Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband. | dpa

Einbruch in Grünes Gewölbe Drei Verdächtige in U-Haft

Stand: 17.11.2020 16:59 Uhr

Im Raum steht der Vorwurf des Bandendiebstahls und der Brandstiftung: Im Fall des Juwelenraubs im Dresdner Grünen Gewölbe befinden sich drei Männer in Untersuchungshaft. Von den gestohlenen Schätzen fehlt nach wie vor jede Spur.

Nach den Festnahmen im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft drei Verdächtige in Untersuchungshaft. Den Männern wird schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft treibt derweil die Ermittlungen weiter voran. Es seien Speichertechnik und weitere Kleidungsstücke sichergestellt worden, sagte ein Sprecher. "Die Auswertung wird natürlich auch wieder einige Zeit in Anspruch nehmen." Man strebe eine zeitnahe Anklageerhebung an, ganz klar sei aber auch: "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."

Zwei Verdächtige auf der Flucht

Bei dem Großeinsatz in Berlin mit knapp 1640 Polizeibeamten aus acht Bundesländern, darunter Spezialkräfte des Bundes sowie der Länder Berlin und Sachsen, wurden am Morgen 18 Objekte in Berlin durchsucht - unter anderem zehn Wohnungen sowie Garagen und Fahrzeuge. Schwerpunkt war der Bezirk Neukölln.

Drei Männer wurden festgenommen. Es handelt sich dabei um zwei 23-Jährige und einen 26-Jährigen. Sie sind deutsche Staatsbürger und gehören zu einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie - nach Angaben der Ermittler handelt es sich um den Berliner Remmo-Clan. Ihm werden auch andere große Straftaten angelastet - wie etwa der spektakuläre Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. Nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" war einer der Männer im März 2017 in diesem Zusammenhang verurteilt worden.

Die Polizei fahndet zudem - auch im Ausland - nach zwei weiteren Verdächtigen. Die beiden 21-Jährigen konnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft fliehen. Es handelt sich demnach um Zwillingsbrüder, die ebenfalls zum Clan-Milieu gehören. Die Behörde verbreitete für die Öffentlichkeitsfahndung Fotos der Verdächtigen. Ein noch gesuchtes Auto, das von einem der Verdächtigen zur Flucht genutzt worden sein könnte, wurde mittlerweile gefunden.

Insgesamt gehen Ermittler derzeit von sechs unmittelbar an der Tat Beteiligten aus. Bei den drei Festgenommenen und zwei Flüchtigen bestehe dringender Tatverdacht. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass weitere Personen ins Visier genommen werden.

Bilderstrecke

Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe (November 2019)

Bisher keine Hinweise auf gestohlene Juwelen

Ende November 2019 waren Unbekannte durch ein Fenster in das Grüne Gewölbe, die berühmte Schatzkammer im Residenzschloss der sächsischen Hauptstadt, eingedrungen. Binnen Minuten stahlen sie aus einer Ausstellungsvitrine Kunstschätze von schwer schätzbarem Wert, darunter Schmuckstücke aus Gold, Diamanten und Brillanten. Anschließend flohen sie mit einem Auto, das sie später in Brand setzten.

Beute-Stücke wurden bei den Durchsuchungen laut Staatsanwaltschaft nicht gefunden. Die Ermittler dämpften die Hoffnungen, dass die geraubten Objekte je wieder nach Dresden zurückkehren. "Da müsste man sehr viel Glück haben, dass man die ein Jahr nach der Tat noch finden würde", sagte der Sprecher der Dresdner Polizei, Thomas Geithner. Der eigentliche Erfolg sei die Festnahme der Verdächtigen. Die Ermittlungen seien aber noch keineswegs abgeschlossen.

Fluchtauto und Videoaufnahmen brachten Hinweise

In dem Fall hatte es schon mehrere Einsätze in Berlin gegeben. Im September standen Betriebsstätten im Blickpunkt, hier ging es möglicherweise um das Fluchtauto. Die Untersuchung des Autos sowie die Auswertung von Überwachungskamera-Aufnahmen brachten die Polizei auf die Spur der Verdächtigen. Die vor und während des Diebstahls aufgenommenen Bilder hätten den Ermittlern wertvolle Hinweise zum Verhalten der Täter gegeben, sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft.

Warnzeichen an die Szene

Die Festnahme der drei Männer aus dem Clan-Milieu sieht Innensenator Andreas Geisel (SPD) auch als Warnzeichen an die Szene. "Niemand sollte glauben, er könne sich über diesen Staat und seine Regeln hinwegsetzen", erklärte Geisel. "Der Rechtsstaat ist das Maß der Dinge. Er allein setzt die Ordnung durch. Er tut das entschlossener und klüger als manch Krimineller glaubt."

Vor dem Hintergrund der Einbrüche sieht Kulturstaatsministerin Monika Grütters Museen auch weiterhin erheblichen Gefahren ausgesetzt. "Die brachiale Gewalt und das hochprofessionelle Vorgehen der Täter haben uns schmerzlich vor Augen geführt, vor welch großen Herausforderungen unsere Museen beim Thema Sicherheit stehen", sagte die CDU-Politikerin. Dies gelte insbesondere mit Blick darauf, "dass auch in diesem Fall die Spuren offenkundig in Richtung organisierte Clan-Kriminalität weisen". Grütters gratulierte den Ermittlungsbehörden zu dem "ermutigenden Fahndungserfolg" bei einem "nicht eben risikoarmen Einsatz".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. November 2020 um 16:00 Uhr.