Passagiere stehen am Flughafen Gatwick in einer Schlange hinter einem Absperrband und warten. | dpa

Länder verhängen Reiseverbote Großbritannien durch Corona-Mutation isoliert

Stand: 21.12.2020 07:02 Uhr

Wegen der neuen Corona-Variante haben diverse Länder die Flugverbindungen mit Großbritannien eingestellt. Auch in Deutschland sind seit Mitternacht Landungen untersagt. In mehreren EU-Staaten wurden einzelne Fälle der Mutation nachgewiesen.

Wegen der in Großbritannien entdeckten neuen Variante des Coronavirus kappen viele Länder die Verkehrsverbindungen zum Vereinigten Königreich. Zum Schutz vor der Mutation dürfen in Deutschland seit Montag bis zunächst 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr landen. Das hatte das Bundesverkehrsministerium am Sonntag verfügt. Ausgenommen sind demnach reine Frachtflüge.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte im Bericht aus Berlin, eine weiterreichende Regelung für die Zeit ab dem 1. Januar und eine Einreisebeschränkung auch für Südafrika sollten heute über eine Kabinettsabstimmung im Umlaufverfahren auf den Weg gebracht werden. In Südafrika war eine ähnliche Virus-Mutation wie in Großbritannien aufgetreten.

Diverse Länder stoppen Einreise von der Insel

Auch zahlreiche andere Länder hatten am Sonntag Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet, darunter Italien, die Niederlande, Belgien, Bulgarien und Irland. Auch Österreich verfügte ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien. Zudem stellte die Schweiz Flugverbindungen nach Großbritannien und Südafrika ein. Polen setzt Flüge ab Montag um Mitternacht aus.

Frankreich verhängte ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien auf dem Luft-, See- und Landweg. Deshalb wurden der wichtige britische Hafen Dover am Ärmelkanal sowie der Eurotunnel um Mitternacht geschlossen. Auch Argentinien, Kolumbien, Peru, Chile, Kanada und der Golfstaat Kuwait stoppten Flüge aus Großbritannien.

Mutation in Deutschland noch nicht nachgewiesen

Auch außerhalb des Vereinigten Königreichs sind bereits einzelne Infektionsfälle mit der neuen Corona-Variante aufgetreten. Laut Weltgesundheitsorganisation betraf dies Dänemark, die Niederlande und Australien. In Australien habe es sich aber nur um einen einzelnen Fall gehandelt, der sich nicht weiter verbreitet habe. Auch das italienische Gesundheitsministerium berichtete von einem Fall.

In Deutschland ist die neue Virus-Variante laut Gesundheitsminister Spahn noch nicht nachgewiesen worden. Die Bundesregierung und das Robert Koch-Institut stünden im engen Austausch mit anderen europäischen Staaten - auch mit Großbritannien selbst -, um die Folgen der Mutation zu evaluieren. "Die deutlich schnellere Übertragbarkeit, wie sie in diesem Fall vermutet wird, die würde natürlich viel verändern und deshalb ist es wichtig, den Eintrag nach Deutschland, auf Kontinentaleuropa zu unterbinden", so Spahn.

So wurde bereits am Sonntagabend vor Inkrafttreten des Landeverbots die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien an mehreren deutschen Flughäfen gestoppt. In Hannover betraf das am Abend etwa 63 Passagiere eines Flugs aus London. Es wurden Vorbereitungen für Notübernachtungen am Flughafen getroffen. Alle sollten sich PCR-Tests unterziehen. Auch in Stuttgart mussten sich Flugreisende aus London testen lassen.

Krisensitzungen in London und Brüssel

Angesichts der zunehmenden Isolation seines Landes berief der britische Premierminister Boris Johnson für Montag eine Krisensitzung seiner Regierung ein. Ein "steter Fluss von Fracht" aus und nach Großbritannien müsse sichergestellt werden.

Auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft lud zu einem Krisentreffen für Montag ein, auf dem die EU-Länder eine gemeinsame Reaktion auf die neue Corona-Variante untereinander abstimmen sollen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel hatten bereits am Sonntag in einem Telefonat die Lage erörtert.

Experten erwarten keine Beeinträchtigung der Impfungen

Die Virus-Mutation ist nach britischen Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und weitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Premierminister Boris Johnson hatte am Samstag betont, es gebe keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.

Auch Experten warnen vor Panik. "Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm", sagte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Und Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien hält die derzeitige Entwicklung nicht für "wahnsinnig alarmierend". Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich. Derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend verändern.

Mit Blick auf die Wirksamkeit der Impfung betonen die Experten, dass der Impfstoff eine Immunreaktion gegen gleich mehrere Virusmerkmale erzeugt. Veränderungen einzelner Merkmale würden deshalb nicht dazu führen, dass das Immunsystem den Erreger nicht mehr erkenne, sagte Neher. Man müsse die weitere Dynamik genau beobachten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Dezember 2020 um 09:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 21.12.2020 • 09:37 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Liebe User, um Ihre Kommentare zum Thema „Neue Corona-Variante“ besser bündeln zu können, haben wir uns entschieden, die Kommentarfunktion in diesem Artikel zu schließen. Gern können Sie das Thema hier weiter diskutieren: https://meta.tagesschau.de/id/147886/neue-corona-variante-drosten-zeigt-... Viele Grüße Die Moderation