Ein Schüler bemalt am letzten Schultag vor den Sommerferien die Tafel im Klassenzimmer. | Bildquelle: dpa

Kultusministerkonferenz Länder prüfen neue Ferientermine

Stand: 18.10.2019 09:08 Uhr

Je nach Bundesland beginnen die Sommerferien zwischen Mitte Juni und Ende Juli. Und jedes Jahr wechselt der Termin. Berlin und Hamburg wollen das Zeitfenster enger fassen. Auf der Kultusministerkonferenz wurde nun vereinbart, eine Neuordnung der Termine zu prüfen.

Von Christin Jordan, SWR

Es ist eine der großen Kontroversen bei der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin: Die beiden Stadtstaaten Hamburg und Berlin fordern neue Regeln bei der Terminfestlegung für die Sommerferien. Bei dem Treffen geht es um die großen Ferien für die Jahre 2025 bis 2030.

Bisher sind die 16 Bundesländer auf fünf Gruppen verteilt, von denen drei einen relativ frühen und zwei einen eher späteren Ferienbeginn haben. Das System rolliert. Das heißt, durch den jährlichen Tausch des Sommerferienstarts wechseln sich die Länder regelmäßig ab.

Die Ausnahme bilden Bayern und Baden-Württemberg. Die beiden südlichen Bundesländer haben sich von Anfang an ausgeklinkt und gehen immer zum letztmöglichen Termin in die Ferien.

Regelung mit historischen Wurzeln

Das System wurde 1964 im "Hamburger Abkommen" vereinbart, das sowohl die Länge von mindestens sechs Wochen als auch den Ferienkorridor zwischen dem 1. Juli und dem 10. September festschrieb. Letzterer wurde bei der vergangenen Verhandlung 2014 bis auf aktuell 85 Tage ausgeweitet.

Die Ausnahme für die beiden Südländer gehen darauf zurück, dass die Schulkinder früher in den Ferien häufig bei der Ernte helfen mussten - ein Argument, das heute gegenstandslos ist.

Die Rotation ist für die Abläufe in den Schulen eine Herausforderung, denn beim Wechsel von einem späten auf einen frühen Ferientermin verkürzt sich das Schuljahr. Bis zu einen Monat weniger Zeit kann das bedeuten.

Senatoren werben für mehr Kontinuität

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) fordert mehr Kontinuität im Schuljahresablauf und hat daher zusammen mit ihrem Hamburger Amtskollegen beantragt, die freien Tage künftig zeitlich weniger zu strecken. Die aktuelle Regelung hat aus ihrer Sicht negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler und die Belastung der Lehrkräfte.

Auch Hamburgs Schulsenator Ties Rabe, zugleich Koordinator der SPD-geführten Kultusministerien, wirbt für die Änderung: "Der Vorteil wäre, dass die Schuljahre weitgehend gleich lang bleiben und gerade die Abschlussprüfungen in einer verlässlichen und sicheren Zeitspanne stattfinden können. Zudem können sich Kinder und Eltern ab dem ersten Juli verlässlicher auf besseres Sommerwetter freuen."

Unterstützung bekommen die beiden von Gewerkschaftsseite. Der rheinland-pfälzische GEW-Vorsitzende Klaus-Peter Hammer sagt: "Ich würde mich dieser Forderung nicht verschließen. Jeder Pädagoge hat es lieber, wenn er den Lehrstoff und die Prüfungen nicht in ein kurzes Jahr packen muss, sondern das Ganze ausgeruht angehen kann."

Angst vor Auswirkungen auf den Tourismus

Kritik an dem Vorstoß kommt dagegen von den anderen Bildungsministern. "Für uns im Saarland entscheidend ist die Beibehaltung der Kopplung der Sommerferienzeiten wie bisher an Rheinland-Pfalz und Hessen", meint die saarländische Ministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Das derzeitig gültige Verfahren, 1999 von der KMK beschlossen, führe in den meisten Schuljahren nur zu einer Verschiebung des Ferienbeginns von einer Woche. Vor allem die tourismusstarken Bundesländer wollen den Ferienstart nicht wieder nach hinten verschieben.

"Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde", erklärt ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums in Kiel.

Hessen, Darmstadt: Kilometerlang staut sich der Verkehr auf der Autobahn A5 in südlicher Richtung in Höhe des Rasthofs Gräfenhausen in der Nähe des Darmstädter Kreuzes. | Bildquelle: dpa
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Alle Jahre wieder: Kilometerlange Staus auf den Autobahnen zum Beginn der Sommerferien

Aus hessischer Sicht hat sich das rollierende System bewährt. Auch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) will an der Regelung festhalten: "Allerdings würden wir es sehr befürworten, wenn sich künftig alle Länder am rotierenden System der Sommerferien beteiligen würden."

Dass es dazu kommt, ist fraglich. Bayerns Bildungsminister hat bereits angekündigt, bei der aktuellen Ferienregelung bleiben zu wollen.

Bei der KMK in Berlin gab es jedenfalls zunächst keine Einigung. Die zuständigen Minister lassen sich stattdessen Vorschläge zu einer Neuordnung der Termine erstellen. "Ergebnisoffen", wie es heißt. Entschieden werden soll dann bei einer KMK-Sitzung im Dezember 2020.

Kultusministerkonferenz spricht über neue Sommerferientermine
Christopher Jähnert, ARD Berlin
18.10.2019 14:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Oktober 2019 um 08:46 Uhr.

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