Syrische Flüchtlingskinder in einem libanesischen Lager | Bildquelle: AP

Teil I der Serie Flucht - die globale Herausforderung

Stand: 18.11.2018 12:55 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge wird in den nächsten Jahrzehnten dramatisch zunehmen. International sind deshalb langfristige Konzepte nötig. Auch die Zivilgesellschaft ist gefordert.

Eine Analyse von Reinhard Baumgarten, SWR

Nie zuvor gab es so viele Flüchtlinge wie heute, rund 70 Millionen Menschen sind es weltweit. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Unterdrückung und Unfreiheit. Sie fliehen vor Verelendung, wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit, vor Naturkatastrophen und den Folgen des Klimawandels. Alle zwei Sekunden wird irgendwo auf unserem Planeten ein Mensch zum Flüchtling - jeder zweite ist ein Kind oder Jugendlicher.

Es ist schwer, sich das Ausmaß der weltweiten Fluchtbewegungen vorzustellen. In wenigen Jahren schon könnten es über 80 Millionen Menschen sein. Das würde dann der Einwohnerzahl Deutschlands entsprechen. Nur ein kleiner Teil davon wird Aufnahme in den sich immer mehr abschottenden reichen Industriestaaten finden. Die große Mehrheit wird ein Leben in bitterer Armut in unterentwickelten Ländern fristen.

Viele werden versuchen, den wohlhabenden Norden zu erreichen. Auf dem Weg durch Mali, Niger und Libyen mit anschließender Fahrt übers Mittelmeer in Richtung Europa geschieht das bereits. Ebenso in Mittelamerika, wo sich Flüchtlinge und Migranten in Richtung USA auf den Weg gemacht haben.

Flüchtlingsabkommen mit dem Niger in der Kritik
Europamagazin 12:45 Uhr, 18.11.2018, Judith Wedel, ARD Brüssel

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Migranten oder Flüchtlinge?

Die Grenzen zwischen Migration und Flucht sind fließend. Durch Migration erhoffen sich Menschen, in einem anderen Gebiet oder Land bessere Lebensbedingungen zu finden. Durch Flucht wollen Menschen existenzgefährdenden Notlagen entkommen. Existenzgefährdende Notlagen sind nicht mehr nur Kriege, Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung. Dazu gehören längst auch die immer stärker zu spürenden Folgen des Klimawandels, der Überbevölkerung und der zunehmenden Ressourcenknappheit.

"Jede Migration führt zu Konflikten, unabhängig davon, wodurch sie ausgelöst wird, welche Absicht ihr zugrunde liegt, ob sie freiwillig oder unfreiwillig geschieht und welchen Umfang sie annimmt", schrieb Hans Magnus Enzensberger in seinem 1992 veröffentlichten Essay "Die große Wanderung". "Gruppenegoismus und Fremdenhass", fährt er fort, "sind anthropologische Konstanten, die jeder Begründung vorausgehen".

Gruppenegoismus und Fremdenhass nehmen in den wohlhabenden Ländern offenkundig zu. Ein aussagekräftiger Indikator dafür ist das Erstarken rechtspopulistischer und häufig auch fremdenfeindlicher Gruppierungen, die wenig bis kein Interesse daran haben, sich um das Los geflüchteter Menschen und deren Gründe für die Flucht zu kümmern.

Die Zahlen werden noch zunehmen

Die Zahl der Flüchtlinge droht in den kommenden Jahrzehnten dramatisch zuzunehmen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte sie in die Hunderte von Millionen gehen. Maßgeblich dafür verantwortlich werden die Auswirkungen des Klimawandels, Konflikte um Ressourcen wie Wasser und fruchtbares Land sowie das in vielen Teilen der Welt noch immer hohe Bevölkerungswachstum sein.

Immer mehr Menschen verbrauchen immer knapper werdende Ressourcen und immer mehr Energie. Die mittelbaren Folgen davon dürften einerseits folgenschwere Verteilungskämpfe sowie andererseits ein weiterer Anstieg der klimaschädlichen Treibhausgase und damit einhergehend eine fortschreitende globale Erwärmung sein.

Viel ist hierzulande von Ursachenbekämpfung die Rede. Doch "vieles, was als Fluchtursachenbekämpfung verkauft wird, ist Flüchtlingsbekämpfung", meint Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die Präsidentin von "Brot für die Welt" fordert einen "langfristigen Einsatz von Mitteln, da wo die Not, die Armut, der Hunger am größten sind".

Was nun zu tun ist

Dieses "Langfristig" darf sich nicht darauf beschränken, dass Flüchtlinge auf Dauer mit Zelten, Handpumpen und Nahrung versorgt werden. Langfristig heißt: Perspektiven durch Jobs schaffen, Wohlstand durch fairen Handel ermöglichen, Zivilgesellschaften stärken. Europa gibt immer mehr Geld für Grenzsicherung aus - auch weit jenseits der EU-Außengrenzen. Dabei geht die EU einen faustischen Pakt ein mit Politikern und korrupten Eliten in Herkunfts- und Transitländern von Flüchtlingen wie Niger, Mali, Tschad oder Ägypten.

Die Zeit läuft ab, durch entschlossenes und koordiniertes Handeln unumkehrbare Entwicklungen stoppen zu können. Das betrifft sowohl den globalen Klimawandel als auch die weltweit größer werdende Fluchtbewegung. Beides sind miteinander korrespondierende existentielle Herausforderungen, der sich die internationale Staatengemeinschaft schnell und wirkungsvoll annehmen muss.

 Mit den Ursachen und Folgen von Flucht und Migration beschäftigt sich die ARD in dieser Woche in einer multimedialen Serie im Ersten, den Hörfunkwellen der ARD sowie online.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. November 2018 um 09:00 Uhr.

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