Die Regierungsmaschine in Köln | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte

Regierungsflugzeuge Nur bedingt flugbereit?

Stand: 30.11.2018 16:12 Uhr

Nicht zum ersten Mal stoppen technische Probleme ein Regierungsflugzeug. Doch die Flugbereitschaft der Bundeswehr wehrt sich gegen den Vorwurf, die Probleme träten überdurchschnittlich oft auf.

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Wenn der US-Präsident auf Reisen geht, steigt er in einen Mythos. Die "Air Force One" ist mehr als nur ein Regierungsflugzeug, ein Koloss in der Luft, stählernder Ausdruck der Macht des Präsidenten, Schauplatz vieler Hollywood-Filme. 2024 soll es zwei neue Maschinen geben, Kaufpreis nach derzeitiger Kalkulation: 3,9 Milliarden US-Dollar.

Von solchen Verhältnissen ist die Bundesregierung weit entfernt. Ihre Flugzeuge gehören zur Flugbereitschaft der Bundeswehr, ein Name, der "wie eingeschlafene Bürokratenfüße" klinge, wie der "Cicero" vor Jahren nörgelte. Alles eben etwas kleiner, alles etwas nüchterner. Und zum Teil gebraucht gekauft.

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tagesthemen 21:45 Uhr, 30.11.2018, Julia Krittian, ARD Berlin

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Grau und weiß

Die Flugbereitschaft teilt sich auf in zwei Flotten - eine sogenannte weiße und eine sogenannte graue Flotte. Letztere mit ihren fünf Maschinen vom Typ Airbus A310 ist vor allem für militärische Zwecke gedacht, um Soldaten in Einsatzgebiete zu bringen oder für die medizinische Versorgung. Sie können allerdings auch kurzfristig umgerüstet werden, um bei der weißen Flotte auszuhelfen. Für die Politiker und ihre Mitreisenden wird es dann allerdings etwas unbequemer.

Die weiße Flotte umfasst acht Flugzeuge verschiedener Typen. Als "Regierungsflieger" werden gemeinhin die beiden Langstreckenjets vom Typ Airbus A340-300 mit den Namen "Konrad Adenauer" und "Theodor Heuss" bezeichnet. Mit diesen Jets sind der Bundespräsident oder die Bundeskanzlerin in der Regel unterwegs, wenn es ins Ausland geht.

Dazu kommen zwei Mittelstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A319 sowie vier kleinere Bombardier Global 5000. Die Flotte wird ergänzt durch drei Airbus Hubschrauber vom Typ AS532 Cougar. In Kürze nimmt die Flugbereitschaft außerdem einen weiteren Airbus vom Typ A321 in Dienst. Die Flotte ist auf dem Flughafen Köln/Bonn und in Berlin-Tegel stationiert.

Aus zweiter Hand

Wie hoch die Anschaffungskosten der aktuellen Flotte waren, ist Verschlusssache - die Bundesregierung verwies noch im Oktober in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP auf "wettbewerbsrechtliche Gründe". Die Ausgaben dürften aber verhältnismäßig überschaubar sein, denn zumindest die Airbus-Maschinen kauft die Luftwaffe gebraucht von der Lufthansa. Als die Regierungsflotte zwischen 2010 und 2011 komplett erneuert wurde, taxierten Medien die Kosten auf eine Milliarde Euro.

Damals wurden auch die "Konrad Adenauer" und die "Theodor Heuss" übernommen, überholt und umgebaut. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie rund zehn Flugjahre auf dem Buckel.

Keine Luxusflieger

Die Ausstattung sei "komfortabel, aber nicht protzig", notierte seinerzeit die "Süddeutsche Zeitung" und hielt penibel fest, das Leder der Sitze sei echt, das polierte Edelholz aber "nur" Printfolienbeschichtung.

Funktional dürfte also die Einrichtung treffend beschreiben - in der "Konrad Adenauer" gibt es einen Konferenz- und Delegationsraum sowie einen Schlafbereich für die Kanzlerin. Zu Zeiten des Namensgebers nannten die Mitarbeiter des ersten Bundeskanzlers diesen Bereich mit feiner Ironie das "Heiligtum".

Eindeutig nicht in den transzendentalen Bereich gehört die Sicherheitstechnik des Fliegers. Die "Konrad Adenauer" ist mit einem Raketenabwehrsystem ausgerüstet, das anfliegende Geschosse durch Störsignale ablenkt.

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Viele dürfen mit

Die Flugbereitschaft dürfen zahlreiche Amtsträger nutzen: der Bundespräsident, der Präsident des Bundestages, die Kanzlerin, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesminister, die Fraktionsvorsitzenden, die Bundestagsabgeordneten sowie auch die Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten. Für die Reisen von Abgeordneten, Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten berechnet die Bundeswehr aber einen höheren Preis. Alle übrigen fliegen kostenfrei.

Im Jahr kommen so im Schnitt rund 2500 Flüge zusammen, wie ein Luftwaffensprecher gegenüber tagesschau.de erklärte. Nach Darstellung der Luftwaffe läuft der Betrieb weitgehend reibungslos, bei der weißen Flotte liege die Ausfallrate bei zwei Prozent. Damit stehe man sehr gut da - auch im Vergleich mit zivilen Fluglinien.

Der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth dagegen nennt die Probleme der Flugbereitschaft "nicht nachvollziehbar - und das schon seit vielen Jahren". Gegenüber tagesschau.de sagte Spaeth, spätestens mit dem Ausfall des Fluges der Kanzlerin zum G20-Gipfel nach Buenos Aires müsse man feststellen: "Hier stimmt etwas nicht". Spaeth verweist darauf, dass der Airbus "an sich zuverlässig" sei und von der Lufthansa täglich eingesetzt werde.

Besser privat?

Gibt es also doch Probleme bei der Wartung? Für den Verteidigungsexperten der Grünen, Tobias Lindner, war sie jedenfalls schon 2016 das eigentliche Problem - da gebe es "sicher noch viel Luft nach oben", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Seine Empfehlung: Man solle die Wartung an einen zivilen Anbieter übertragen.

Diese wird von der Luftwaffe selbst betrieben, die großen Untersuchungen übernimmt aber die Lufthansa. Dort will man die Probleme der Regierungsflieger nicht kommentieren und verweist auf die Besonderheiten der Flugbereitschaft.

Tatsächlich trägt der Vergleich mit dem täglichen Linienverkehr nur bedingt - bei Tausenden Flügen pro Tag sind die Fluglinien anderen Herausforderungen ausgesetzt und haben zugleich mehr Möglichkeiten, mit Ersatzmaschinen und Stand-by-Mannschaften auf Probleme im Flugverkehr zu reagieren.

Die Regierungsmaschine "Konrad Adenauer" steht wegen technischer Probleme auf dem Flughafen Nusa Dua in Indonesien | Bildquelle: dpa
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Von Nagern lahmgelegt: Die Regierungsmaschine "Konrad Adenauer" steht wegen technischer Probleme auf dem Flughafen Nusa Dua in Indonesien

Die Sache mit den Mitreisenden

Außer Frage steht: Wenn eine Maschine der Flugbereitschaft Probleme hat, ist dies schnell eine Schlagzeile wert - häufig sind ja auch Journalisten an Bord. Im November erst streikte in Südafrika ein Triebwerk der "Konrad Adenauer" über Stunden, im Oktober knabberten Nagetiere Kabel des Fliegers in Indonesien an und legten ihn lahm. Bundesfinanzminister Olaf Scholz musste per Linienflugzeug heimreisen.

Besonders Außenminister können als Vielflieger ein garstig Lied von den technischen Problemen singen - Frank-Walter Steinmeier musste 2016 einen Zwischenstopp in China einlegen und kam spät zu einem G7-Treffen in Japan, weil ein Ersatzteil nicht schnell genug beschafft werden konnte. Motordefekte, Hydraulikschäden, geplatzte Reifen, Computerprobleme und Rauchentwicklung - all das gehört inzwischen zum Anekdotenschatz von Steinmeier & Co.

Andererseits: Die so entstandene Wartezeit kann auch der Entspannung dienen. Als eine rissige Cockpitscheibe 2016 den Abflug aus Litauen verzögerte, zog Steinmeier mitsamt den Mitreisenden in einen Biergarten in Vilnius.

Von derlei Gelassenheit war Steinmeiers Vorgänger Joschka Fischer 2005 weit entfernt. Nach Qualmentwicklung in der Kabine schnautzte er: "Muss ich erst im Weltsaal des Auswärtigen Amtes aufgebahrt werden, ehe die Flugbereitschaft neue Maschinen bekommt?" Nun, Fischers Wunsch wurde erfüllt, und das Auswärtige Amt verließ er noch im selben Jahr quicklebendig.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. November 2018 um 16:00 Uhr.

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Eckart Aretz  Logo tagesschau.de

Eckart Aretz, tagesschau.de

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