FDP-Vize Wolfgang Kubicki steht vor einem FDP-Logo | Bildquelle: dpa

FDP-Vize offen für Gespräche Kubicki liebäugelt mit Jamaika 2.0

Stand: 05.12.2017 14:43 Uhr

Die FDP hat die Jamaika-Sondierungen im November platzen lassen. Nun brachte FDP-Vize Kubicki überraschend eine Neuauflage ins Spiel - falls die GroKo-Verhandlungen scheitern. Parteichef Lindner dementierte umgehend: Kubicki sei "wohl falsch interpretiert" worden.

Kurz vor der Entscheidung des SPD-Parteitags über die Aufnahme von Gesprächen mit der Union über eine Regierungsbildung vollzieht die FDP eine überraschende Kehrtwende - zumindest den Worten Wolfgang Kubickis zufolge. Entgegen den Aussagen führender Liberaler in den vergangenen Wochen brachte der FDP-Vize nun eine Neuauflage der Jamaika-Sondierungsgespräche ins Spiel. Dies allerdings nur für den Fall, dass die Verhandlungen zwischen Sozialdemokraten und Union scheitern sollten.

"Eines ist doch klar: Scheitert die GroKo, haben wir eine andere Lage", sagte Kubicki den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. "Selbstverständlich werden die Freien Demokraten im Licht der Entwicklung neue Bewertungen vornehmen. Wir sind schließlich keine Dogmatiker."

Christian Lindner @c_lindner
Widersprüchliche Wahlprogramme werden sich nicht in Luft auflösen.In dieser Wahlperiode ist #Jamaika für niemanden mehr ein Thema.Wolfgang ist wohl falsch interpretiert worden. Minderheitsregierung würden wir konstruktiv begleiten.Union muss sich von SPD nicht erpressen lassen.CL https://t.co/E52V8FDYv1

"Wolfgang ist wohl falsch interpretiert worden"

Das Dementi von FDP-Chef Lindner folgte jedoch umgehend. Er wies eine mögliche Wiederbelebung der Jamaika-Sondierungen erneut zurück. "In dieser Wahlperiode ist #Jamaika für niemanden mehr ein Thema", schrieb er auf Twitter. Und fügte hinzu: "Wolfgang ist wohl falsch interpretiert worden."

Der SPD-Vorstand hatte am Montag die Aufnahme ergebnisoffener Gespräche mit CDU und CSU befürwortet, wobei ausdrücklich alle Optionen - von einer abermaligen Großen Koalition über die Tolerierung einer Minderheitsregierung bis hin zu Neuwahlen - auf dem Tisch bleiben sollen. Die Entscheidung über den Beginn solcher Gespräche wird der SPD-Parteitag Ende dieser Woche treffen.

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FDP-Chef Lindner schließt erneute Jamaika-Gespräche aus.

Die Aussagen Kubickis über eine mögliche zweite Chance für ein Jamaika-Bündnis stehen im Widerspruch zur bisherigen Haltung der Liberalen, die die Sondierungsgespräche mit Union und Grünen mit ihrem Ausstieg zum Scheitern gebracht hatten. Bereits vor zwei Wochen hatte Lindner einen zweiten Anlauf für die Jamaika-Sondierung strikt abgelehnt. "Eine Wiederaufnahme der Gespräche schließe ich aus", hatte er damals erklärt und wenige Tage später ergänzt: "Jamaika wäre binnen Monaten in 1000 Trümmerteile zerfallen, vermutlich wegen der Europapolitik."

Bisher sah Kubicki die GroKo als einzigen Ausweg

Kubicki selbst hatte die Große Koalition kürzlich als einzigen Ausweg aus der derzeitigen Situation bezeichnet. Nach der Kritik der Grünen im Zusammenhang mit dem Scheitern der Jamaika-Sondierung hatte er zudem erklärt: "Die zum Teil unterirdischen Angriffe auf die FDP und ihre Führung dokumentieren doch in ernüchternder Deutlichkeit, dass es keine Basis für eine Zusammenarbeit in den nächsten vier Jahren gab."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2017 um 17:00 Uhr.

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