Flüchtlinge werden von Lesbos nach Hannover geflogen. | EPA

Flüchtlinge aus Lesbos Aufnahmeprogramm endet - Helfer unzufrieden

Stand: 31.03.2021 17:11 Uhr

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos hatte sich Deutschland bereit erklärt, Flüchtlinge von dort aufzunehmen. Die letzten dieser Migranten sind nun angekommen - Helfer fordern weitere Anstrengungen.

Mit einem Flug, der 120 Migranten von der griechischen Insel Lesbos nach Deutschland gebracht hat, endet das deutsche Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge von dort. Die Maschine, die heute in Hannover landete, war die letzte direkt von der Insel.

1500 Flüchtlinge aufgenommen

Auslöser für das Aufnahmeprogramm war der Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos im vergangenen Jahr. Mehrere Tausend Migranten - viele von ihnen noch minderjährig - waren dadurch obdachlos geworden. Damals hatte die Bundesregierung zugesagt, 1553 Menschen aus 408 Familien nach Deutschland einreisen zu lassen. Auch andere EU-Staaten hatten Migranten von dort aufgenommen.

Hilfsorganisationen fordern Verlängerung

Hilfsorganisationen sehen ein Ende des Aufnahmeprogramms kritisch und verlangen eine Verlängerung. Es sei ein "Gebot der Humanität", weiterhin Schutzsuchende aufzunehmen, betonte Caritas-Präsident Peter Neher. "Wir wollen, dass weiter Schutzbedürftige aufgenommen werden - zumal in Deutschland eine enorme Aufnahmebereitschaft in Ländern und Kommunen und in der Zivilgesellschaft besteht." So haben laut der Flüchtlingsorganisation Seebrücke zuletzt knapp 240 Städte in Deutschland ihre Bereitschaft erklärt, weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sieht weiter Handlungsbedarf für Flüchtlinge in Griechenland. Zwar ende offiziell das Mandat der Organisation für den Soforthilfeeinsatz. Das DRK werde sein Engagement aber auf geflüchtete Menschen in anderen Teilen Griechenlands ausweiten, erklärte Generalsekretär Christian Reuter. Das Rote Kreuz sorge etwa für die Wasserversorgung sowie für Duschplätze und andere Hygieneeinrichtungen.

Tausende harren auf Inseln aus

Weiterhin sind Tausende Migranten auf mehreren griechischen Inseln untergebracht, teilweise in sehr schlechten Bedingungen. Die EU sagte deshalb Anfang der Woche 276 Millionen Euro für den Bau neuer Lager auf fünf Inseln zu. Das größte soll auf Lesbos entstehen und bis zum Winter fertig sein. Derzeit harren etwa 6000 Menschen in einem provisorischen Zeltlager aus.

Die Organisation Pro Asyl fordert, weitere Menschen in Deutschland aufzunehmen. "Die griechischen Inseln werden zu Freiluft-Gefängnissen", sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dort würden Schutzsuchende ohne Zugang zu Asyl und ohne Rechtsschutz sitzen gelassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2020 um 20:00 Uhr.