Ein Bus fährt in Reutlingen in den Busbahnhof ein | Bildquelle: dpa

Luftverbesserung in Modellstädten Weg vom Pkw, rein in den Bus

Stand: 14.08.2018 19:19 Uhr

Die Luftqualität in vielen deutschen Städten ist alarmierend. Wie umweltverträglicher Nahverkehr aussehen kann, sollen nun fünf Modellstädte testen. Dafür erhalten sie vom Bund knapp 130 Millionen Euro.

Von Karin Wehrheim, ARD-Hauptstadtstudio

65 deutsche Städte haben im vergangenen Jahr die Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft überschritten, im Jahr zuvor waren es noch 90. Die Zahlen, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze, zeigten, wie wichtig es sei, schnell zu handeln. Die fünf Modellstädte aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hätten ein breites Spektrum an Maßnahmen auf den Tisch gelegt, die schnell umgesetzt werden könnten.

Ziel: "Modernisierungsschub"

"Diese Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, haben aber einen noch viel breiteren Hintergrund", sagt Schulze. "Sie werden dazu führen, dass städtische Mobilität sich verändert, dass wir einen wirklichen Modernisierungsschub erleben, dass wir eine nachhaltige Mobilität voranbringen können, die die Städte insgesamt nochmal attraktiver macht, Lebensqualität erhöht." Dies sei ihr auch als Umweltministerin wichtig.

Bundesumweltministerin Schulze, Verkehrsminister Scheuer und die Bürgermeister von Reutlingen, Bonn, Essen, Mannheim und Herrenberg | Bildquelle: dpa
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Zusammen mit Umweltministerin Schulze und Verkehrsminister Scheuer stellten die Oberhäupter der Modellstädte ihre Pläne vor.

Die Städte Bonn und Reutlingen wollen Jahrestickets für 365 Euro anbieten, in Bonn soll es außerdem Fahrscheine für Familien zum Preis von Einzeltickets geben. Oberbürgermeister Ashok Sridharan rechnet dadurch mit höheren Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen. "Deswegen wollen wir die Takte verdichten. Wir wollen die Taktverdichtung auch ausweiten in die Abendstunden und auf das Wochenende."

Ein "betriebliches Mobilitätmanagement" mit den großen Arbeitgebern in Bonn und in der Region soll mehr Menschen in ein einzelnes Auto bringen - oder sie gleich "ganz vom Pkw wegbringen, auf das Fahrrad oder die ÖPNV".

Mannheim will Pendler in Busse bekommen

Mit gut 39 Millionen Euro erhält Bonn den Löwenanteil aus dem Fördertopf. Rund 28 Millionen Euro fließen nach Mannheim. Dort soll das bereits bestehende "Green-City-Ticket", das jede Fahrt nach Luftlinie berechnet, ausgebaut werden. Außerdem soll es Knotenpunkte geben, an denen per Lkw angelieferte Waren auf Elektrofahrzeuge umgeladen werden.

Mannheim will auch das Angebot an Buslinien erweitern. Die sollen aber die Innenstadt nicht zusätzlich belasten. "Deswegen setzen wir ganz bewusst eben nicht auf Buslinien, die durch die Stadt fahren, sondern wir stärken die Tangentiallinien, die direkt zu den Arbeitgebern in die Unternehmen fahren", erklärt Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht. Diese sollen im Zehn-Minuten-Takt fahren. Zusammen mit einer "Job-Ticket-Initiative" soll so "eine Reihe von Nachfragern" auf den Bus umsteigen.

Die Stadt Essen will mit gut 21 Millionen Euro erreichen, dass sich die Zahl der Pkw und Lkw in der Innenstadt halbiert. Oberbürgermeister Thomas Kufen will den Bustakt deutlich ausbauen - von bisher zehn Minuten auf fünf Minuten. "Das hört sich so trivial und einfach an, aber dazu sind 24 zusätzliche Fahrzeuge nötig", sagt Kufen. "Wir brauchen fast 80 zusätzliche Fahrer, und wir brauchen einen zusätzlichen Betriebshof." Darüber hinaus werden zusätzliche Fahrradstraßen eingerichtet, die an den Hauptrouten liegen - zusätzlich zu den stark belasteten Straßen.

Erfolgsprüfungen in einem Jahr

Noch am Nachmittag wollten die beiden Minister Scheuer und Schulze mit den Vertretern der fünf Modellstädte organisatorische Fragen klären. Im Herbst soll zudem ein Planungsbeschleunigungsverfahren auf den Weg gebracht werden.

Umwelt- und Verkehrsministerium wollen gemeinsam prüfen, ob die Vorhaben Erfolg zeigen und die Luft in den Innenstädten nachhaltig verbessern. Mitte 2019 will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer "ganz konkrete Zwischenauswertungen" haben, um das Programm auf die Städte zu übertragen, die ebenfalls Unterstützung brauchen.

Ob mit den insgesamt rund 128 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm "Saubere Luft" die Klage der EU-Kommission gegen Deutschland abgewehrt und die weiterhin drohenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhindert werden können, ist offen.

130 Millionen Euro für bessere Luft: Die Maßnahmen in den Modellstädten
K. Wehrheim, ARD Berlin
14.08.2018 16:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2018 um 18:00 Uhr.

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