Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Cotrona-Test einen Abstrich von einer Frau. | Bildquelle: dpa

Corona-Strategie Was steckt hinter Spahns Fieberambulanzen?

Stand: 23.09.2020 17:29 Uhr

Steigende Infektionszahlen, mehr und mehr Hotspots: Gesundheitsminister Spahn brachte sogenannte Fieberambulanzen ins Gespräch. Was genau meint er damit?

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Zunächst klang es nach einem neuen Vorschlag, einer neuen Idee, wie Jens Spahn das Land in der kalten Jahreszeit gegen Corona wappnen will. Sogenannte Fieberambulanzen solle es geben. Also Anlaufstellen außerhalb der Arztpraxen, die Patienten mit typischen Symptomen eines Atemwegsinfekts aufsuchen können.

Dies könnten Fieberambulanzen sein, Fiebersprechstunden oder auch Schwerpunktpraxen, erläuterte der Bundesgesundheitsminister Anfang der Woche. Entscheidend sei dabei einerseits, schnell Gewissheit über die Art des Infekts zu bekommen. Andererseits, dass Patienten mit Covid-Symptomen von anderen getrennt würden, um weitere Ansteckungen zu vermeiden.

Fieberambulanzen gibt es bereits

Der Vorschlag rief ein breites Echo hervor, Ärztevertreter, Wissenschaftler und andere Politiker äußerten sich, teils lobend, teils kritisch. Doch tatsächlich ist diese Idee keineswegs neu. Das habe der Minister auch nicht gesagt, sei nur zum Teil offenbar fälschlicherweise so verstanden worden, heißt es aus dem Ministerium.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht die Arztpraxen gut vorbereitet. Es gebe "Fiebersprechstunden, die bereits zum Einsatz gekommen sind und die Hausärzte, Kinderärzte sowie Fachärzte jederzeit wieder einrichten können", heißt es in einer Pressemitteilung.

KBV: "Finanzierung und Schutzausrütung notwendig"

Der Aufbau eigenständiger Covid-19-Einrichtungen könnte je nach Notwendigkeit hinzukommen und sollte jeweils regional entschieden werden. Wichtig ist der KBV dabei vor allem, dass "Finanzierung und Versorgung mit Schutzausrüstung geklärt sind".

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz reagierte: Das Konzept, das Spahn vorsehe, habe man bereits im Frühjahr entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Rund 500 solcher Anlaufstellen gibt es laut KV Rheinland-Pfalz bereits in dem Bundesland - unter der Bezeichnung Corona-Ambulanzen, Corona-Praxen und Corona-Sprechstunden.

Turnhallen, Corona-Praxen, extra Sprechstunden

Diese seien beispielsweise in speziellen Gebäuden wie etwa Turnhallen untergebracht. In Corona-Praxen werden in den eigenen Praxisräumen ausschließlich Personen mit Infekt-Symptomen behandelt. Die Corona-Sprechstunden finden ebenfalls in Arztpraxen statt und laufen neben dem regulären Praxisbetrieb, werden jedoch räumlich getrennt vom Regelbetrieb organisiert, beispielsweise durch verschiedene Sprechzeiten oder separate Eingänge.

Ähnlich sieht es in Berlin aus. Dort heißt das Ganze "Covid-19-Praxis". Aktuell gibt es laut KV Berlin 30 davon. Auch in Sachsen-Anhalt finden sich auf der Seite der dortigen KV die Kontaktdaten zahlreicher Fieberambulanzen und Testpraxen.

Neu: Flächendeckend in allen Bundesländern

Neu ist, dass Spahn diese Anlaufstellen nun flächendeckend ausweiten beziehungsweise reaktivieren will. Dafür wird er nun bei seinen Länderkollegen werben. Mit dem Ziel, möglichst in allen Bundesländern solche Anlaufstellen einzurichten, heißt es aus dem Ministerium.

Über dieses Thema berichtete WDR aktuell am 21. September 2020 um 21:45 Uhr.

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Sandra Stalinski, tagesschau.de

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