Ferkel | Bildquelle: dpa

Koalition zu Ferkeln Noch länger ohne Betäubung kastrieren

Stand: 02.10.2018 11:47 Uhr

In Deutschland sollen Ferkel noch länger ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Das hat die Koalition in der Nacht mitgeteilt. Ab 2019 ist dies verboten, aber die Regierung will noch einen Aufschub um zwei Jahre erreichen.

Die Spitzen von Union und SPD wollen das zum 1. Januar 2019 greifende Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln verschieben. Die Koalitionsfraktionen sollen dafür im Bundestag eine Initiative auf den Weg bringen mit dem Ziel, die Übergangsfrist um zwei Jahre zu verlängern. Das wurde in der Nacht mitgeteilt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, mit dem Kompromiss sei nun auch in Zukunft Ferkelzucht in Deutschland möglich.

Eigentlich sollen die Bauern in Deutschland laut Tierschutzgesetz zum Jahresende die chirurgische Kastration ohne Betäubung bei unter acht Tage alten männlichen Schweinen einstellen. Ab 1. Januar 2019 soll dann ein Verfahren angewandt werden, das Schmerzen wirksam ausschaltet. Sofern das nicht möglich ist, müssen die Tierhalter auf eine chirurgische Kastration verzichten.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Tierschützer forderten, es beim geplanten Verbotsdatum zu belassen, um die "Ferkelqual" nicht zu verlängern.

Bauernverband wollte Verbot dringend verschieben

Der Bauernverband hatte angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und darauf verwiesen, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Bundesrat hatte Verschiebung abgelehnt

Erst kürzlich hatte der Bundesrat eine Verschiebung des Verbots der Kastration von Ferkeln ohne Betäubung abgelehnt. In der Länderkammer fanden Initiativen, die bisherige Praxis noch bis Ende 2020 oder sogar Ende 2023 zu ermöglichen, keine Mehrheit. Unklar ist, wie der Bundesrat nach einem erneuten Gesetzentwurf entscheiden würde.

"Große Koalition: Albtraum aller Tiere"

Die Grünen-Agrarexpertin Renate Künast warf der Bundesregierung vor, "systematisch" den Tierschutz im Grundgesetz zu ignorieren. "Die Große Koalition ist der Alptraum aller Tiere", erklärte Künast. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) tue nichts dafür, das Leben der Tiere zu verbessern. Stattdessen beuge sich die Regierung der Meinung des Bauernverbands. Es gebe aber "längst Alternativen" zur betäubungslosen Kastration - etwa die Impfung.

Über dieses Thema berichtete das ARD Mittagsmagazin am 25. September 2018 um 13:00 Uhr.

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