im freien Ozean auf dieser geografischen Breite. Der Strom reguliert so das peruanische Klima. Zudem transportiert sein Auftriebssystem Nährstoffe an die Wasseroberfläche. Das Wasser ist voller Plankton, winzige Organismen, die als Futter für Meerestiere dienen. Der Pazifik vor der peruanischen Küste ist deshalb optimaler Lebensraum für Fische. Es ist eines der artenreichsten Fischfanggebiete der Welt.

Klimawandel bedroht Ökosystem von Humboldt-Strom
tagesthemen 21:45 Uhr, 13.09.2019, Marie-Kristin Boese, ARD Rio de Janeiro

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Doch der Humboldtstrom ist durch Klimawandel und Verschmutzung bedroht. Und damit auch das produktive Fanggebiet, das ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Peru ist. Etwa neun Millionen Tonnen Fisch werden jährlich vor der Westküste Südamerikas gefangen. Auch deshalb sind Luis Velazquez und die anderen Forscher nun hier. Sie wollen wissen, ab wann der Strom aus dem Gleichgewicht geraten könnte und suchen nach möglichen Kipp-Punkten. "Wir versuchen, diese ökologischen Kipp-Punkte zu identifizieren und wollen die daraus resultierenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen verstehen", erklärt Dimitri Gutierrez Aguilar, der das Projekt von peruanischer Seite leitet. "Humboldt-Tipping" heißt es offiziell und läuft seit März. Neben dem peruanischen Meeresinstitut IMARPE sind unter anderem die Universitäten Kiel und Hamburg und das Kieler Meeresforschungs-Zentrum GEOMAR beteiligt.

Empfindlich gegenüber Veränderungen

An Bord des Schiffes vor Limas Küste werden alle gemessenen Daten genau dokumentiert. So sollen Zeitreihen entstehen und Entwicklungen erkennbar werden. Laut Universität Hamburg arbeiten die Wissenschaftler mit aufwändigen Rechenmodellen: Bestandszahlen, Fangquoten, Klimadaten, Preise und Wirtschaftsdaten würden kombiniert und unterschiedliche Zukunftsszenarien geprüft. "Wenn wir das Wissen erst einmal haben, hilft uns das, sinnvolle Maßnahmen vorzuschlagen", sagt Forscher Dimitri Gutierrez vom peruanischen Institut IMARPE. Noch aber ist das Projekt am Anfang.

Im Labor des Meeresinstituts wird das Plankton aus den Wasserproben unter dem Mikroskop sichtbar. Es ist empfindlich gegenüber Veränderungen, etwa wenn das Meer durch Plastikmüll und Schiffe verschmutzt wird. Oder, wenn sich das Wasser wegen des Klimawandels an der Oberfläche erwärmt, sauerstoffärmer und durch mehr CO2 saurer wird. "Wenn sich diese Bedingungen ausbreiten", sagt Gutierrez, "dann könnte das einen großen Einfluss haben auf die Artenvielfalt in der Region."

Dennoch sind die peruanischen Forscher optimistisch: "Den Humboldt-Strom wird es immer geben", sagen sie. Allerdings könnten sich seine Eigenschaften ändern, seine Ausdehnung, die Geschwindigkeit der Strömung, die Zahl der Nährstoffe - und damit auch der Lebensraum für Tiere. Sie hoffen, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Der Humboldt-Strom sei widerstandsfähig, aber der Mensch müsse mithelfen, die Verschmutzung zu stoppen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. September 2019 um 21:45 Uhr.

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