Der damalige Vorsitzende und der Ehrenvorsitzende der FDP, Guido Westerwelle (l) und Hans-Dietrich Genscher (r) applaudieren 2009 beim Auftakt des Bundesparteitages der FDP in Potsdam. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

70 Jahre FDP Große Namen, Großer Lauschangriff

Stand: 11.12.2018 16:19 Uhr

Ein Außenminister, der die Ausreise mehrerer Tausend DDR-Bürger verkündet, eine Justizministerin, die sich mit der eigenen Partei überwirft und zurücktritt: Die FDP blickt auf wechselvolle 70 Jahre.

Von Alfred Schmit, ARD-Hauptstadtstudio

Aufs Ganze gesehen steht es um die FDP zu ihrem 70. Geburtstag besser als in den Jahren zuvor: Der Negativ-Trend bei den Mitgliederzahlen ist gestoppt. Im Bundestag ist die Partei auch wieder vertreten. Und beim aktuellen DeutschlandTrend kommen die Freien Demokraten immerhin auf 8 Prozent. Das liegt allerdings unter den 10,7 Prozent von der Bundestagswahl im September 2017.

Parteichef Christian Lindner verhandelte kurz danach mit Union und Grünen über eine Jamaika-Koalition. Und lehnte schließlich ab. Man werde die Wählerinnen und Wähler nicht im Stich lassen, indem man eine Politik mittrage, von der man im Kern nicht überzeugt sei. "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren".

Partei mit Geschichte und großen Namen

Die FDP im Wandel der Zeit: 1948 gründete sich die Partei als Zusammenschluss linksliberaler und nationalliberaler Kräfte. Mehrmals war sie als kleinerer Partner von Union oder SPD ein Teil der Bundesregierung. Ihr prominentester Kopf im Laufe der Jahre war wohl Hans-Dietrich Genscher.

Als Außenminister verantwortete er fast lückenlos von 1974 bis 1992 Deutschlands Außenpolitik vor und nach der Wiedervereinigung. "Alles was wir vorher gemacht haben - Ostverträge, KSZE, Abrüstungsvorhaben, Bemühen um eine neue Politik - alles das war unser Beitrag". Aber die Mauer zum Einsturz zu bringen, hätte nur vom Osten aus geschehen können, so Genscher weiter. "So kam es dann auch".

Weitere Galionsfigur der FDP war ihr Gründungsmitglied Thomas Dehler. Dessen Ruhm mag heute verblasst sein, doch in den Jahren nach der Parteigründung war er bekannt für flammende Reden. Im Bundestag stritt er etwa 1952 vehement gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe. Wenn man erlebt habe, "wie im letzten Weltkrieg Menschen wegen eines Wortes, wegen einer Geste, wegen einer Haltung, die sich kaum geäußert hat, oder wegen wirtschaftlichem Verhaltens aufs Schafott gekommen sind, weiß man, welche Gefahren in der Möglichkeit der Ausdehnung der Todesstrafe liegen."

Lauschangriff, Freiheit und Bürgerrechte

Über die Jahre musste sich die FDP immer wieder gegen den Eindruck wehren, lediglich eine Partei für Besserverdienende zu sein. Die Verteidigung liberaler Werte, wie etwa die Freiheit der Bürger gegenüber dem Staat, nahm die FDP für sich in Anspruch: zum Beispiel den Streit um den Großen Lauschangriff, also Überwachungsmaßnahmen durch Behörden. Per Mitgliederbefragung sprach sich die FDP 1995 dafür aus.

Aus Protest dagegen trat die damalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zurück. Sie lehne aus Überzeugung die Änderungen der bisherigen liberalen Rechtspolitik ab und könne die von den Mitgliedern getroffene Entscheidung nicht im Interesse der FDP glaubwürdig vertreten.

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FDP - die Geschichte der Partei (1948 bis 2018)

FDP

Vor 70 Jahren, am 11. und 12. Dezember 1948, wurde die FDP in Heppenheim an der Bergstraße gegründet. Die 13 liberalen Landesverbände der drei westlichen Besatzungszonen schlossen sich zusammen. Theodor Heuss (links, auf einer Wahlveranstaltung 1948 in Berlin) war der erste Bundesvorsitzende der Partei. Bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 (rechts ein Foto vom Wahlabend) errang die FDP einen Stimmenanteil von 11,9 Prozent. Seitdem war die FDP bis 2013 in jedem Bundestag vertreten.

Wahlziel: 18 Prozent

Bei den Feierlichkeiten zum 70. Parteijubiläum werden viele große Namen fallen, wie etwa die der Bundespräsidenten Theodor Heuss oder Walter Scheel. Auch des verstorbenen Parteichefs Guido Westerwelle wird die Partei erneut gedenken. Unter seiner Führung holte die FDP ihr bestes Wahlergebnis im Bund: Mehr als 14 Prozent der Stimmen waren es 2009: "Ich begrüße Sie alle sehr herzlich bei der `demnächstigen´ 18 Prozent Partei FDP", sagte Westerwelle damals.

Vier Jahre später allerdings scheiterte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde. Und kehrte erst vergangenes Jahr zurück in den Bundestag.

Mittlerweile läuft es wieder besser, auch in den Ländern: Auf den Regierungsbänken in Düsseldorf, Mainz und Kiel ist die FDP zurzeit mit dabei. In den westdeutschen Ländern kam sie überall außer im Saarland über fünf Prozent. Dafür allerdings in keinem der ostdeutschen Länder, außer in Berlin. Im Osten war die FDP nur kurz nach der Wiedervereinigung so richtig beliebt. Auch dank Hans-Dietrich Genscher, gebürtig aus Halle an der Saale.

70 Jahre FDP
Alfred Schmit, ARD Berlin
11.12.2018 14:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2018 um 05:40 Uhr.

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