Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, hält auf dem Bundesparteitag der FDP eine Rede. | Bildquelle: dpa

FDP-Parteitag Die Lindner-Festspiele

Stand: 12.05.2018 20:08 Uhr

Beim ersten Parteitag nach dem Wiedereinzug in den Bundestag strotzt die FDP vor Selbstbewusstsein. Parteichef Lindner unterstrich seinen Führungsanspruch - und die Reaktionen gaben ihm recht.

Von Tamara Anthony, ARD-Hauptstadtstudio

Bombastische Musik wie bei einem Hollywood-Blockbuster dröhnt durch die Halle zum Beginn des FDP-Parteitag. "Die Partei hat wieder Durchschlagskraft" ist der Subtext, nicht nur bei der Musikwahl. Es ist der erste Parteitag nach vier Jahren in der außerparlamentarischen Bundestagsopposition.

Die ehemalige Fabrikhalle in Berlin ist überfüllt. Alle Plätze sind besetzt, fast 200 Menschen warten stehend auf die Rede von Parteichef Christian Lindner. Die Choreographie macht deutlich: Lindner ist die unangefochtene Nummer eins. War bei seinen Vorredner der Lärmpegel in der Halle noch hoch, plötzlich wird es ruhig.

Martin Polansky, ARD Berlin, mit Informationen vom FDP-Parteitag
tagesschau24 11:00 Uhr, 13.05.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Lindner tritt an den Sprechpult. Er spannt den großen Bogen, beginnt mit der Krise in Syrien, dem Streit um den Welthandel, die Herausforderungen durch ein aufstrebendes Russland. Führungsschwäche wirft er der Regierung Merkel vor. Ihr Empfang bei Trump bezeichnet er als "protokollarische Ohrfeige". "Jetzt ist Leadership nötig, Frau Merkel", ruft Lindner seinen Delegierten zu. "Sagen Sie was Sie für richtig halten, wovon Sie in der Europa-Frage überzeugt sind und kämpfen Sie dafür!"

Die Delegierten sind begeistert. Lindner fährt fort: "Wenn Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher 1989 die gleiche Zögerlichkeit gehabt hätten wie Frau Merkel heute, hätte es die deutsche Einheit niemals gegeben." Jetzt tobt der Saal.

Bekenntnis zur EU und Einbindung Russlands

Lindner plädiert für den Multilateralismus. Er wettert gegen Abschottung und ruft immer wieder die aktuelle Regierung zum Handeln auf. "Deutschland sollte die Initiative zu einem Sondergipfel ergreifen, damit Europa wieder mit einer Stimme spricht", fordert Lindner. Die Beziehung zu Großbritannien müsse Deutschland angesichts des Brexit stärken, damit es nicht zu einer Entfremdung komme.

Und auch die parteiintern umstrittenen außenpolitischen Punkte legt der Parteichef auf den Tisch. "Russland hat seinen Platz im Haus Europa, wenn es sich an die Hausordnung hält", ruft Lindner unter Applaus. Er spricht sich dafür aus, Russland wieder in den Kreis der G7+1 oder G8 aufzunehmen.

Sein Vize, der schleswig-holsteinische Wolfgang Kubicki, fordert dagegen einen moderaten Abbau von Russland-Sanktionen. "Unsere Außenpolitiker raten davon ab", meint Lindner in seiner Rede, "der Westen erschiene dann defensiv und schwach".

Großer Rundumschlag

Der inhaltliche Konflikt war im Vorfeld immer wieder auch als Machtkampf zwischen den Parteichefs beschrieben worden. Christian Lindner geht in die Offensive: "Wir sind eine lebendige Partei", appelliert er in Richtung seiner Delegierten. "Ein Meinungsspektrum macht uns nicht schwach, sondern stark. Niemand, der hier eine unterlegene Meinung vertritt, ist danach verbrannt." Tosender Applaus scheint ihm Recht zu geben.

Von der Außenpolitik geht es über Zukunftstechnologien und Wirtschaftspolitik zum Thema Arbeitspolitik. In der Migrationspolitik übt er deutliche Kritik an Bundesinnenminister Horst Seehofer, noch härter greift er CSU-Chef Söder wegen dessen Kreuz-Erlasses an.

Danach nur noch Gummibärchen

Mit stehenden Ovationen endet die etwa 90 Minuten lange Rede von Parteichef Lindner. Es ist der einzige Höhepunkt am ersten Tag des zweitägigen Parteitags. Die Gäste haben sich schnell in die Halle nebenan verabschiedet, hier verschenken Sponsoren Gummibärchen und Spielzeug.

Ein wenig Stimmung kommt noch in den Plenarsaal bei der allgemeinen Aussprache: Mit Vehemenz tragen einige Delegierte ihre Ablehnung zu einer Frauenquote vor. Doch dann ist auch Lindner die nächsten Stunden nicht mehr an seinem Platz auf dem Podium zu sehen. Über Stunden befasst sich die Partei mit parteiinternen Regularien, jetzt leeren sich auch die Stühle der Delegierten. Mal wieder wird klar, Christian Lindner ist die Partei.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Mai 2018 um 17:00 Uhr.

Darstellung: