Drei Ferkel im Stroh | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bundesrat lehnt Aufschub ab Betäubungspflicht soll wie geplant kommen

Stand: 21.09.2018 12:08 Uhr

In Deutschland ist es ab Anfang 2019 verboten, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Die Initiative mehrerer Bundesländer, die Betäubungspflicht aufzuschieben, wurde in der Länderkammer abgelehnt.

Der Bundesrat lehnt eine mögliche Verschiebung des Verbots der betäubungslosen Kastration von Ferkeln in der Landwirtschaft zum 1. Januar 2019 ab. In der Länderkammer fanden Initiativen, die derzeitige Praxis noch bis Ende 2020 oder sogar bis Ende 2023 zu ermöglichen, keine Mehrheit.

Bayern hatte fünf Jahre zusätzlich Zeit gefordert, hat aber schon im Fachausschuss keine Mehrheit für diesen Gesetzentwurf gefunden. Niedersachsen schlug zwei Jahre vor. Zusätzlich lagen Initiativen von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern vor, die nicht explizit für eine neue Frist sind.

Ferkel im Schweinestall
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In Deutschland ist es ab Anfang kommenden Jahres verboten, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren.

Auch der Bauernverband hatte angesichts der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben. Der Verband verwies darauf, dass keine praktikablen Alternativverfahren zur Verfügung stünden. Tierschützer forderten, am Verbot ab 2019 festzuhalten.

Tierschützer hatten die betäubungslose Kastration von Ferkeln hingegen scharf kritisiert und darauf verwiesen, dass sich eine große Mehrheit der Verbraucher für eine artgerechtere Haltung von Nutztieren ausspreche.

Ferkelkastration

Männliche Ferkel werden kastriert, damit sie nicht den so genannten Ebergeruch entwickeln. Dieser wird beim Erhitzen des Fleisches freigesetzt und von vielen Verbrauchern als unangenehm empfunden.
Alternativen zur Kastration ohne Betäubung wären die Vollnarkose, die Immunokastration, bei der den Tieren ein Mittel gespritzt wird, das die Hoden funktionsuntüchtig macht und schließlich die Ebermast, also die Aufzucht ohne Kastration. Nach Ansicht vieler Landwirte sind diese Alternativen aber unpraktikabel beziehungsweise zu teuer. Sie würden die Tiere gern selbst lokal betäuben, das wäre aber nicht gesetzeskonform.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne eine Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Jungebern eine strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Das Ende für die umstrittene Methode war mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. September 2018 um 12:22 Uhr.

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