Fahne des IS in Rakka | Bildquelle: AP

Bundesanwaltschaft ermittelt Mutmaßliches IS-Mitglied festgenommen

Stand: 09.09.2019 13:35 Uhr

Omaima A. folgte ihrem Mann nach Syrien, um ihre Kinder dort im Sinne der IS-Ideologie zu erziehen. Jetzt wurde die Deutsch-Tunesierin in Hamburg festgenommen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen mehrerer Verbrechen.

Die Bundesanwaltschaft hat in Hamburg ein mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) festnehmen lassen. Omaima A. werde dringend verdächtigt, sich "als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung 'Islamischer Staat'" beteiligt zu haben, teilte die Behörde mit. Gegen die Frau mit deutscher und tunesischer Staatsbürgerschaft werde ferner wegen des dringenden Tatverdachts der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt. Sie soll morgen dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

2015 über die Türkei ausgereist

Omaima A. reiste nach Angaben der Bundesanwaltschaft im Januar 2015 mit ihren drei minderjährigen Kindern über die Türkei nach Syrien ein. Dort lebte sie schließlich in Rakka mit ihrem damaligen Ehemann Nadar H. zusammen, einem IS-Kämpfer, der sich seit Ende 2014 in Syrien aufgehalten hatte. Die gemeinsamen Kinder habe sie im Sinne der IS-Ideologie erzogen, von der Terrormiliz habe die Familie monatlich Geld erhalten. Omaima A. selbst habe mit einem Maschinengewehr Gewalt ausgeübt.

Nachdem Nadar H. im Frühjahr 2015 bei einem Luftangriff in Kobane ums Leben gekommen war, habe Omaima A. vom IS eine Kondolenzzahlung erhalten sowie weitere monatliche Zahlungen.

Nach Tod des Mannes neu verheiratet

Wenige Monate nach dem Tod ihres Ehemannes heiratete A. den Angaben zufolge das höherrangige IS-Mitglied Denis Cuspert. Er hatte seine Karriere als Rapper Deso Dogg aufgegeben, um sich 2014 dem IS anzuschließen. In den USA stand Cuspert auf der Terrorliste.

In dieser Zeit habe sie per E-Mail versucht, zwei Personen für den IS anzuwerben. Aufgrund von Streitigkeiten mit ihrem Mann und um ihr viertes Kind in Deutschland zur Welt zu bringen, sei sie September 2016 nach Deutschland ausgereist.

Im Visier der Behörden

Nach Informationen des WDR soll Omaima A. bereits kurz nach ihrer Rückkehr im Visier der Ermittlungsbehörden gestanden haben. Kurz zuvor war sie mit drei Kindern in die Deutsche Botschaft nach Ankara gekommen und hatte dort mit einem Vertreter des Bundeskriminalamtes (BKA) gesprochen. Der Beamte hatte A. zu ihrer Zeit beim IS und zu deutschen IS-Kämpfern befragt.

Die Ermittler in Deutschland sollen die Islamistin nach ihrer Rückkehr als Kontaktperson zu deutschen Dschihadisten in Syrien und dem Irak eingestuft haben. Sie galt als sogenannte "Nachrichtenmittlerin" und soll zeitweise auch überwacht worden sein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2019 um 11:45 Uhr.

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