Zerstörung in der Kita Kinderburg in Eschweiler | Kita Kinderburg

Ein Jahr nach der Flut "Was uns gerettet hat, sind Spendengelder"

Stand: 14.07.2022 13:55 Uhr

Die Flutkatastrophe vom Sommer 2021 hat in Deutschland eine große Spendenbereitschaft ausgelöst. Bis heute wurden etwa 50 Prozent der Gelder abgerufen. Was haben sie bewirkt?

Von Susanne Zdrzalek, WDR

1,20 Meter hoch steht das Wasser am 14. Juli 2021 in der Kinderburg in Eschweiler. Die Flut vernichtet die komplette Einrichtung. Mobiliar, Spielsachen, Akten, Küchengeräte, alles ist weg. Auch das Gebäude, das der evangelischen Kirche gehört, wird stark beschädigt.

Susanna Zdrzalek

Die Kita ist als Verein organisiert, ohne großen Träger dahinter. Eine Elementarversicherung haben sie nicht. "Mein erster Gedanke war: Wie sollen wir das hier wieder aufbauen? Das kann nicht funktionieren", erinnert sich Nadine Jelic, Leiterin der Kindertagesstätte.

Kita-Wiedereröffnung dank Spenden

Es funktioniert doch. Im Februar 2022 können sie den Kita-Betrieb für die 89 Kinder wieder starten. "Was uns gerettet hat, sind die Spendengelder", sagt Jelic. Die Kinderburg bekommt Spenden von Privatleuten, über Stiftungen und auch aus dem Topf von "Aktion Deutschland hilft". Allein hier sind es 30.000 Euro. Geld, von dem Nadine Jelic TÜV-geprüfte Möbel, Spielzeug und Luftfilteranlagen kaufen konnte.

"Erst vergangene Woche ist noch ein Schrank gekommen für eine unserer vier Gruppen. Da gab es auch Verzögerungen, wegen der weltweiten Lieferengpässe." Hätten sie auf Mittel aus dem Wiederaufbaufonds des Bundes gewartet, wäre ein halbwegs normaler Kita-Betrieb bis heute nicht möglich, davon ist Jelic überzeugt.

Innenansicht Kita Kinderburg in Eschweiler | Kita Kinderburg

Die Kita konnte im Februar wiedereröffnen - auch dank Spendengelder. Bild: Kita Kinderburg

"Aktion Deutschland hilft" sammelt 282 Millionen Euro

In den Wochen und Monaten nach der Flut war die Spendenbereitschaft in Deutschland groß. 282,2 Millionen Euro kamen über Spendenaufrufe von "Aktion Deutschland hilft", dem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen zusammen. Zu dem Zusammenschluss gehören Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Malteser oder die Johanniter. Rund 50 Prozent der Spenden wurden bislang zur Unterstützung von Betroffenen eingesetzt, so der Verein - als Soforthilfen für Privatleute, für beheizte Wohncontainer, für psychosoziale Projekte und als Unterstützung von betroffenen Vereinen, Pflegeheimen oder Jugendherbergen.

Maximal zehn Prozent der gesamten Spendensumme fließen in Betriebskosten, so "Aktion Deutschland hilft". In der ersten Phase nach der Flut sei es vor allem um die Soforthilfe gegangen. Die noch vorhandenen Mittel sollen nun vor allem in den Wiederaufbau und weitere psychologische und soziale Hilfe fließen. "Viele Betroffene werden durch Zahlungen von Versicherungen oder dem Staat nicht alle finanziellen Schäden abdecken können. Hier kommen die Spenden ins Spiel", sagt Sprecherin Birte Steigert.

Wer zum Beispiel keine Elementarversicherung hatte, kann über den Bund Wiederaufbauhilfe beantragen, bis zu 80 Prozent der benötigten Summe. Die restlichen 20 Prozent können Betroffene beispielsweise über Bündnisorganisationen von "Aktion Deutschland hilft" beantragen, erklärt Steigert.

"Manche schämen sich"

Hilfe bei Anträgen gibt es in den sogenannten Flutbüros, die es bis heute in vielen betroffenen Gemeinden gibt. In einem Büro der Malteser unterstützt Elke Friedrich Menschen im nordrhein-westfälischen Rheinbach. Rund 600 Betroffenen hat sie inzwischen bei Spendenanträgen geholfen.

Aber längst nicht alle, die Anspruch haben, hätten auch Spenden beantragt. "Es gibt leider Leute, die sich schämen. Sie wissen, dass es das gibt, aber sind dann leider der Meinung es wäre ehrenrührig, man müsste alles alleine schaffen. Das finde ich sehr schade, weil die Menschen, die gespendet haben, das gerne und mit Freude getan haben", sagt Friedrich.

Folgeanträge möglich

Nadine Jelic sitzt für die Kinderburg in Eschweiler inzwischen an einem Folgeantrag für Spendengelder. Nachdem sie neue Räumlichkeiten gefunden und diese ausgestattet haben, ist nun die Außenanlage dran. Erst vergangene Woche sei jemand von den Maltesern da gewesen, um zu schauen, was benötigt wird. "Wir haben keinen richtigen Bewegungsraum mehr, das Außengelände ist gerade erst fertig gestellt worden, täglich fallen Dinge auf, die fehlen. Aber im Moment können wir so arbeiten", sagt Jelic.

Die große Unterstützung, auch von Privatleuten, habe ihr durch die schwere Zeit hindurch geholfen, sagt Jelic, die auch ihr privates Zuhause durch das Hochwasser verloren hat. "Rückblickend war das Jahr sehr anstrengend, sehr emotional. Aber diese Erfahrung zu machen, dass es so viele Leute gibt, die uns unterstützen möchten, das war ein sehr schönes Gefühl."​

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2022 um 14:00 Uhr.