Mehrere Maschinen der Fluglinie British Airways in London. | REUTERS

Corona-Mutation in Großbritannien Deutschland will Reiseverkehr einschränken

Stand: 20.12.2020 17:31 Uhr

Die Bundesregierung will wegen des Auftretens einer Mutation des Coronavirus den Reiseverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien sowie Südafrika einschränken. Eine entsprechende Regelung werde gerade erarbeitet.

Auch Deutschland rüstet sich gegen eine in Großbritannien entdeckte neue Variante des Coronavirus: Laut einem Sprecher will die Bundesregierung die Reisemöglichkeiten mit Großbritannien und Südafrika einschränken. Eine entsprechende Regelung werde zur Zeit erarbeitet. Die mutierte Variante des Virus war auch in dem afrikanischen Land entdeckt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der Sache zuvor bereits mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und den Spitzen der EU - Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Ratspräsident Charles Michel - telefoniert. Nach Angaben aus Elysée-Kreisen habe ein gemeinsames Vorgehen angesichts der neuen Variante des Coronavirus im Mittelpunkt der Gespräche gestanden. Macron hat noch für Sonntagabend einen Verteidigungsrat einberufen. 

Einschränkungen bis zum 6. Januar?

Wie mehrere Medien unter Berufung auf Insider berichteten, will Deutschland den Flugverkehr mit Großbritannien bereits ab Mitternacht einstellen. Die Einschränkung soll demnach vorerst bis zum 31. Dezember gelten, an weiteren Regelungen werde noch gearbeitet. Zudem strebe Merkel auch auf dem See- und Schienenweg eine Abriegelung an. Anfang der Woche soll die EU über die komplette Einstellung des Personenverkehrs zwischen dem europäischen Festland und dem Königreich entscheiden. Waren sollen allerdings weiter transportiert werden dürfen, heißt es in einem Bericht der "Bild"-Zeitung.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums schrieb auf Twitter, die Bundespolizei sei bereits angewiesen worden, Reisende aus Großbritannien und aus Südafrika "systematisch zu kontrollieren". Diese müssten sich daher auf längere Wartezeiten an den Grenzen einstellen. Die Maßnahmen würden mit den Gesundheitsämtern abgestimmt. Die Bundespolizei warnte ebenfalls auf Twitter, nur wenn unbedingt erforderlich solle noch nach Großbritannien gereist werden, denn "es kann sein, dass der Flugverkehr eingestellt wird".

Mutation könnte bis zu 70 Prozent ansteckender sein

Das Gesundheits- und das Verkehrsministerium erklärten ebenso wie das Kanzleramt, die Regierung verfolge die Entwicklung in Großbritannien genau und werte mit Hochdruck Informationen über die mögliche Virus-Variante aus. Zudem sei man in Kontakt mit den europäischen Partnern.

Einige europäische Staaten haben ebenfalls bereits reagiert. Die Niederlande sagten Flüge von und nach Großbritannien ab, auch Belgien schließt für mindestens 24 Stunden seine Grenzen zu Großbritannien. Das betrifft auch den Eurostar-Zug durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal. Die italienische Regierung will die Flugverbindungen mit Großbritannien wegen der Corona-Lage in England aussetzen, Österreich kündigte ebenfalls ein Landeverbot an. Auch die britischen Landesteile Wales und Schottland verschärften die Restriktionen.

Die Virus-Mutation ist nach britischen Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und weitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Für die Region ordneten die Behörden einen Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren an. Premierminister Boris Johnson hatte am Samstag betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.

Experten: "Derzeit kein Grund für Alarm"

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, schrieb bei Twitter, in Deutschland sei die Mutation bisher nicht aufgetaucht. Die Verbreitung könne Zufall sein. Die Mutationen verschafften dem Virus nicht zwingend einen Selektionsvorteil, auch wenn das möglich sei, so der Coronavirus-Experte. Ein Selektionsvorteil kann dazu führen, dass sich ein Virus leichter ausbreiten kann.

"Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm", sagte auch Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Und Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien hält die derzeitige Entwicklung nicht für "wahnsinnig alarmierend". Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich. Derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend verändern.

Mit Blick auf die Wirksamkeit der Impfung betonen die Experten, dass der Impfstoff eine Immunreaktion gegen gleich mehrere Virusmerkmale erzeugt. Veränderungen einzelner Merkmale würden deshalb nicht dazu führen, dass das Immunsystem den Erreger nicht mehr erkenne, sagte Neher. Man müsse die weitere Dynamik genau beobachten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Dezember 2020 um 18:00 Uhr.