Fragen und Antworten

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt einen Abstrich von einer Reiserückkehrerin im Corona-Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen | Bildquelle: dpa

Nach Debakel in Bayern Wie funktionieren die Rückkehrer-Tests?

Stand: 13.08.2020 18:57 Uhr

Wird die Testpflicht für Reiserückkehrer in Deutschland richtig umgesetzt? Nach der bayerischen Panne, bestehen Zweifel. Doch während dort anfangs mit Zetteln gearbeitet wurde, sind andere Bundesländer schon weiter.

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Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Wer ist in Bayern für die Test-Panne verantwortlich?

In Bayern können Reiserückkehrer Tests an den drei bayerischen Flughäfen, den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an Autobahnraststätten der A3, A8 und A93 machen. Zunächst wurden die Abstriche unter anderem von Ehrenamtlichen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) genommen. Das Auswerten der Tests und die Mitteilung der Ergebnisse liegt in der Verantwortung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Der Rückstau bei der Übermittlung der Ergebnisse liegt vor allem daran, dass die Daten der Getesteten zunächst händisch auf Formularen erfasst werden mussten, "da das LGL sich nicht in der Lage gesehen" habe, in der kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, teilte das BRK mit und wies damit Schuldzuweisungen zurück.

Die bayerischen Hilfsorganisationen seien vom Freistaat beauftragt worden, innerhalb eines Tages fünf Teststationen (drei Rastanlagen, zwei Hauptbahnhöfe) in Betrieb zu nehmen. Neben dem BRK waren auch das Technische Hilfswerk (THW) sowie Malteser und Johanniter im Einsatz. Dabei habe man sich strikt an den Vorgaben des LGL orientiert, das den Hilfsorganisationen die Formulare zur Verfügung gestellt habe, heißt es vom BRK. Schon kurz nach Eröffnung der Teststationen war bekannt geworden, dass die Wartezeit, bis ein Ergebnis vorlag, eine Woche oder mehr betragen konnte.

Der Präsident des LGL, Andreas Zapf, hatte am Mittwoch eingeräumt, die Zahl der Tests, die an den Teststationen gemacht werden, unterschätzt zu haben. Etwa 60.000 Tests sollen händisch erfasst worden sein. Ministerpräsident Markus Söder betonte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Melanie Huml, dass Bayern "Vorreiter" gewesen sei, und den Test auch für Durchreisende angeboten habe. Das sei auch ein "Service" für andere Bundesländer.

Melanie Huml und Markus Söder | Bildquelle: dpa
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Söder will auch in Zukunft auf Humls Expertise nicht verzichten - und nahm Rücktrittsangebot nicht an.

Wie geht es in Bayern jetzt weiter?

Die mehr als 900 positiv Getesteten würden derzeit abtelefoniert und sollten im Laufe des Tages von ihren Testergebnissen erfahren, sagte Gesundheitsministerin Huml bei ihrer Pressekonferenz mit Söder. Dafür sei die Nacht durchgearbeitet worden. Im Anschluss sollen auch die negativ getesteten Personen ihr Ergebnis erhalten. Außerdem gebe es mehr als 150 Fälle, bei denen es noch unsicher ist, weil sie nicht zugeordnet werden könnten. Dabei könne es sich auch um Doubletten handeln, der Datenabgleich laufe noch.

Inzwischen haben private Anbieter die Teststationen übernommen. Diese würden die Daten digital erfassen. Sie übernehmen auch die Auswertung. Dadurch sollen Betroffene schneller von den Testergebnissen erfahren. Der Betreiber an den Flughäfen arbeite mit einer App.

Mit den privaten Dienstleistern sei vereinbart worden, dass die Testergebnisse künftig innerhalb von 24 bis 48 Stunden übermittelt werden sollen, sagte Huml am Vortag. Dies sei aber nur möglich, wenn es auf digitalem Weg erfolgt. Wer den postalischen Weg bevorzuge, müsse länger warten.

Um das Testchaos in den Griff zu bekommen, soll das Personal des Landesgesundheitsamts um 100 Personen aufgestockt werden, kommunale Testzentren sollen künftig - wegen der besseren Infrastruktur - über das Innenministerium laufen. Der Präsident des LGL, Zapf, wechsele ins Innenministerium, um die Behörden enger zu verzahnen, kündigte Ministerpräsident Söder an. Gesundheitsministerin Huml habe ihm zweimal ihren Rücktritt angeboten, doch beide hätten sich entschieden, "dass man sich unterhakt und die Fehler gemeinsam behebt", sagte Söder.

Wie läuft es in Nordrhein-Westfalen?

Auch in NRW gibt es Testzentren für Reiserückkehrer an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund, Münster/Osnabrück und Weeze. Außerdem führen die niedergelassenen Ärzte die kostenlosen Tests durch. In den Teststationen der Flughäfen erhalten Reisende einen Ausdruck mit einem QR-Code, mit dem die Testergebnisse abgerufen werden können. Dies gelingt laut nordrhein-westfälischem Gesundheitsministerium in der Regel in ein bis zwei Tagen.

An den Flughäfen seien bislang etwa 47.150 Rückkehrer (Stand 11.8.) aus Risikogebieten getestet worden. Über die anderen Testzentren könne keine Aussage getroffen werden, so das Ministerium. Es seine immer noch genügend Kapazitäten vorhanden, um bei lokalen oder überregionalen Ausbruchsgeschehen zeitnah reagieren zu können.

Wie ist Baden-Württemberg aufgestellt?

Auch die baden-württembergischen Flughäfen Stuttgart, Karlsruhe und Friedrichshafen und der Stuttgarter Hauptbahnhof unterhalten Testzentren. Morgen kommt noch eine Teststationan der A5 hinzu. Die Getesteten erhalten ihre Ergebnisse bislang über die Kassenärztlichen Vereinigungen, eine Möglichkeit der elektronischen Benachrichtigung direkt durch das Labor werde derzeit geprüft, teilt das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg mit.

Parallel erfolgt eine Meldung positiver Befunde von den Laboren an das Gesundheitsamt. Diese laufe üblicherweise per Fax, teilweise aber auch über ein elektronisches Meldesystem. Ein entsprechendes Modul stehe seit Mitte Juni zur Verfügung.

Am Flughafen Stuttgart laufen laut Ministerium täglich in etwa 500 bis 1500 Testungen, in Friedrichshafen rund 280. Die Labore in Baden-Württemberg könnten etwa 150.000 Test pro Woche durchführen und seien noch nicht ausgelastet, heißt es. Derzeit gäbe es 78.000 Tests pro Woche.

Mit Informationen des Bayerischen Rundfunks.

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Sandra Stalinski, tagesschau.de

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