Das Flugtaxi Lilium | Bildquelle: REUTERS

Elektrischer Jungfernflug Münchener Startup lässt Flugtaxi schweben

Stand: 16.05.2019 14:42 Uhr

Ein weiterer deutscher Flugtaxi-Pionier hat seinen Erstflug absolviert. Das Gerät der Firma Lilium schwebte in Oberpfaffenhofen bei München ferngesteuert in einigen Metern Höhe.

Erneut ist ein neuartiges Flugtaxi zu einem Jungfernflug abgehoben. Wie das Münchener Unternehmen Lilium jetzt mitteilte, hat der vollelektrische "Lilium Jet" bereits Anfang Mai einen kurzen Test bestanden. Wie auf dem Firmenvideo zu sehen ist, schwebt das ferngesteuerte Gerät senkrecht einige Meter in die Höhe.

Angetrieben wurde der eineinhalb Tonnen schwere "Lilium Jet" dabei von 36 elektrischen Jetmotoren in den Tragflächen. Firmengründer Daniel Wiegand sagte, als nächstes seien der Vorwärtsflug und einige Manöver geplant.

160519 Flugtaxi Lilium München 2 | Bildquelle: REUTERS
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Das Flugtaxi soll nicht zu kaufen sein. Foto: Lilium

Nicht zu kaufen, nur zu mieten

Die Firma Lilium will ab dem Jahr 2025 in mindestens zwei Städten in den kommerziellen Alltagsbetrieb starten. Gesteuert werden soll das Lufttaxi dann aber von einem Piloten, autonome Flüge seien wegen des aufwändigen Zulassungsverfahrens erst später geplant.

Das Serienmodell soll eine Stunde in der Luft bleiben und eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen können. Der Flugzeugbauer will seine Lufttaxen in Zukunft nicht verkaufen, sondern mit einem eigenen Buchungssystem selbst betreiben. Die leisen Senkrechtstarter könnten in Ballungsräumen, aber auch in ländlichen Regionen ohne Infrastruktur ihr Geld verdienen.

Zwei verschiedene technische Konzepte in Konkurrenz

Weltweit sind zwei verschiedene Konzepte elektrischer Flugtaxis im Probebetrieb.

Die einen erinnern an Hubschrauber, die dann im Flug ihre Rotoren verstellen. Der Flugzeugbauer Airbus hat Anfang Mai in Donauwörth seinen viersitzigen elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren erstmals in die Luft gebracht. Er soll mit 120 Kilometern pro Stunde 50 Kilometer weit fliegen. Das Karlsruher Start-up Volocopter hat bereits seit 2016 die deutsche Verkehrszulassung für ein zweisitziges elektrisches Flugtaxi. Es ist 2017 in Dubai im Test autonom geflogen.

160519 Flugtaxi Lilium München | Bildquelle: REUTERS
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Lilium konkurriert mit Boeings Lufttaxi. Foto: Lilium

Aurora Lufttaxi
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Das Aurora Lufttaxi. Boeing hat die Firma gekauft.

Die andere Variante hat dagegen Flügel wie ein Flugzeug. Die Düsen in den Tragflächen sind beim Starten nach unten gerichtet, später werden sie verstellt und sorgen für den nötigen Vortrieb.

Dieses Konzept verfolgt neben der Firma Lilium auch Boeing. Dessen Lufttaxi hat seinen ersten Testflug im Januar absolviert. Der "Lilium Jet" und das Lufttaxi von Boeing haben durch ihre Tragflächen mehr Reichweite. Dagegen brauchen die hubschrauberähnlichen elektrischen E-Luftaxis weniger Platz zum Landen.

Lilium: Startup mit Geldhunger

Die Firma Lilium mit Sitz am Flugplatz Oberpfaffenhofen bei München beschäftigt zur Zeit etwa 300 Mitarbeiter. Das Kapital kommt aus dem Ausland. Der chinesische IT-Konzern Tencent und andere Investoren haben laut Lilium bisher etwa 89 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Laut Firmengründer Wiegand sind weitere Gelder nötig, weil die Mittel nicht bis 2025 reichen. Investoren stünden aber bereit. Langfristig kann sich Wiegand auch einen Gang an die Börse vorstellen. Die Firma plant langfristig vier Fabriken in Deutschland, wahrscheinlich in Bayern, so Wiegand.

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