Geflüchtete Kinder aus Odessa gehen nach ihrer Ankunft in ein Hotel in Berlin. | dpa

Geflüchtete aus der Ukraine Regierung plant Versorgung Verletzter und Kranker

Stand: 05.03.2022 13:34 Uhr

Die Bundespolizei hat in Deutschland bislang 27.491 geflohene Menschen aus der Ukraine registriert - viele weitere werden folgen. Die Bundesregierung rechnet auch mit vielen Verletzten und Kranken, die bundesweit verteilt werden sollen.

Die Bundesregierung bereitet sich darauf vor, verletzte und kranke Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, auf Krankenhäuser im gesamten Bundesgebiet zu verteilen. "Zu den Verwundeten des Krieges kommen noch diejenigen, die ihre medizinische Versorgung verlieren", sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dazu zählten Krebspatienten oder Dialyse-Patienten. "Weil wir mit sehr vielen Fällen rechnen, werden wir die Menschen auf die Bundesländer verteilen."

Die Lage der Menschen in der Ukraine sei jetzt schon schrecklich, werde aber noch schlimmer werden, so der Gesundheitsminister. Die Strategie des russischen Präsidenten Wladimir Putin laufe darauf hinaus, auch die medizinische Infrastruktur zu zerschlagen.

Integrationskurse für Ukraine-Flüchtlinge

Nach Angaben der Flüchtlingsbeauftragten Reem Alabali-Radovan will die Bundesregierung allen Menschen aus der Ukraine, die nach Deutschland flüchten, die Teilnahme an einem Integrationskurs ermöglichen. "Wir stellen die Weichen auf Integration, wenn die Menschen nicht in ihre ukrainische Heimat zurückkehren können: Sie können Arbeit aufnehmen und Sozialleistungen erhalten", sagte die Staatsministerin dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

Bund, Länder und Kommunen seien gut auf die Migrationsbewegungen aus der Ukraine vorbereitet. "Ich stehe dazu in engem Kontakt mit der Bundesinnenministerin und mit meinen Länderkolleginnen und -kollegen", sagte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Deutschland werde alle Menschen aus der Ukraine aufnehmen, die hier ankommen, versicherte Alabali-Radovan. "Wir sind ein starkes Land, und die Solidarität auf allen Ebenen - mit Herz und Hand - ist eine Sternstunde in dunklen Zeiten", betonte die Staatsministerin. Der Schulterschluss der EU, allen Kriegsflüchtlingen schnell Schutz zu gewähren, sei ein historischer humanitärer Akt.

Hohe Dunkelziffer

Inzwischen wurden bislang 27.491 vor dem Krieg geflohene Menschen aus der Ukraine von der Bundespolizei registriert. Das teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums mit. Zugleich wies er darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der nach Deutschland eingereisten Menschen aus der Ukraine deutlich höher sein könnte, da die Daten der Bundespolizei auch wegen nicht existierender Grenzkontrollen nur einen Teil der Geflüchteten abbilden würden. "Da keine Grenzkontrollen stattfinden, kann die Zahl der nach Deutschland eingereisten Kriegsflüchtlinge tatsächlich bereits wesentlich höher sein", hieß es dazu.

225.000 Menschen könnten nach Deutschland kommen

Nach Einschätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) könnten in Deutschland bis zu 225.000 Kriegsvertriebene aus der Ukraine Schutz suchen. Das geht aus einem internen Papier der Bundesregierung hervor, wie der "Spiegel" berichtete. Demnach rechnet die Organisation damit, dass insgesamt bis zu 1,7 Millionen Menschen die Ukraine wegen des Angriffs Russlands auf das Land verlassen werden. 

Andere Schätzungen liegen noch deutlich höher. Nach UN-Angaben waren wegen des russischen Angriffskriegs allein bis Freitag mehr als 1,2 Millionen Menschen geflohen. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt laut "Spiegel", dass bis zu vier Millionen Menschen die Ukraine verlassen könnten. Ein Großteil der Vertriebenen sucht in den Nachbarländern Polen, Ungarn, Slowakei, Rumänien und Moldau Schutz. 

Schneller und unkomplizierter Schutz

Die EU hatte in dieser Woche die Voraussetzungen für einen schnellen und unkomplizierten Schutz der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine geschaffen. Einen entsprechenden Beschluss dazu hatten die EU-Staaten am Freitag einstimmig angenommen. Damit tritt erstmals eine Richtlinie für den Fall eines "massenhaften Zustroms" von Vertriebenen in Kraft.

Der Schutz für die Menschen aus der Ukraine gilt zunächst für ein Jahr, kann jedoch um insgesamt zwei weitere Jahre verlängert werden. Ein langwieriges Asylverfahren ist damit nicht nötig.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2022 um 14:00 Uhr.